Rhanerbräu mit Bavarian Future Award ausgezeichnet – Brauerei nutzt Künstliche Intelligenz

Von Lisa Steigerwald · 2. Juli 2024 um 20:12

Mit dem Bayerischen Mittelstandspreis werden Unternehmen ausgezeichnet, die unter anderem zukunftsfähig, innovativ und nachhaltig sind. Jedes Jahr werden maximal zehn Firmen gekürt, eine davon erhält zusätzlichen den Sonderpreis „Bavarian Future Award“. Ein Unternehmen aus Rhan überzeugte.

Heuer standen im Fokus die Themen Environmental (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung) – kurz ESG. Bekommen hat die Auszeichnung der Rhanerbräu.

Es wird schwierig werden zu punkten, dachte sich Dr. Alois Plößl, Geschäftsführer des Rhanerbräu, denn die Konkurrenz sei sehr stakt gewesen. Bei manchen Unternehmen sei das Team, das sich um ESG kümmert, so groß wie die gesamte Belegschaft seiner Brauerei, sagte der Geschäftsführer. 130 Unternehmen waren für den Preis nominiert, 25 hatten es ins Finale geschafft. Den Abend der Preisverleihung bezeichnet Plößl als „ganz großes Kino“. Auch seine Frau Stefanie empfand den Gala-Abend als etwas Besonderes.

Umweltbilanz verbessert

Der Rhanerbräu konnte mit seiner nachhaltigen Entwicklung überzeugen. Eine Brauerei, die bald 750 Jahre alt ist, muss nachhaltig sein, sagt der Geschäftsführer. Seit 2008 arbeitet das Unternehmen deshalb daran, klimaneutral zu werden. Plößl hatte die Idee, Strom sowohl in Kälte als auch in Wärme zu puffern. Das war der Startschuss. 2010 folgten die ersten Photovoltaikanlagen.

Das ganze Jahr über wurde mehr Strom erzeugt als benötigt. Der Überschuss wurde ins Netz eingespeist, wodurch die Brauerei jährlich rund 100 Tonnen CO2 einsparte. Auch wenn eigentlich genug Strom für das ganze Jahr produziert wurde, musste zu Beginn und am Ende des Jahres Strom aus dem Netz bezogen werden, da es keine ausreichenden Speichermöglichkeiten gab.

Start-up aus der Ukraine isolierte Wärmeerzeuger

Eine weitere Verbesserung der Umweltbilanz habe es 2020/2021 gegeben. Ein Start-up-Unternehmen aus Charkiw (Ukraine) habe die Wärmeleitung und die Wärmeerzeuger neu isoliert. Damit sei das Unternehmen der Klimaneutralität einen Schritt näher gekommen.

Doch es gab noch ein Problem: Die Brauerei war zwar bilanziell autark, aber nur an wenigen Tagen wirklich selbstständig, so Plößl. 2023 senkten sie deshalb den Stromverbrauch durch neue Kühlanlagen. Außerdem wurde eine neue Halle gebaut, auf der zusätzlich eine neue Photovoltaikanlage installiert wurde.

Photovoltaikanlage kann nicht einspeisen

Es sei von vornherein klar gewesen, dass die Anlage nicht ins Netz einspeisen könne, so Plößl. Denn der Trafo und die Leitung in Rhan seien komplett voll. Deshalb habe man sich entschieden, eine Null-Einspeise-Anlage zu bauen. Auch auf einen Speicher wurde verzichtet, da dieser wieder Ressourcen verbrauche.

„Was wir in der Brauerei an nachhaltigen Dingen haben, ist Wärme und Kälte“, so Plößl. Deshalb habe man versucht, den überschüssigen Strom in Wärme und Kälte zu speichern. Das sei sehr anspruchsvoll gewesen. Denn in den Sommermonaten werde viel Strom produziert, von dem die neue Anlage nichts einspeisen kann. Deshalb vergrößerte die Brauerei ihre Puffer, um den Strom dort als Kälte oder Wärme zu speichern.

Das für den Sudprozess benötigte Wasser wird künftig nicht nur mit der Hackschnitzelheizung, sondern auch mit Strom erwärmt und gespeichert. Dadurch können Hackschnitzel eingespart werden. Es werde also Heizenergie aus dem Wasser ins Sudhaus gegeben, so Plößl. Als drittes Speichermedium kommen Fahrzeugbatterien zum Einsatz.

Künstliche Intelligenz im Einsatz

Für die Prozesse wurde eine Künstliche Intelligenz entwickelt. Diese ist seit zwei Monaten im Einsatz. Die ersten Tage seien schwierig gewesen, sagt Plößl. Aber jetzt fehle nur noch das „Feintuning“. Die KI weiß, wie viel Strom für die Produktion benötigt wird und wie viel Strom die PV-Anlagen produzieren können. Überschüssigen Strom leitet die KI in die Puffer, wo er als Wärme oder Kälte gespeichert wird.

Die KI hat auch Zugriff auf das Wetter der kommenden Tage und berechnet so die anstehenden Aufgaben. Außerdem erkennt die KI, welche Pflichten anstehen, wie etwa das Laden der Fahrzeugbatterien und setzt Prioritäten, erklärt Plößl.

Kontinuierliche Arbeit

Ganz klimaneutral sei das Unternehmen noch nicht, daran werde kontinuierlich gearbeitet. So könne sich Plößl vorstellen, in Windkraft zu investieren. Es sei wie „Jagdfieber“, man könne immer mehr einsparen, so Plößl. Viele weitere Unternehmen wie das Bayernwerk, Klimatechniker oder Programmierer seien an den Projekten zur Klimaneutralität der Brauerei beteiligt gewesen.

Das Ehepaar Plößl zeigt die neue Steuerung der Anlage. Foto: Lisa Steigerwald
In diesen Fässern wird Wärme gespeichert. Foto: Steigerwald