Unfall, Trennung, Tsunami: Nach harten Jahren hat Christian Meier in Berching noch viel vor

Christian Meier ist in Berching als Geschäftsführer der Altmühl-Sul-Energie bekannt. Er selbst bezeichnet sich jedoch als Visionär. Im Gespräch mit unserer Zeitung über ein Leben voller Schicksalsschläge skizziert der 44-Jährige auch seine Ziele für Berching.
Dass der Geschäftsführer der Altmühl-Sulz-Energie im Frühjahr beim Spatenstich für den Anbau an das Heizwerk Berching mit seiner rechten Hand schaufeln konnte, ist alles andere als selbstverständlich. Nach einem Unfall auf einer Baustelle vor sechs Jahren bangte Christian Meier um seine Hand. Heute bewegt er seine Finger und spricht über ein Leben im Auf und Ab.
Der schwere Unfall auf der Baustelle war nur ein Nackenschlag, den Meier einstecken musste. An den 5.Februar 2018 kann er sich noch genau erinnern: Meier war gerade dabei, sein eigenes Haus zu bauen, als er von einer Leiter gefallen ist. Dabei hat er sich den rechten Ellenbogen zertrümmert. Zwei Operationen und ein halbes Jahr in der Unfallklinik Murnau und auf Reha in Bad Wiessee folgten.
Seitdem lebt Meier mit einer von außen unsichtbaren Radiusköpfchen-Prothese und zwei deutlich sichtbaren Narben am rechten Ellenbogen. Ganz ausstrecken kann er den Arm zwar nicht, aber arbeiten kann Meier damit wieder.
Und als Geschäftsführer der Altmühl-Sulz-Energie GmbH, die die Nahwärme in Berching und Beilngries ausbaut, hat er viel zu tun, sagt Meier. Angefangen hat er 2022 mit 15 Wochenstunden. Durch Energiekrise, kommunale Wärmeplanung und Heizungsgesetz könne er sich aktuell kaum noch vor Arbeit retten.
Altmühl-Sulz-Energie GmbH: Vor der Arbeit meditiert Meier
„Um das Pensum zu bewältigen, bin ich gezwungen, mich absolut zu zentrieren und fokussieren“, sagt Meier und spricht dabei von seiner Morgenroutine. Am Tag des Gesprächs mit unserer Zeitung sei er etwa bereits um vier Uhr wach geworden – ohne Wecker. Den stellt er nach eigenen Angaben nur, wenn früh morgens ein Termin ansteht. Ansonsten starte er seine Morgenroutine einfach dann, wenn er wach ist. Mal meditiert Meier in seinem Garten in Ottmaring um 4.30Uhr, mal um 7.30 Uhr. Erst wenn er seine Mitte gefunden habe, schalte er sein Handy ein.
Inspirieren lassen hat sich Meier von einem Zen-Meister im Meditationshaus in Dietfurt. Dort schwieg Meier 2012 eine Woche lang bei seinem ersten Meditations-Kurs.
Damit angefangen, sich auf Körper und Geist zu besinnen, hat Meier bereits als 20-Jähriger. Statt Partys zu feiern, hatte er eine Phase, in der er sich lieber mit einem Buch unter einen Baum gesetzt hat, erzählt er. Auslöser war ein Autounfall, bei dem sein bester Freund sein Leben verlor.
Tsunami in Sri Lanka: Meiers Bruder war vor Ort
Dieser tragische Unfall veränderte Meier ebenso wie jener Tag, an dem ein Tsunami in Südostasien auch Teile der Küste von Sri Lanka zerstörte. „An diesem Tag wollte mein Bruder mit einem Kumpel zum Surfen an die Küste fahren“, erinnert sich Meier. Dass glücklicherweise ihr Taxi nicht gekommen und sein Bruder doch nicht zum Surfen gefahren war, habe Meier erst über zehn Tage später erfahren. Die Bilder des Tsunamis dagegen gingen sofort um die Welt – und sorgten bei Meier zunächst über zehn Tage lang für Angst – und dann für Erleichterung.
„Nachdem mein Bruder wieder nach Hause gekommen ist, haben wir nächtelang über das Leben philosophiert“, sagt Meier und nimmt einen Schluck aus der Glasflasche. Wasser aus den Dolomiten. Damit seine Gelenke nicht verkalken, sagt Meier.
Auch auf die Ernährung achte er. Viel Eiweiß und Gemüse, wenn möglich keine Milchprodukte und kein Gluten. Nicht immer klappt das. „Wenn meine drei Töchter Pfannkuchen wollen, esse ich auch mit.“ Dennoch lebt der 44-Jährige sehr bewusst. Ob er sich deswegen erst wie 28 fühlt, wie er sagt, verrät er nicht.
Bewusst leben, regional einkaufen, heimische Hölzer verarbeiten und die Natur schätzen: Das sei ihm wichtig. Deshalb habe Meier mit einer Erzieherin schon vor der Geburt seiner ersten Tochter versucht, einen Kindergarten in der Gemeinde Beilngries zu eröffnen – zunächst erfolglos.
Naturkindergärten im Landkreis Neumarkt angetrieben
Erst als seine heutige Ex-Frau schwanger wurde und Meier zufällig einen Aufruf von Eltern aus Mühlbach für einen Waldkindergarten gelesen hatte, nahm die Idee wieder Fahrt auf. Die Eltern gründeten einen Verein (Meier war Schriftführer), stellten Personal ein und bauten den Waldkindergarten Dietfurt auf, in dem im September 2015 die ersten Kinder eingezogen sind. „Das war der erste staatliche anerkannte Waldkindergarten im Landkreis Neumarkt“, sagt Meier.
Danach habe Meier mit der jetzigen Leiterin des Waldkindergartens in Laaber (Pilsach) gesprochen. Nach dem Austausch habe die Lebenshilfe 2017 die Einrichtung in Laaber gestartet, aus der wiederum der Waldkindergarten in Litzlohe entstand.
Dazwischen referierte Meier in der Bühler-Halle über Waldkindergärten. Und unter dem amtierenden Beilngrieser Bürgermeister entstand schließlich der städtische Naturkindergarten „Wiesenwichtel“. Auch in Greding habe er die Verantwortlichen informiert. „Wir waren mit Dietfurt der Keim, der Multiplikator“, sagt Meier, der nach eigenen Angaben so vielen geeigneten Eltern und Kindern das Erlebnis eines Waldkindergartens bieten möchte.
„Es wäre ein Wunsch und ein Traum von mir, wenn es auch in Berching einen Waldkindergarten gäbe“, sagt Meier. Bislang gibt es in der Gemeinde Berching keinen Naturkindergarten.
Ziel: Stabfechten in Berching
Doch aufzugeben, ist für Meier keine Option. „Ich habe bisher alles geschafft, was ich angepackt habe“, sagt Meier selbstbewusst. Dabei muss es nicht von heute auf morgen gehen. Der Weg sei das Ziel. Meier, der vergangenes Jahr eine achtmonatige Ausbildung zum Potenzialentfaltungscoach absolvierte, denke ohnehin nicht in Jahren, sondern in Dekaden.
So auch bei einer weiteren Vision. „Mein Ziel bis 2032 ist es, das erste Stabfechtzentrum in Bayern zu gründen.“ In Baden-Württemberg hat Arne Schneider das Institut für Stabfechten aus dem Boden gestampft. Dort hat Meier 2022 seine Ausbildung zum Stabfecht-Trainer angefangen. Aktuell absolviert er seine Praxis-Lehrgänge an einer Montessori-Schule.
Stabfechten ist dabei nicht mit der Kampfsportart zu vergleichen, bei der zwei Sportler in weißen Schutzanzügen gegeneinander fechten. Statt eines Degens arbeitet man beim Stabfechten mit einem Holzstab. „Das ist ein Training für das Bewusstsein“, sagt Meier. Den Stab zu führen, bedeute, sich selbst zu führen und auch seinen Gegenüber wahrzunehmen – und nicht zu verletzen. Sowohl beim Sport als auch in der Kommunikation.
Das will Meier in ein paar Jahren Kindern ab zwölf am liebsten auch in seiner Region vermitteln. Auch wenn es bislang nur eine Vision ist. Das Stabfechtzentrum sieht er schon vor seinem inneren Auge: ein rundes Gebäude mit einer Feuerstelle in der Mitte und eine große Glasfassade mit Blick in die Natur.