Monika Gruber und Gloria von Thurn und Taxis besuchen Alfons Schuhbeck im Knast

Von Christian Eckl · 6. Juli 2024 um 05:00

„Ich mag Gefallene“: Das sagt die Regensburger Prominente Gloria von Thurn und Taxis ganz offen. Gemeint damit ist ihr alter Freund Alfons Schuhbeck, der eine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung verbüßt. Die Fürstin besucht ihn – zusammen mit Monika Gruber.

Thurn und Taxis fragte vor dem Besuch bei Monika Gruber nach. Die Kabarettistin besucht nämlich nicht nur die Schlossfestspiele in Regensburg als Künstlerin, sondern kennt Schuhbeck lange. Gemeinsam waren sie bei ihm in der JVA. Die Adelige verrät, dass Schuhbeck bald wieder kochen darf.

Was ist Ihnen bei den Festspielen, die am 12. Juli beginnen, im Schloss das Wichtigste?

Gloria von Thurn und Taxis: Dass die Menschen zu uns ins Schloss kommen und es ein Teil dieser Stadt wird dadurch. Es wird zum Publikumsmagneten. Irgendwie war das Schloss entfernt, als ich nach Regensburg kam. Einmal habe ich mich verlaufen, kurz nach der Heirat mit meinem Johannes. Als ich jemanden auf der Straße fragte, wo es hier zu Thurn und Taxis geht, hat er mich zur Brauerei geschickt. Da wurde mir klar, das muss sich ändern. Mittlerweile kommen die Regensburger gerne zum Weihnachtsmarkt – und eben auch zu den Festspielen.

Es gibt eine politische Debatte und sogar Proteste. Wie empfinden Sie die?

Thurn und Taxis: Die gab es schon, als mein Mann und ich geheiratet haben. Ich fand schon immer, dass das im Grunde genommen Quatsch ist, aber wenn die Leute da hingehen wollen, ist das doch ihr gutes Recht. Speziell diese Anti-Gloria-Proteste haben mich deshalb nicht so tangiert, weil ich weiß, dass die Vorwürfe haltlos sind. Ich bin nicht homophob, ich habe hier im Schloss schon Transmenschen eingeladen, da wusste noch keiner, was das ist. Das sind alles aufgeklebte Vorurteile, um die Leute aufzuhetzen.

Wie ist Ihre Beziehung zu Regensburg?

Thurn und Taxis: Das ist meine Heimat. Hier fühle ich mich richtig zuhause. Wenn ich woanders bin, bin ich doch immer zu Gast. Aber ich reise sehr gerne. Um ehrlich zu sein: Ich habe ungarisches Zigeunerblut in mir.

Für das Wort Zigeuner müssen wir Sie rügen. Es ist diskriminierend.

Thurn und Taxis: Ich bin ja Ungarin und wenn man es für sich selbst sagt, dann geht es.

Was schätzen Sie an Deutschland und Regensburg?

Thurn und Taxis: Das politische Klima, die Eifersucht und das Neidige, das stört mich schon hierzulande. Aber um auf Regensburg zu kommen: Die Stadt ist ganz wunderbar. Sie bietet doch alles. In Großstädten wie New York ist immer alles eine große Sache. Da sagt man: Wir spielen jetzt Golf, als Antwort bekommt man: Gerne nächste Woche. Hier fahre ich in den Golfclub Thiergarten und spiele. Kürzlich wollte ich Boot fahren, ich habe ja hier kein Boot. Da bin ich runter gegangen an die Donau, da gibt es die Firma Bootsspass und da kann es gleich losgehen. Bei uns in Regensburg haben wir kurze Wege und wir können fünf Sachen am Tag machen. Das liebe ich sehr.

Sie gehen einfach so an die Donau? Werden Sie angesprochen?

Thurn und Taxis: Ja, ganz häufig. Und auch immer sehr nett. Außer kürzlich, da blieb eine Frau stehen und sagte ganz laut: ,Sie sind eine unmögliche schlimme Frau‘. Ich hab dann nur runter geschaut und gesagt, ,Oh je, ich weiß‘, dann ist sie weitergegangen. Aber die meisten Regensburger grüßen mich freundlich.

Sie laden regelmäßig Freunde ein. Fühlen die sich wohl?

Thurn und Taxis: Ja, absolut, egal ob aus New York, vielleicht heuer auch aus Madrid und Cartagena in Columbien und natürlich Römer. Sie genießen die Atmosphäre. Vielleicht kommt heuer der Künstler Kehinde Wiley, den ich sehr mag.

(Anmerkung der Redaktion: Kehinde Wiley war der erste schwarze US-Künstler, der einen US-Präsidenten, damals Barack Obama, für das offizielle Porträt malte.)

Wiley beschäftigt sich mit der Rolle seiner Ethnie in der Gesellschaft, ist offen homosexuell und hat sie hier schon mal besucht. Dabei wirft man Ihnen vor, rechtsextrem zu sein.

Thurn und Taxis: Man trifft jemanden doch nur, wenn man einen Finger in die Wunde legt. Aber diese Vorwürfe sind mir einfach so egal, weil sie nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben.

Hat Sie getroffen, dass man über Sie versucht hat, jemand anderem zu schaden, nämlich dem Veranstalter der Schlossfestspiele?

Thurn und Taxis: Natürlich. Reinhard Söll ist ein Unternehmer und ich fand es sehr interessant zu sehen, wie er reagiert hat. Er ist Unternehmer und mietet diesen Platz im Schlosshof. Aber letztlich ist es so: Wenn man jemandem schaden will, dann behauptet man einfach irgendwas.

Haben Sie mal versucht, Kontakt mit Ihren Kritikern zu suchen?

Thurn und Taxis: Als die Jungs von Revolverheld hier waren und mir alles Mögliche vorgeworfen haben, habe ich gesagt, kommt doch in den Garten und plaudert mit uns. Das wollten die nicht. Die haben mir vorgeworfen, ich habe was gegen Migranten. Das ist doch Schwachsinn. Ich habe etwas dagegen, wenn Menschen unkontrolliert zu uns kommen ohne Pässe. Und wenn sie Straftaten begehen. Hier vor dem Schloss im Alleengürtel und am Hauptbahnhof sieht man doch, was unter dem Mäntelchen von Toleranz und Vielfalt so alles möglich wird. Ich habe in New York erlebt, wo wir in den 80er Jahren durch die Schwulenbars gezogen sind, dass es dort auch sehr gefährlich war. Der Bürgermeister hat dann aufgeräumt. Dann ist die Gefahr verschwunden, aber leider auch die coolen Clubs und Bars. Aber ob eine Stadt gefährlich ist oder nicht, das ist vor allem eine politische Entscheidung.

Wieso ist das Meinungsklima so geworden bei uns?

Thurn und Taxis: Viele in meiner Generation finden, dass aus der eingeforderten Toleranz eine knallharte Dogmatik geworden ist. Wir haben gesagt: Ist doch egal, ob Mann oder Frau, wir sind alle gleich. Heute gibt es zig Bezeichnungen für alle möglichen Geschlechtsdefinitionen. Das ist der Zeitgeist, aber er hat einen Spaltpilz in die Gesellschaft getrieben.

Eine, die auch polarisiert, ist die Kabarettistin Monika Gruber. Sie kommt diesmal als Künstlerin. Sind Sie befreundet?

Thurn und Taxis: Ja. Wir waren kürzlich bei unserem gemeinsamen Freund Alfons Schuhbeck und haben ihn besucht.

Der sitzt doch im Gefängnis?

Thurn und Taxis: Ja, ich habe Monika Gruber gefragt, ob wir ihn besuchen wollen. Das haben wir dann gemacht. Wir sind in die JVA gefahren und haben dort mit ihm gesprochen. Es geht ihm gut, er sieht gut aus und er wird auch gut behandelt. Bald darf er tagsüber als Rehabilitationsmaßnahme arbeiten und wird wieder kochen.

Wie war es denn für Sie im Gefängnis?

Thurn und Taxis: Die Leute da sind alle sehr nett. Und Alfons ist ein lebensbejahender und positiver Mensch. Und dass Monika Gruber gleich Ja gesagt hat, hat mich auch gefreut. Die Leute kommen ja sonst immer nur, wenn man oben ist. Aber mich interessieren die Menschen vor allem auch, wenn sie mal gestürzt und gefallen sind.

Ein Sprichwort sagt: Es wird nirgendwo so viel geweint wie hinter samtenen Vorhängen.

Thurn und Taxis: Das ist mir auch oft aufgefallen. Da gibt es Leute, die haben alles, in Wirklichkeit sind es sehr unglückliche, einsame Menschen.

Was wünschen Sie sich? Leiten Sie die Geschäfte des Hauses noch?

Thurn und Taxis: Einen Wunsch für den Ruhestand habe ich nicht. Ich sage immer, ich leite das Team der Berater für meinen Sohn. Er ist der Boss und wir arbeiten ihm zu. Er weiß, dass ich als Mutter uneigennützig bin und zuerst seine Interessen im Kopf habe und erst daran denke und nicht an mich.

Kommt die Familie noch gerne zu den Festspielen?

Thurn und Taxis: Also meine Töchter haben sich da sehr emanzipiert. Aber Albert übernimmt jetzt auch langsam immer mehr Repräsentationsaufgaben. Er wird sich sicherlich auch bei den Schlossfestspielen einmal sehen lassen.

Auf was freuen Sie sich denn am meisten?

Thurn und Taxis: Ich freue mich natürlich sehr auf Asmik Grigorian, die ist ein Weltstar. Auch der Hauser ist ein Weltklasse Cellist. Und natürlich auf Kool & The Gang, das ist genau meine Zeit gewesen, die 80er Jahre. Und Funk liebe ich über alles. Und ich freue mich vor allen Dingen auf die Leute und auf die schönen Abende in der lauen Sommernacht. Hoffentlich wird es nicht regnen!

Interview: Christian Eckl