Schimmel und Raumnot: Fahrplan für Regensburger Berufsschule III verabschiedet

Von Juliana Ried · 12. Juli 2024 um 12:00

Die Stadt Regensburg will für viel Geld Ersatzräume anmieten, um eine Sanierung oder einen Neubau der Berufsschule III vorzubereiten. Vor wenigen Tagen kam es zum zweiten Wasserschaden in diesem Jahr.

Die Zettel, die am Montag kurzzeitig an der Berufsschule III an der Prüfeninger Straße aushingen, warnten sogar vor Lebensgefahr. „Schule gesperrt Wasserschaden!!“, hieß es darauf, und „Sicherungen nicht einschalten!!!!“. Tatsächlich habe keine Lebensgefahr bestanden, erklärte Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra. Der Unterricht aber fiel aus in dem so maroden wie markanten gelben Gebäude, wegen des zweiten Wasserschadens in diesem Jahr. Der Bildungsausschuss des Stadtrats hat am Donnerstag einen Fahrplan beschlossen, der eine Sanierung oder einen Neubau zumindest vorbereiten soll.

Bisher hatten die jeweils regierenden Koalitionen das immer wieder aufgeschoben. Nun gibt es kein Rathausbündnis mehr, und das Gebäude aus den 1930ern ist der Beschlussvorlage des Bildungsreferats zufolge in einem Zustand, „der eine weitere schulische Nutzung für das Berufliche Schulzentrum Matthäus Runtinger ohne vollumfängliche Sanierung auf absehbare Zeit unmöglich macht“.

Anmietung kostet die Stadt 570.000 Euro pro Jahr

Bildungsreferentin Sabine Kellner-Mayrhofer schlug dem Ausschuss vor, dass die Stadt versucht, für mindestens zehn Jahre etliche Ersatzräume anzumieten: Angeboten worden sind dem Referat 2500 Quadratmeter in der benachbarten Dr.-Leo-Ritter-Straße für 570.000 Euro im Jahr. Die Stadträte stimmten den entsprechenden Verhandlungen einstimmig zu. Mit weiteren Kosten, etwa für die bauliche Anpassung, ist zu rechnen. Die Räumlichkeiten können nach vorläufiger Planung rund die Hälfte der Schul- und Verwaltungsräume im Bestandsgebäude ersetzen, „um dessen Generalsanierung inklusive Anpassung der Raumzuschnitte zu ermöglichen“. Die Planungen dazu und für einen Erweiterungsbau sollen 2024 eingeleitet und priorisiert werden, um die Anmietungs- und Leerstandszeit zu minimieren.

Schon jetzt hat die Stadt in der Nachbarstraße Räume angemietet, um die Platznot in der Schule mit mit mehr als 3000 Schülern zu entschärfen. Mehrere Zimmer im Untergeschoss sind wegen Schimmelbefalls seit Jahren nicht nutzbar, so schildert es das Bildungsreferat in der Beschlussvorlage.

Nach einem Wasserschaden im Januar sind vom zweiten Stock bis in den Keller Geschossdecken durchnässt, verstärkte Schimmelbildung ist die Folge. Mehrere Räume und Toiletten sind deswegen gesperrt, Teile von Gängen nur als Fluchtweg nutzbar. Schüler und Mitarbeiter der Schule berichten von sehr schlechter Luft im Gebäude – und davon, dass am Montagmorgen alle per Durchsage nach Hause beziehungsweise an den Arbeitsplatz geschickt worden seien. Stadtsprecherin von Roenne-Styra erklärt dazu: Am Wochenende sei wegen des starken Regens im Untergeschoss erneut Wasser eingetreten. Da die Zuständigen zunächst die Ursache suchen hätten müssen, den Strom abstellen und das Wasser, sei die Schule ausgefallen. Die Folgen beider Wasserschäden sollen in den Sommerferien behoben werden.

Kommt es zu einem Neubau oder einer Sanierung?

Dass die Stadt das Problem marode Berufsschule grundlegend angehen muss, darin waren sich die Stadträte ebenso einig wie in der Frage, dass die Anmietung zwar viel koste, aber nötig sei. Bernadette Dechant (CSU) betonte: „Noch viel dringender ist, dass wir jetzt am Ball bleiben.“ Ein Schulgebäude wie dieses würde kein Gymnasiast jemals akzeptieren. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) erklärte dazu, das Vorhaben sei „immer wieder nach hinten geschoben worden“, meistens mit der Begründung, dass Berufsschüler nicht so viel Zeit an der Schule verbrächten. Auch sie ist aber der Meinung: „Jetzt wird’s langsam richtig dringend.“ Ob es zu einem Neubau oder einer Generalsanierung komme, sei im Augenblick unklar. Das ist auch umstritten. Brücke-Stadtrat Thomas Mayr sprach sich für ein neues Gebäude am Stadtrand aus, während Grünen-Stadtrat Stefan Christoph ebenso deutlich für die Nutzung des bestehenden Gebäudes argumentierte.

Die Schule

Schwerpunkt: An der städtischen Berufsschule, die zum Beruflichen Schulzentrum Matthäus Runtinger gehört, gibt es Abteilungen für Büromanagement, Einzelhandelsberufe, Finanzdienstleistungsberufe, Industrie- und Handelsberufe, IT-Berufe, Speditions- und Logistikberufe, Verwaltungs- und Rechtsberufe und Gesundheitsberufe.

Planung: Der Stadtrat beschloss 2017 einen Neubau des Schulzentrums. Nun heißt es, Bau oder Sanierung sollen binnen zehn Jahren realisiert werden.

In diesem Nachbargebäude will die Stadt etliche Ersatzräume für die Schule anmieten.