Die letzte donnernde Chamer Stadtrunde des Albert Gruber und seiner Harley-Freunde

Von Johannes Schiedermeier · 16. Juli 2024 um 19:00

Er starb einen ungewöhnlichen Tod und seine ungewöhnliche Beerdigung war eigentlich schon vor sieben Jahren geplant: Albert Gruber, Familienmensch, Bademeister, Kolpingmusiker und vor allem: Harley-Enthuasiast – aus Cham. Seine Frau Maria weiß, dass sie sieben Jahre mit ihm als Lebensbonus bekommen hat und spricht mit seinem Humor: „Der Boandlkramer hat ihm noch sieben Jahre geschenkt, aber den zweiten Kirschgeist hat er nicht mehr genommen.“

Vor sieben Jahren hatte sich Albert Gruber zum ersten Mal von seiner Frau Maria verabschiedet: „Ich fahr jetzt heim“, hatte er zu ihr auf dem Rawuckerl-Fest in Altenmarkt gesagt. Gekommen ist er nur bis zur Florian-Geyer-Brücke.

Vor sieben Jahren beinahe tot

Dort wollte er ein langsam fahrendes Auto überholen, als es nach links abbog. Der Gruber Albert wurde mit seiner Harley schwer getroffen und darunter eingeklemmt. Das war sein Glück. Denn die Wucht des Aufpralls hatte die Aorta platzen lassen. Schwer eingeklemmt, wurde sie zusammengedrückt und er verblutete deshalb nicht. Nur so wurde die Operation in Regensburg möglich, wo ihm ein Implantat gesetzt wurde. Damit hat er bis zum Donnerstag gelebt. Er wurde 65 Jahre alt.

Am Donnerstag stach ihn beim Abendessen auf der Terrasse seines Hauses in Elsing im Kreis der Familie eine Biene. Seiner Frau Maria hat sich der Moment eingebrannt: „Als ich mit dem Espresso aus dem Haus kam, hatte er sich gerade den Stachel herausgezogen und schaffte noch die Hälfte der Notfallmedizin. Dann kippte er weg. Wir haben ihm noch die Spritze aus dem Notfallset für den Urlaub gesetzt. Dann kamen Rettungsdienst und Notarzt. Sie konnten ihn nicht mehr wiederbeleben!“

Die Gruber Maria sagt, dass sie damit gut umgehen kann, weil sie weiß, dass es sieben geschenkte Jahre waren: „Wir hatten gute Jahre.Wir hatten auch Tiefen. Aber am Ende haben wir immer zusammengehalten“, blickt sie zurück.

Am Mittwoch wird der Gruber Albert beerdigt. „Ich hatte ihm damals gezeigt, wie ich seine Beerdigung geplant hatte. Und der hat gesagt: „Versprich mir, dass du das genauso machst, wenn ich vor dir gehe“, erinnert sie sich.

Und so kam es, dass in die Planung seine Harleyfreunde einbezogen wurden. Der Gruber Albert wurde in seinem Harley-Outfit zur Ruhe gebettet und seine Motorrad-Freunde Reinhold Gschwendner und Tom Ederer haben den schwarz lackierten Sarg mit Airbrush-Technik golden verziert. „So einen schönen Sarg habe ich noch nie gesehen“, sagt die Gruber Maria und fügt an: „Wer diese Harley-Freunde hat, der hat eine echte Familie. Die sind der Wahnsinn.“

Sie lacht in der Erinnerung, über den Schreck der Mesnerin, die ihr erzählte, dass sie im ersten Moment geglaubt hat, dass die Leichenhalle überfallen wird. „Dabei haben die Harley-Freunde bloß das Einparken bei der Beerdigung vor Ort besprochen“, sagt sie.

Am Dienstagnachmittag trafen sich die Harley-Freunde beim Biker-Treff der Devil-Skulls am alten Güterbahnhof. am Bahnhofsgelände in Cham-West, um ihrem Freund Albert seine Wunsch nach einer letzten Runde zu erfüllen. Es flossen viele Tränen und die Gruber Maria war froh über den großen Beistand: „Es ist so gut, Euch zu haben. Ihr seid so toll.“ Die Schar der Biker wuchs von Minute zu Minute.

Um 13.45 rollte der Donner von rund 60 Harleys durch Cham-West, als der Tross im Gefolge des Leichenwagens den Gruber Albert zu dessen letzter Stadtrunde startete. Der Weg führte an einigen seiner Lebensstationen vorbei: seinem Wohnhaus in der Unteren Regenstraße und dem Freibad, wo er viele Jahre als Bademeister Dienst getan hatte.

Über Katzbach führte die Runde dann nach Pemfling, wo sich die Harleys vor dem Leichenhaus aufreihten, während Biker und Bikerinnen schweigend einen Halbkreis bildeten, als der Sarg mit dem Harley-Emblem und der Aufschrift „Albert“ aus dem Leichenwagen gerollt wurde. Dann nahm jeder einzeln Abschied mit der Hand auf dem Sarg. „Es ist so schön geworden. Genau so hat er es sich gewünscht“, sagte die Gruber Maria immer wieder.

Alles läuft nach Wunsch

Noch am selben Dienstagabend fand in Pemfling die Aussegnung samt Sterberosenkranz statt. Der Trauergottesdienst ist heute, Mittwoch, um 14.30 Uhr in der Klosterkirche in Cham. Dort ist auch um 14 Uhr der Sterberosenkranz. Das habe sich ihr Mann gewünscht, sagt die Gruber Maria, weil er immer in seiner Klosterkirche den 10 Uhr-Gottesdienst besucht hat.

„Dort hat er auch alljährlich aus Altötting eine Kerze mit der schwarzen Madonna aufgestellt, erzählt sie. Seine letzte Ruhestätte findet der Gruber Albert nach dem Requiem in der Gruft von Maria Grubers Familie. „Das wollte er auch so“, sagt sie.

Sarg und Leichenhalle wurden nach dem Wunsch des Toten dekoriert, und die Biker nahmen einzeln Abschied am Sarg.