Die Ideen aus 133 Seiten Fahrradkonzept sollen den Radverkehr in Cham ankurbeln

Wie sehr die Stadt Cham den Radfahrern künftig entgegenkommt, zeigt sich bei den Investitionen für die Parkplätze. An vielen Stellen, wo zentrale Treffpunkte sind, sollen jetzt neue Zweiradparkplätze aufgebaut werden.
Und manche bekommen dazu noch ein Rad-Piktogramm am Boden – damit man sie überhaupt als Parkplätze wahrnimmt und nicht mit Kunst im öffentlichen Raum verwechselt. So ist das etwa mit den einfachen Quadratbögen, die nicht unbedingt gleich als Stellplätze zu erkennen sind. Nikola Richter und Christian Fahnberg waren vergangene Woche in der Stadtratssitzung, um das fertige Radkonzept ihres Büros INGEVOST vorzustellen.
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Das Konzept ist auch ein Ergebnis von elf öffentlichen Sitzungen des Verkehrsforums der Stadt, wo Ideen und Wünsche rund ums Rad vorgebracht werden konnten. Die Beteiligung von Bürgerseite war eher mager, wie Stadtrat Günther Lommer anmerkte. Die Macher des Konzepts haben wohl schon Schlimmeres erlebt, jedenfalls sprachen sie von guter Beteiligung.
Die Zertifizierung ist 2027
Wie dem auch sei – das Konzept, das den Radverkehr in Cham von bisher einem auf fünf Prozent Radler anwachsen lassen soll und 2021 in Auftrag ging, dient vor allem auch einem Zweck: Die Stadt will sich 2027 als fahrradfreundliche Stadt zertifizieren lassen. Zudem locken Fördergelder vom Freistaat für Maßnahmen für Radler.
Bis 2027 müsse sich etwas bewegt haben, so Bürgermeister Martin Stoiber. Um das touristische Aushängeschild der Radfahrerfreundlichkeit zu bekommen, ist die Stadt Mitte des Jahres dem Verein „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern“ (AGFK) beigetreten, einem Netzwerk bayerischer Kommunen, das 2012 mit maßgeblicher Unterstützung der Bayerischen Landesregierung ins Leben gerufen wurde. „Wir wollen den Radverkehr in der Stadt stärken“, betonte Stoiber.
Wobei das Konzept an sich weniger die Freizeitradler, sondern vor allem die Alltagsradler, also die Chamer etwa auf dem Weg zur Arbeit, im Auge hat und deren Lage auf den bislang von Autos dominierten Straßen verbessern will. Wie ernst es die Stadt damit meint, ist daran zu sehen, dass bislang bei jeder Stadtratssitzung in diesem Jahr ein Radthema auf der Tagesordnung gewesen ist.
Sicher bleibe das Auto auf dem Land das wichtigste Verkehrsmittel, sagte Stoiber. Doch den ÖPNV und den Radverkehr auszubauen, diene auch dem Ziel, die Stadt klimafreundlicher zu machen. Das Büro INGEVOST hatte das 133-seitige Konzept den Stadträten vorgelegt – und die stimmten bei einer Gegenstimme von Günther Lommer der Umsetzung zu. In einem nächsten Schritt, nachdem bereits Radwege auf den Straßen eingezeichnet und Einbahnstraßen für Radler geöffnet wurden, werden nun die Parkgelegenheiten für die Zweiradfreunde ausgebaut. Von 34 Einzelmaßnahmen sind zehn in einem Aktionsplan gelandet, der kurzfristig verwirklicht wird oder bereits ist wie etwa Tempo 30 in der Altstadt. Radwege-Netzlücken sollen geschlossen, Verknüpfungen zum ÖPNV geschaffen und die Sicherheit erhöht werden.
Hochwertiges Radwegenetz
Zudem soll das Thema den Menschen bewusster gemacht werden. Am Ende soll ein hochwertiges Radfahrnetz entstanden sein, dass aber immer wieder aktualisiert werden müsse wie auch das Konzept selbst. „Wir sind noch am Anfang!“, so Stoiber. Vergleiche man die Umsetzung mit einer Tour nach Spanien, sei man gerade einmal an der Grenze Bayerns. Doch bereits im Haushalt 2024 seien einige Maßnahmen drin. Gerade in der Coronazeit habe das Rad einen Aufschwung erlebt, sagte Stoiber.
Während Lommer das Steigerungsziel auf fünf Prozent Radler eher mager beurteilte, betrachtete Stadtrat Walter Dendorfer die Erreichbarkeit der Marke eher skeptisch. Doch stimme man als Arbeitsgemeinschaft Chamland auch zu, weil das Radkonzept auch zum Umweltkonzept der Stadt passe. Es sei eine „Tour de Cham“, die die Stadt da vorhabe, so Stadtrat Andreas Geiling. Es werde nicht leicht, doch sei es im Sinne einer attraktiven Stadt, die sich dynamisch präsentiere, für Studenten und Familien. Daher befürworte man den Ausbau.