Lebendige Städtepartnerschaft von Combourg und Waldmünchen

Dass ihre Partnerschaft mit der bretonischen Stadt Combourg auch im 31. Jahr ihres Bestehens sehr lebendig ist, das erlebten die Waldmünchner am vergangenen Wochenende wieder einmal besonders eindrucksvoll. Rund 50 Frauen und Männer kamen am Freitag mit dem Bus in der Trenckstadt an, wo sie von ihren Gastfamilien, von Bürgermeister Markus Ackermann, dem Team des Tourismusbüros und den Vorsitzenden des Partnerschaftskomitees Julia Bacherl und Ramona Bierl-Rossmann vor der „Stadtwerkstatt“ am Marktplatz empfangen wurden.
Schon bei der teils emotionalen Begrüßung konnte man feststellen, dass Waldmünchner und Combourger längst zu Freunden geworden sind. Das unterstrichen die beiden Bürgermeister, Joel Le Besco aus Combourg und Markus Ackermann aus Waldmünchen besonders bei einem Festakt vor dem Rathaus am Sonntagvormittag.
Fundament für Europa
Ackermann betonte in seiner Ansprache, dass die Freundschaften zwischen den Gästen und den Gastgebern lebendiger Beweis dafür seien, dass Vertrauen und Sympathie weder sprachliche noch nationale Grenzen kennen. Freundschaften über die Grenzen hinweg könnten eigentlich bestes Fundament für das Wachsen der europäischen Idee sein, die aber bedauerlicherweise wieder in die Defensive zu kommen scheint und deshalb unser aller Hilfe benötigt, so Ackermann.
Die aktuellen Herausforderungen – Krieg in Europa, Migrationsproblematik, die militärische zukünftige Positionierung der EU und das Wiedererstarken rechter Parteien – sind alarmierend und alles andere als beruhigend, so Ackermann eindringlich. Deshalb sei es umso wichtiger, dass Städtepartnerschaften wie die zwischen Waldmünchen und Combourg die Friedensinitiative Europa mit Leben erfüllen. Sie tragen durch gegenseitiges Kennenlernen und Verstehen zu einem friedlichen und freundschaftlichen Europa bei.
Auch Bürgermeister Joel Le Besco erinnerte an die Bedeutung der europäischen Idee, die Frieden und Einheit auf dem Kontinent garantiert. Le Besco beleuchtete kurz die jüngste Entwicklung in seinem Land und stellte dabei fest, dass Europa von der deutsch-französischen Zusammenarbeit abhängt. Er hoffe, dass unsere Regierungen in dieser Zeit der wirtschaftlichen und politischen Instabilität in eine gute gemeinsame Zukunft gehen. Frieden, nichts als Frieden, dieses Motto muss wieder zum Symbol eines geeinten und vereinten Europas werden, fordert Le Besco.
Er bedankte sich bei Ackermann, der Stadtverwaltung und den Waldmünchnern für die Gastfreundschaft, vor allem ohne die Familien wäre das Kennenlernen und die Entdeckung unserer schönen Regionen – Bretagne und Bayern – nicht möglich. Die Städtepartnerschaft Combourg-Waldmünchen möge leben!
Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler, als ehemaliger Waldmünchner Bürgermeister eng in die Städtepartnerschaft eingebunden, erinnerte an die Anfänge und Bürgermeister Dieter Aumüller, Senator Heinrich Eiber und den Combourger Bürgermeister Dr. Belliard. 31 Jahre später stelle man fest, dass die Welt komplizierter geworden ist. Die Städtepartnerschaft sei angesichts der Populisten, die viele Bürger verunsichern, wichtiger und wertvoller denn je geworden, so Löffler, der Glück und Freiheit für unser Europa wünschte.
Zwei neue Organisatorinnen
Ackermann und Le Besco bedankten sich bei den Komiteevorsitzenden Celine Dorel, Julia Bacherl und Ramona Bierl-Rossmann, welche die Begegnung heuer erstmals organisiert haben. Sie baten die Anwesenden für eine Gedenkminute für Yves Costard, welcher viele Jahre die Jumelage in Combourg betreut hatte. Geschenke wurden ausgetauscht, die in den Partnerstädten an die Treffen erinnern werden. Der Festakt wurde musikalisch mit vier Hymnen von der Bläsergruppe „Hollerstauern-Brass“ unter der Leitung von Rudi Zwicknagl bereichert. Danach formierte sich ein Kirchenzug, der von der zwölfjährigen Celestine Louazel mit dem bretonischen Dudelsack angeführt wurde.
Das Interview mit Joël Le Besco
Joël Le Besco ist seit 2001 Bürgermeister der französischen Partnerstadt Combourg. Mit ihm haben wir über Wahl in Frankreich, die anstehenden olympischen Spiele und die Tour de France gesprochen. Übersetzt hat für uns das Gespräch Martina Mathes, die seit vielen Jahren die Städtepartnerschaft von Waldmünchen und Combourg leitend betreut. Le Besco bezeichnet sich selbst als parteipolitisch unabhängigen Bürgermeister.
Derzeit ist Frankreich durch verschiedene aktuelle Ereignisse oft Teil der Berichterstattung in deutschen Medien. Wir wollten von Le Besco zunächst mehr über die in wenigen Tagen beginnenden Olympischen Spiele wissen. Die Vorfreude auf die Olympischen Spiele in Frankreich würde derzeit von den politischen Ereignissen nach der Wahl in Frankreich verdrängt, sagt e der Bürgermeister von Combourg. Aber natürlich freuten sich die Franzosen auf die Spiele.
Das andere große Sportereignis die Tour spiele in Combourg keine Rolle. Für die Etappenorte sei die Tour aber wichtig, um sich in Szene zu setzen. Leider komme die Tour zu selten in die Bretagne. „Vielleicht weil wir zu wenige Berge haben!“
Kurz vor Olympia war der falsche Zeitpunkt für eine Wahl
Auf die Wahl zur Nationalversammlung angesprochen, bedauert Le Besco den Zeitpunkt der Wahl. Präsident Emanuel Macron hätte keine Neuwahl so kurz vor einem Großereignis wie den Olympischen Spielen ansetzen sollen. Allerdings sei es wohl richtig gewesen, den Franzosen nicht soviel Zeit zum Nachdenken gegeben zu haben. Die französische Politik sei derzeit ein Spiegelbild zur deutschen Politik. Wenn jetzt in Deutschland gewählt würde, dann hätte die Regierung auch keine Mehrheit. „Das Leben ist nicht leicht, und das gilt auch für die Politik!“, sagt Le Besco.
Danach erklärt Besco das Mehrheits-Wahlsystem in Frankreich. Zunächst sind nur die gewählt, die eine absolute Mehrheit über 50 Prozent erhalten. In einer zweiten Runde würde dann die relative Mehrheit genügen. Antreten dürfen alle die über 12,5 Prozent der Stimmen erhalten hätten. Auf den Dreierpositionen hätten sich das Linksbündnis und das Bündnis um Macron darauf geeinigt nur einen Kandidaten aufzustellen, um sich gegen das Rechtsbündnis von Le Pen durchzusetzen. Das sei gelungen. In der Region , in der Combourg liege, sei Claudia Rouaux eine den Linken zugeordnete Abgeordnete gewählt worden.
Nach seinen Erwartungen nach der Wahl gefragt, sagt Le Besco: „Wir haben keine Regierung.“ Er beschreibt das Dilemma, dass es derzeit drei in etwa gleichstarke Gruppierungen gibt und keiner weiß, wer den Hut aufhat. Solche Situationen habe es in der Zeit von Präsident Charles de Gaulle – also in den 60er Jahren – öfter gegeben, allerdings seither nicht mehr. Als Problem sieht Le Besco die vielen finanziellen Versprechungen der Wahlkämpfer an die Bevölkerung. Hier gebe es nur eine Lösung: Europa müsse Frankreich klar machen, dass es die Schuldenregeln einhalten muss.
Dass durch die innenpolitischen Schwierigkeiten der deutsch-französische Motor abgewürgt werde, befürchtet Le Besco eher nicht. In Frankreich gebe es drei Machtfaktoren: Die Politik, die Presse und die Wirtschaft. Er vermute, dass die Wirtschaft in der jetzigen Situation eine Richtung vorgebe.
Ein großes Problem für die Gesellschaft und die Politik sieht Le Besco darin, dass sich die Menschen nur übers Internet und damit in ihren Blasen informierten. Eine Information über die Presse sei da ausgewogener, sagte der Bürgermeister.

