Viele Chamer machen neue Autismus-Therapie möglich: Kristof kann jetzt schon besser schlafen

Von Tanja Fenzl · 3. Juli 2024 um 19:00

Die Chamer haben ein großes Herz: Nach einem Spendenaufruf für Kristof, der an Autismus leidet, kamen innerhalb weniger Wochen rund 15.000 Euro zusammen – Geld, das Kristof für eine neuartige Therapie benötigt, die von den Krankenkassen nicht bezahlt wird. Inzwischen hat der Elfjährige bereits mit der Behandlung begonnen – und es zeigen sich schon erste Veränderungen, berichtet sein Vater.

Vor ziemlich genau vier Monaten haben wir über den Jungen berichtet, der schon im frühesten Kindesalter ein verändertes Verhalten gezeigt hatte und im Laufe der Jahre verschiedenste Autismus-Symptome entwickelte. Er nahm die Außenwelt nicht mehr wahr, seine Kommunikation entwickelte sich wieder zurück. Sein Vater berichtete: „Er schlief oft stundenlang nicht, bekam Durchfall.“ Als Kristofs Arzt von einer neuen erfolgversprechenden, aber teuren Methode zur Behandlung von Kristof erfuhr und sie den Eltern empfahl, kam ein Bekannter von Kristofs Vater ins Spiel.

Der Chamer Christian Wagner organisierte eine Spendenaktion auf einer Internet-Plattform. 9000 Euro sollten mindestens zusammenkommen, um Kristof eine Stammzellentherapie zu ermöglichen, die noch relativ neu ist und dennoch schon in einigen Studien positive Ergebnisse geliefert hat. „Mit der Therapie sollen die neuronalen Bahnen im Gehirn optimiert werden“, erklärt Kristofs Vater vereinfacht die Wirkungsweise der Behandlung. Im Vorfeld wird dazu das Immunsystem wieder aufgebaut, das bei Kristof wie bei vielen, die an Autismus leiden, beeinträchtigt ist.

Vielversprechende Therapie

Weil Stammzellen die einzigartige Fähigkeit haben, sich in verschiedene Zelltypen im Körper zu verwandeln, versprechen sich die Ärzte damit eine vielversprechende Behandlungsoption für eine Vielzahl von Erkrankungen, einschließlich neurologischer Störungen wie Autismus. Die Stammzelltherapie kann ersten Forschungsergebnissen zufolge dazu beitragen, die mit Autismus verbundenen Symptome zu lindern, indem sie die neuronale Konnektivität fördert, Entzündungen reduziert und die Gehirnfunktion verbessert.

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„Derzeit wird Kristof auf die Stammzellentherapie vorbereitet, die voraussichtlich im Januar in einer österreichischen Klinik erfolgt“, sagt der Papa. Mithilfe verschiedener Nahrungsergänzungsmittel sollen in dieser ersten Stufe der Therapie schlafende Stammzellen erweckt und Kristofs Immunsystem angetrieben werden. Kristofs Körper soll auf die Operation vorbereitet werden, bei der ihm in Wien Stammzellen entnommen und zurückgeleitet werden sollen. „Wir haben damit vor zwei Monaten bereits angefangen, und schon jetzt sind erste Veränderungen spürbar“, sagt Kristofs Papa. Für die ganze Familie eine Erleichterung: „Kristofs Schlafqualität hat sich stark verbessert. Das ist vor allem für die Regeneration der Organe sehr wichtig.“ Kristof habe quasi nie nachts durchgeschlafen. Jetzt schlafe er oft bis zum Morgen, und wenn er doch aufwache, schlafe er schnell wieder ein. „Er putzt sich auch selbst die Zähne und legt die Sachen wieder zurück auf den Platz“, freut sich der Vater. „Das hört sich nach einer Kleinigkeit an, aber das sind schon große Verbesserungen.“ Verbesserungen, die die Familie, zu der noch Kristofs zwei ältere Schwestern gehören, Hoffnung machen. „Wir hoffen, dass sich noch sehr viel Positives ergibt“, sagt er.

Mit der Familie freut sich auch Christian Wagner, der Kristofs Weg eng begleitet. Er ist wie auch Kristofs Familie den Spendern sehr dankbar, die die neue Behandlung erst ermöglicht haben. Kristof ist vormittags in einer besonderen Schule, aber nachmittags ist er zuhause, sodass seine Mutter nur halbtags arbeiten kann. Mit dem Gehalt des Vaters und bei allen übrigen medizinischen Ausgaben wäre die Therapie für die Familie kaum erschwinglich gewesen. „Kurz nach Ostern hatten wir den erforderlichen Betrag bereits zusammen und haben die Spendenaktion beendet“, sagt Wagner.

Große Last abgenommen

Man habe nicht über das Ziel hinausschießen und den Leuten das falsche Signal geben wollen, man schieße über das Ziel hinaus. 12.000 Euro kostet allein die Behandlung in der Klinik, weitere anfallende Kosten wie Reise- oder Übernachtungskosten oder auch weitere Medikamente nicht inbegriffen. „Insgesamt müssen wir noch ein bisschen sparen“, sagt Kristofs Papa. Aber mit dem Spendenbetrag sei der Familie eine große Last abgenommen worden.

Kristof auf dem Schoß seiner Mutter mit einer seiner beiden älteren Schwestern.