Erster Flugversuch missglückt: Jungstorch schockt Hochzeitsgesellschaft in Bad Kötzting

Von Sabrina Kauer · 15. Juli 2024 um 19:00

Ein Absturz mit glimpflichem Ausgang hat sich am Samstagnachmittag im Herzen Bad Kötztings (Landkreis Cham) ereignet. Für einen der drei Jungstörche hat der erste Flugversuch nicht wirklich funktioniert. Er stürzte ab und blutete danach aus seinem Schnabel. Ausgerechnet eine Hochzeitsgesellschaft wurde Zeuge davon.

Ein Brautpaar schreitet nach der Trauung aus dem Bad Kötztinger Rathaus durchs Spalier und wird am Vorplatz von Familien- sowie Vereinsmitgliedern und Freunden empfangen, als jemand aus der Hochzeitsgesellschaft beobachtet, wie der Storch vom Rathaus losfliegt, gibt Markus Schmidberger, Geschäftsstellenleiter beim Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) Cham, die Erzählungen der Hochzeitsgäste wider.

„Senkrecht runtergekracht“

Einer von ihnen habe gesehen, wie der Storch in Richtung Innenhof der Brauerei-Gaststätte Zur Post gesegelt und dann „senkrecht runtergekracht“ ist, so Schmidberger. Daraufhin habe die Hochzeitsgesellschaft nach dem Vogel gesehen und ihn im Durchgangsbereich zwischen der Gaststätte und der Kaffeerösterei Gscheid Haferl aufgefunden.

Das bestätigt auch Matthias Wutz, der mit seiner Frau Manuela Wühr das Gscheid Haferl betreibt. Manuela Wühr ist zudem Bad Kötztinger Storchenbeauftragte. So kam es, dass die beiden kontaktiert wurden und ihnen von dem Vorfall berichtet wurde, erzählt Wutz. Dieser habe schließlich im LBV-Zentrum in Nößwartling angerufen, und kurz darauf sei Markus Schmidberger zur Stelle gewesen.

Vogel unter Beobachtung

„Es passiert häufiger, dass Störche bei ihrem ersten Flugversuch abstürzen“, sagt er. In den meisten Fällen kämen die Jungstörche dabei gut davon. Weil aber der Bad Kötztinger Bruchpilot aus seinem Schnabel geblutet hat, war Vorsicht geboten. „Das hat nicht aufgehört und deswegen mussten wir schauen, ob der Storch einen Schädelbasisbruch hat.“ Wäre das der Fall gewesen, „dann wäre er garantiert in den nächsten Stunden gestorben“, sagt Schmidberger. Doch scheinbar hatte der Storch Glück im Unglück: „Nach zwei Tagen war er wieder in guter Verfassung. Er war sehr aktiv und hat in seiner Voliere protestiert und gezeigt, dass er wieder raus will“, erzählt Schmidberger.

Schon am Sonntagmittag habe der Vogel nicht mehr aus seinem Schnabel geblutet. Am Montagvormittag wurde der Jungstorch wieder in die Freiheit entlassen: auf den Beckerdorfer Wiesen – ein für Störche optimales Nahrungsgebiet zwischen dem Bad Kötztinger Campingplatz und Sperlhammer, sagt Schmidberger. Bis dahin sei der Vogel im LBV-Zentrum in Nößwartling mit Mäusen und Eintagsküken versorgt worden.

Der Jungstorch muss erst einmal seine Muskeln aufbauen

Bis der Jungvogel wieder zu seinem Horst in der Innenstadt zurückfliegen könne, werde es etwa zwei bis drei Tage dauern. Dann habe er die nötigen Muskeln für einen weiteren Flugversuch. „Es ist kein Problem, wenn der Storch jetzt ein paar Tage da draußen auf den Wiesen rumstolziert“, sagt Schmidberger.

Lediglich freilaufende Hunde könnten dem Vogel nun zum Verhängnis werden. Mit seinem Schnabel könne es der Jungstorch aber zum Beispiel mit Katzen oder Füchse aufnehmen. „Der Schnabel ist eine Waffe“, weiß Schmidberger. Rettungsaktionen wie die am vergangenen Samstag seien nicht selten. „Es ist ein Klassiker, dass das immer mal wieder beim ersten Flugversuch passiert“, sagt Schmidberger.

Dass sich die jungen Störche dabei auch mal verletzen, sei normal. Und auch wenn der Bad Kötztinger Bruchpilot anfangs aus seinem Schnabel geblutet hat: „Es war nicht so dramatisch wie es ausgesehen hat“, sagt Schmidberger.

Am Montagvormittag wurde das Tier auf den Beckerdorfer Wiesen freigelassen. Foto: Marco Böhm
Foto: Heidi Brandl