Neumarkter Apotheker erklärt, was in eine Hausapotheke gehört und was auf keinen Fall

Von Wolfgang Endlein · 8. Juli 2024 um 10:00

Viele kennen das: Im Bad ist eine Schachtel mit Medikamenten. Und Pflaster sind sicher auch irgendwo. Aber ist das schon eine gute Hausapotheke? Was eine solche mindestens können sollte, erklärt der Neumarkter Apotheker Rudolf Krauser.

Herr Krauser, eine zugespitzte Frage zu Beginn: Macht eine Hausapotheke Sinn? Ich kann doch in die Apotheke gehen, wo es viel mehr Mittel gibt, als ich je zuhause haben könnte.

Rudolf Krauser: Eine Hausapotheke macht absolut Sinn. Jeder sollte eine Hausapotheke haben. Denn passiert ist schnell etwas und dann ist es günstig, etwas zu Hause zu haben als erst noch in die Apotheke gehen zu müssen.

Was soll eine gute Hausapotheke mindestens leisten?

Krauser: Sie soll das Notwendigste für einfache Erkrankungen und Verletzungen bereit halten. Aber sie hat auch ihre Grenzen: Wenn ich eine tiefe Schnittwunde oder hohes Fieber habe, sollte ich zum Arzt. Wichtig ist auch, dass Hausapotheken darauf angepasst sein müssen, wer im Haushalt lebt. Sind es beispielsweise nur Erwachsene, kleine oder schon größere Kinder, Senioren und gibt es Erkrankungen. Das wirkt sich darauf aus, was in der jeweiligen Hausapotheke sein sollte.

Schmerztabletten wie Ibuprofen sollte man als Vorrat zu Hause haben

Aber gibt es einen Grundstock an Medikamenten, der in einer Hausapotheke sein sollte?

Krauser: In eine Hausapotheke gehören meiner Ansicht nach Mittel gegen Schmerzen wie beispielsweise Ibuprofen oder Parazetamol. Ich finde auch, dass man etwas gegen Halsschmerzen zuhause haben sollte. Beispielsweise Lutschtabletten. Außerdem etwas gegen Durchfall und passend dazu auch Elektrolyte, um deren Verlust bei Durchfall auszugleichen. Eine Salbe für leichte Verbrennungen ist ebenfalls ratsam. Für Sportverletzungen kann man eine kühlende und abschwellend wirkende Salbe parat haben.

Was braucht es in der Hausapotheke, um einfache Wunden versorgen zu können?

Krauser: Es braucht auf jeden Fall Wunddesinfektionsmittel. Außerdem sterile Kompressen. Mullbinden sollte man am besten in verschiedenen Größen haben. Ein Verbandpäckchen (steril verpackte Binde mit integrierter Wundauflage für Druckverbände, Anm. d. Red.), ein Dreieckstuch und eine Verbandschere sowie Sicherheitsnadeln gehören ebenfalls rein. Und natürlich Heftpflaster. Ratsam sind auch Einmalhandschuhe.

Was sind weitere Produkte, die eine Hausapotheke haben sollte?

Krauser: Auf jeden Fall ein Fieberthermometer. Ich rate auch zu einer speziellen Zange oder Karte, mit der man Zecken entfernen kann. Für Splitter braucht es eine Pinzette.

Verschreibungspflichtige Medikamente gehören nicht in die Hausapotheke

Was gehört nicht in eine Hausapotheke?

Krauser: Verschreibungspflichtige Medikamente wie beispielsweise Blutdrucksenker oder Antibiotika haben nichts in einer Hausapotheke zu suchen. Sie werden individuell für einen Patienten verschrieben. Weil aber eine Hausapotheke für den ganzen Haushalt gedacht ist, bestünde Verwechslungsgefahr. Deshalb gehören auch Tierarzneimittel und Chemikalien wie beispielsweise Reinigungsmittel nicht in eine Hausapotheke.

Da stellt sich generell die Frage, wie man Medikamente lagern sollte?

Krauser: In Bezug auf die Hausapotheke gilt, dass sie idealerweise absperrbar sein sollte. Kinder sollten zu ihrem eigenen Schutz keinen Zugang haben. Auch was die Umgebungsbedingungen anbelangt werden Medikamente oftmals falsch gelagert. In Küche und Bad schwankt die Temperatur und es ist feucht. Medikamente sollten jedoch immer trocken, kühl und dunkel gelagert werden. Eine Abstellkammer oder das Schlafzimmer eignen sich daher meist besser.

In so mancher Hausapotheke finden sich Medikamente, deren Verfallsdatum überschritten ist. Können Medikamente wirklich „schlecht“ werden?

Krauser: Als Apotheker muss ich sagen: Das Verfallsdatum ist kein Mindesthaltbarkeitsdatum, wie wir es von Lebensmitteln her kennen. Bei Arzneimitteln garantiert der Hersteller die Wirksamkeit und Qualität des Medikaments nur bis zum Verfallsdatum. Arzneimittel, die dieses überschritten haben, gehören entsorgt.

Wie ist es mit angebrochenen Medikamenten, die das Verfallsdatum noch nicht erreicht haben?

Krauser: Wichtig ist, dass das Verfallsdatum nicht mehr gilt, sobald Medikamente wie beispielsweise Salben und flüssige Arzneimittel geöffnet sind. Man sollte daher den Beipackzettel lesen, wie lange man das Medikament nach dem Öffnen noch verwenden darf.

Wie man Medikamente richtig entsorgt

Bei einer geöffneten Tablettenpackung, bei der die Tabletten aber selbst weiter verpackt sind, gilt aber das Verfallsdatum, oder?

Krauser: Ja.

Sie haben angesprochen, dass man Medikamente auch entsorgen muss. Wie macht man das korrekt?

Krauser: Auf keinen Fall in der Toilette runterspülen. Normalerweise kann man Medikamente über den Restmüll entsorgen. Am besten sammelt man Arzneimittel, die entsorgt werden sollen, in einer Tüte, die man verknotet. Und wer noch sicherer gehen will, dass die Medikamente nicht in die falschen Hände geraten, wirft sie erst kurz vor dem Abholtermin in die Mülltonne. Gerne kann man Medikamente aber auch in der Apotheke abgeben.

Haben Sie noch weitere Tipps für die Hausapotheke?

Krauser: Man sollte die Hausapotheke ein Mal im Jahr durchschauen, abgelaufene Medikamente aussortieren, Lücken auffüllen und schauen, dass eine gewisse Ordnung besteht. Das hilft, wenn der Notfall eintritt und der Stress groß ist. Man sollte die Packungen so beschriften, dass man auf einen Blick sieht, wofür das Medikament eingesetzt wird. Außerdem ist es wichtig, die Beipackzettel aufzubewahren. Und man sollte das Auto nicht vergessen. Im vorgeschriebenen Erste-Hilfe-Kasten findet man beispielsweise Verbandsmaterial, falls es im Notfall doch noch mehr braucht als man in der Hausapotheke hat.

Rudolf Krauser ist Apotheker in der Klosterapotheke in Neumarkt. Foto: Endlein