Die Operation an der Verkehrsschlagader der Stadt Cham beginnt schon im Herbst

Das Besteck für die Operation an der Chamer Verkehrsschlagader liegt bereit: Bürgermeister Martin Stoiber und sein Tiefbau-Ingenieur Josef Ried haben zwei dicke Ordner mit Plänen und Genehmigungen für den Neubau der Flutbrücke beim Autohaus Cham im Rathaus liegen. Nun soll es noch im Herbst ans Eingemachte gehen: Die Bauvorbereitungen beginnen.
Vier Wochen lang liegen derzeit die Pläne für den Neubau der Flutbrücke im Rathaus zur Einsicht auf. Als erstes werden im Herbst Bäume fallen, weil die Stadt den Platz zwischen Flutbrücke und Fluss für die Umleitungsspange braucht. Zuvor wird es aber eine Informationsversammlung für die Anlieger geben.
Die wichtigsten Vorgaben
Bürgermeister Stoiber stellt klar, was für die Stadt die zwei wichtigsten Vorgaben sind: „Der Verkehr muss über die neue Spange weiterlaufen und wir haben sichergestellt, dass nach dem Bau weder die Ober- noch die Unterlieger bei Hochwasser irgendwelche Nachteile befürchten müssen. Die Pläne wurden dahingehend vom Wasserwirtschaftsamt geprüft und sind vom Landratsamt genehmigt!“
Stoiber sagt aber auch, dass keine überzogenen Hoffnungen geweckt werden sollen. Bei einer Verkehrsschlagader, die täglich mit 20000 Fahrzeugen belastet sei, könnten Staus zu Kernzeiten nicht vermieden werden, auch nicht nach dem Neubau der Flutbrücke.
Das Risiko Hochwasser
Ein weiteres Risiko muss die Stadt tragen, weil es keine Alternative gibt: Die Umfahrung der Baustelle würde bei Hochwasser überschwemmt. „Wir haben unsere Hausaufgaben aber gemacht“, verspricht der Bürgermeister. Er verweist auf die zahlreichen Sanierungen im Umfeld. „Wir haben – Beispiel Frühlingsstraße – alles im Vorfeld des Neubaus dafür getan, dass im Hochwasserfall die Alternativen keine Baustelle sind.“ Noch vor dem Baubeginn 2026 werde man deswegen auch andere Punkte noch sanieren, wie zum Beispiel die Schulberg-Kreuzung beim Landratsamt. Geprüft werden in diesem Zusammenhang auch die beiden Widerlager der Florian-Geyer-Brücke. „Da läuft Wasser rein. Dort müssen wir vermutlich noch abdichten“, sagt Ried.
Der Grund, warum die Stadt den Bau so schnell wie möglich angehen will: Die Flutbrücke beim Autohaus Cham ist baufällig. Bisher hat eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h ausgereicht, um die Sicherheit dort zu gewährleisten. Die Tonnagen – derzeit sind 50 Tonnen Gewicht erlaubt und im Gegenverkehr 30 Tonnen – mussten bisher nicht eingeschränkt werden.
Sechs Millionen für die Brücke
2025 findet aber die nächste Hauptuntersuchung der Brücke statt. Doch dann ist die Stadt auf der sicheren Seite: „Wenn die Untersuchung kommt, bauen wir schon an der Umfahrung der Baustelle“, sagt Stoiber. Sechs Millionen Euro hat die Stadt für die neue Brücke veranschlagt, die 2026 stehen soll. 2027 wird dann der provisorische Bypass rückgebaut.
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Auch Stadtwerke und Telekom stehen schon in den Startlöchern. Die Leitungen für Strom, Wasser und Breitband sollen im Zuge des Brückenneubaus neu geführt werden. Teilweise werde das auch durch Spülbohrungen unter dem Regenfluss hindurch geschehen, sagt Tiefbau-Ingenieur Ried.
Noch ein paar harte Nüsse
Damit ist es für die Autofahrer und die Geschäftswelt aber noch nicht überstanden. Anschließend wartet mit der Fleischtorbrücke ein weiteres herausforderndes Projekt. Diese Brücke muss grundlegend saniert werden. Außerdem wird das sogenannte „Auge“ gebaut, das eine verbesserte Verkehrsführung gewährleisten soll.
„Die größte Verbesserung wird aber sein, dass die Autofahrer, die bisher aus der Straubinger Straße heraus teilweise nicht links abbiegen konnten, wenn viel Verkehr war, nun nach rechts fahren und über das Auge wenden können, um problemloser stadteinwärts zu kommen“, sagt Ried. Der Bürgermeister erinnert vorsichtshalber an die Euphoriebremse: „Es wird leichter, aber ganz problemlos wird es zu Stoßzeiten nie sein.“
Doch bis es so weit ist, haben die Sanierer noch einige harte Nüsse zu knacken. Die Fleischtorbrücke wird nicht neu gebaut, aber sie muss saniert werden. Auf ihrer Unterseite platzt der Spritzbeton in den drei Bögen ab. „Wir müssen eine Gerüstlösung finden, die bei Hochwasser kein Problem darstellt, oder von einem Ponton aus arbeiten. Und ins Wasser fallen darf ja auch nichts“, beschreibt Ried.
Das „Auge“ soll es richten
Außerdem soll die Fleischtorbrücke eine technische Anbaulösung für einen kombinierten Geh- und Radweg bekommen, die noch in Arbeit ist. In ihrem Vorfeld wird dann das berühmte „Auge“ platziert, das nach der Form der neuen Verkehrsführung benannt worden ist. Von dieser neuen Straßenführung verspricht sich die Stadt Erleichterungen beim Weg in die Altstadt und wieder heraus. Ziel der Stadt: von den drei Spuren auf der Brücke immer zwei befahrbar halten.
