Realschule Abensberg muss generalsaniert werden – das löst eine Debatte im Kreisausschuss Kelheim aus

Von Martina Hutzler · 9. Juli 2024 um 17:45

Die Staatliche Realschule Abensberg wird „mittelfristig“ generalsaniert. Das hat der Kreisausschuss des Kreistags am Montag (8. Juli) mehrheitlich beschlossen. Und sich auch schon informiert, wie eine Umsetzung zeitlich und räumlich aussehen könnte. Mit dem Ergebnis, dass nun ein erstes Umbauprojekt „zeitnah“ vorgezogen wird.

• Bedarf: Die Johannes-Turmair-Realschule Abensberg (JTR) ist in die Jahre gekommen; Handlungsbedarf dort hat die Kreispolitik schon bestätigt und beim Regensburger Schulplanungsbüro conceptK eine erste Konzeptstudie beauftragt. Ingenieur Albert Schmid stellte die Vorschläge, die freilich noch längst nicht in Stein gemeißelt sind, am Montag im Kreisausschuss vor.

Aber wie groß muss die JTR sein? Vor zehn Jahren schienen vierstellige Schülerzahlen in Sicht; vor fünf Jahren hatte die JTR nur um die 850 Jugendliche. Aktuell ist sie bei 936. Die Analyse des Sozialplanungs-Institut SAGS (2021) erwartet weiteres Wachstum, auf 1110 Schüler/innen bis 2034. Dann wären wohl sieben statt sechs Eingangsklassen nötig. Daher hat conceptK in seiner Studie Sechs- und Sieben-Zügigkeit beleuchtet. Ebenso den mutmaßlich steigenden Bedarf an Ganztagsbetreuung und Mittagsverpflegung.

• „Startmaßnahme“: Falls die Schule bleiben soll, wo sie jetzt ist, könnte zur schnellen Strukturverbesserung das 60 Jahre alte, mehrfach sanierte und erweiterte Hauptgebäude erweitert und seine Nutzung neu sortiert werden: Der Westtrakt ließe sich in den Innenhof hinein bzw. nach außen vergrößern und könnte im Erdgeschoß den erweiterten Mensa- und Ganztagsbereich sowie die Bibliothek aufnehmen. In den Obergeschoßen könnte man Klassenzimmer und Fachräume neu gruppieren und erweitern. Ausweichquartier in der Umbau-Zeit wäre der Modulbau, der dieser Tage fertig wurde.

Eine Sieben-Zügigkeit wäre innerhalb der Startmaßnahme noch nicht machbar, so der Planer. Kostenprognose: fünf Millionen Euro.

• Generalsanierung: Bei dieser Variante soll, zusätzlich zum Ausbau des Westtrakts im Hauptgebäude, der 45 Jahre alte „Südbau“ einem Neubau weichen, weile eine Sanierung wohl unwirtschaftlich wäre. Ein ein- bis zweiteiliger Neubau (für 6 bzw. 7 Züge) könnte Mensa, Ganztag und Bibliothek beherbergen, sofern diese nicht schon per „Startmaßnahme“ im Hauptgebäude entstehen; dazu moderne „Unterrichtscluster“ in den Obergeschoßen. Die Fachräume wären im Hauptgebäude konzentriert. Als Ausweichquartier in der Bauzeit würde der neue Modulbau aufgestockt oder um einen zweiten Block ergänzt. Kostenprognose: 33 Mio. (6 Züge) bzw. 46 Mio. (7 Züge).

Als „Maximallösung“ könnte der Neubau noch größer ausfallen und so den Schwerpunkt„IT“ aufnehmen; außerdem östlich davon eine Einfachturnhalle errichtet werden. Kostenprognose: 53 Mio. Euro.

• Neubau: Statt Sanierung wäre ein Ersatzneubau denkbar, in der unbebauten Südhälfte des Schulareals, z. B. mit zwei versetzten viergeschoßigen Querriegeln. Der jetzige Hauptbau könnte dann dem Pausenhof weichen, auch Süd- und Modulbau kämen weg. Kostenprognose: 51 Mio. für Sechszügigkeit. Mit weiteren Baukörpern wären sieben Züge möglich, aber logistisch schwierig. Kostenprognose: 61 Mio.

Noch völlig vage ist die Prognose für einen Neubau „auf der grünen Wiese“, die ja erst einmal gefunden werden müsste: 63 Mio. Euro (ohne Grunderwerb und Erschließung).

• Bewertung: Die Kostenprognosen seien noch kaum belastbar, betonte der Planer. Ebenfalls noch offen ist, wie viel der Staat zuschießt. Das „Starterpaket“ wäre ungefähr binnen fünf Jahren realisierbar; die weiteren Varianten in ca. zehn, elf Jahren. Falls die JTR bleiben soll, wo sie ist, schlägt „conceptK“ vor, mit der Startmaßnahme zu beginnen, aber die Generalsanierung samt Erweiterung schon mitzuplanen.

• Debatte: Weitgehend Zustimmung fand Kreisrat Bastian Bohn (JL) mit der Forderung, die Schule nicht jetzt schon auf 6- oder 7-Zügigkeit festzulegen. Das sei genehmigungsrechtlich und auf Basis einer ersten Studie auch weder nötig noch möglich, bestätigten Kreiskämmerer Reinhard Schmidbauer und Planer Schmid. Kreisrat Andreas Fischer (SLU) nannte die Option Neubau „unrealistisch“ – und erntete Widerspruch von Kreisrat Christian Nerb (FW): „Ein Neubau ,auf der grünen Wiese‘ ist am einfachsten realisierbar. Und ich glaube, es ist über die Jahre hinweg auch am wirtschaftlichsten“, so Nerb, der in der Haushaltsdebatte 2024 ein zeitliches Verschieben der Generalsanierung angeregt hatte.

Alle anderen Räte stimmten für den Vorschlag der Verwaltung. Folglich wird die JTR „mittelfristig generalsaniert“ und dazu eine „ganzheitliche, gestufte, flexible Objektplanung“ erstellt, ausgehend von 6-Zügigkeit, aber mit der Option auf 7 Züge. Zuvor, als vorgezogener Schritt wird die „Startmaßnahme“ realisiert.

Die Realschule ist noch gut nutzbar, aber sanierungsbedürftig. Foto: Abeltshauser