Massen an Mitwirkenden schichten im Regensburger Dom wuchtige Klangsäulen auf

Von Gerhard Dietel · 7. Juli 2024 um 13:45

Die Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik ist 150 Jahre alt. Mit dem „Te Deum“ von Hector Berlioz gelingt ein würdiger Höhepunkt des Festjahrs.

Als „Hauptstadt der Kirchenmusik“ bezeichnete einst Franz Liszt Regensburg, und dies mit Blick auf die 1874 gegründete katholische Kirchenmusikschule. Auf eine 150 Jahre währende Tradition kann diese Institution, die inzwischen zur Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik aufgestiegen ist, heuer zurückblicken und sie hat guten Grund, mit Stolz ihr bis heute international ausstrahlendes Wirken zu feiern.

Erster Höhepunkt: ein Festkonzert am Freitagabend im Regensburger Dom, zu dem Bischof Rudolf Voderholzer die „Fans der Kirchenmusik“ begrüßte, welche freilich bald nach Beginn der Veranstaltung in ihrer Aufmerksamkeit kurz von anderen Fans gestört wurden: Da schallte der Torjubel beim zwischenzeitlichen Ausgleich der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Spiel gegen Spanien unüberhörbar in das Gotteshaus herein.

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Zu den Wurzeln der im Geist des Cäcilianismus gegründeten „Kirchenmusikschule“, ja zu den Wurzeln der Kirchenmusik überhaupt führte das Festkonzert zunächst zurück, als gregorianische Lobgesänge erklangen, unvermutet aus dem Hintergrund einsetzend, später, nach einer Prozession der ausführenden Choralscholen, im Angesicht der Zuhörer fortgesetzt: Farbig wechselten im Vortrag Männer- und Frauenstimmen, schlichter syllabischer Textvortrag und jubelnde Melismen. Zusätzlicher optischer Reiz für die mit gregorianischem Gesang weniger Vertrauten: die typische Gestik, mit denen Christoph Hönerlage, Professor für Gregorianik an der HfKM, Rhythmus und Artikulation der Singenden steuerte.

Größer konnte der Kontrast nicht sein zur folgenden „Te Deum“-Vertonung von Hector Berlioz, die eine gigantische Schar von Mitwirkenden im Chorraum des Doms versammelte: den Konzertchor der HfKM, den Universitätschor, die von Domkapellmeister Christian Heiß einstudierten Regensburger Domspatzen, den Solo-Tenor Richard Resch und dazu das Universitätsorchester Regensburg sowie Simon Rager an der Domorgel. Schier nicht zu überblicken war die Schar der Mitwirkenden, doch boten zwei seitlich positionierte Videowände wechselnde Einblicke in das Zusammenwirken der Sängerinnen, Sänger und Instrumentalisten. Die Gesamtleitung hatte Universitätsmusikdirektor Arn Goerke, der von erhöhtem Standort, um nicht zu sagen vom Feldherrenhügel aus die Massen der Beteiligten kraftvoll und umsichtig koordinierte.

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Imposante Akkorde des Orchesters, dröhnende Fortissimo-Antworten der Orgel, bevor Sängerinnen und Sänger den mächtigen Lobpreis „Te deum laudamus“ anstimmen: So eröffnet Berlioz sein kolossales Werk, das den Hörer vom ersten Moment an überwältigen und räumlich umfangen will.

Wuchtige Klangsäulen türmten sich immer wieder auf, Paukenwirbel und Beckenschläge markierten die Höhepunkte. Dramaturgisch klug standen ruhigere Abschnitte wie beim „Tibi omnes“ dazwischen, magische Momente wie im schillernden „Sanctus“. Und nicht nur Lobpreis ist dieses „Te deum“, sondern auch ein Ort flehender Bitten wie im „Tu ergo quaesumus“, wo Richard Reschs markanter Tenor den einzigen vokalen Soloauftritt hatte.

Ein verfrühtes Bravo schallte noch in das Echo des Schlussakkords hinein, dann setzte ein minutenlanger Beifall für alle am Konzert beteiligten Kräfte ein. Zweifellos: Dies war eine würdige Eröffnung der Feierlichkeiten zum Jubiläum der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik, die ihre Fortsetzung mit einem Sommerkonzert am 25. Juli und bei einer „Festakademie“ am 30. November finden werden.

Minutenlangen Beifall gab es für das „Te Deum“ im Dom. Foto: altrofoto.de