Neues Mobiliar für den Regensburger Schwanenplatz: Wie schräg sind diese Möbel bitte?

Von Jonas Raab · 27. Juni 2024 um 19:00

Eine Bank so hoch, dass niemand darauf sitzen kann; eine Straßenlaterne so winzig, dass man drüberhupfen kann: Der Regensburger Schwanenplatz hat neues Mobiliar bekommen. Auf den ersten Blick höchst verkorkste Stücke. Die Kunst-oder-kann-weg-Frage lässt sich nur zum Teil beantworten. Auch am Domplatz und am Beschlächt stehen rätselhafte Dinge rum.

Am Donnerstagvormittag bohren zwei Männer neben dem Klohäuschen – auch das bekam in der Nacht von Unbekannten eine Bank verpasst – Löcher ins Pflaster. Die beiden verschrauben Abfalleimer, Laterne und Bänke fest im Boden. Danilo Milovanovic steht daneben und schaut den Handwerkern zu. Der Slowene hat das Mobiliar entworfen. „Es ist Teil meiner Kunst, mit Standards zu spielen“, erklärt er die schrägen Proportionen der Möbel.

donumenta-Ausstellung in Regensburg: Klafter, Elle und Schuh als Maßeinheit

Höhe, Breite und Tiefe der Objekte hat Milovanovic nicht willkürlich gewählt. Er legte Regensburgs historische Maßeinheiten Klafter, Elle und Schuh an. So ist eine Sitzbank eben ziemlich hoch, die andere niedrig geraten. Dasselbe gilt für die beiden Mülleimer und die Straßenlaterne. Ansonsten sieht das Mobiliar genau aus wie das, das drum herum steht. Kein Wunder: Laut Milovanovic wurde es von ein und derselben Firma gefertigt. „Das war mir wichtig“, sagt der Künstler. Als alles fest im Boden verankert ist und die Bauarbeiter abziehen, knipst er ein paar Fotos von seinem Werk und meint: „Ich bin schon gespannt, wie Passanten darauf reagieren.“

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Milovanovic’ Möbel stellen eines von drei Werken dar, die donumenta zum Internationalen Donautag am Samstag im öffentlichen Raum ausstellt. Bis Ende September sollen die Installationen stehen bleiben – doch der Slowene hofft, dass sein Spiel mit den Proportion den Schwanenplatz dauerhaft ziert. Die Möbel seien ja massiv und industriell gefertigt, meint er. „Mein Wunsch ist es, dass die Installation dauerhaft ein Teil der Stadt wird.“ Kuratorin Regina Hellwig-Schmid sagt, dass ein Verbleib von Werken eigentlich nicht beabsichtigt sei, „nur in allergrößten Ausnahmefällen“. Laut Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra sei der Wunsch noch nicht an die Stadt herangetragen worden. Entscheiden darüber müsste der Stadtrat beziehungsweise der Kulturausschuss.

donumenta-Kunst am Regensburger Dom: Auge in Auge mit des Königs Pferd

Die zweite Installation steht am Domplatz, genauer am feudalistischen Reiterstandbild Ludwigs I. Um die Statue herum wurde eine Eisentreppe mit einer Plattform aufgebaut. Damit will der slowakische Künstler Stano Masár einen Perspektivwechsel anregen. Bis zu vier Personen gleichzeitig können dank der Konstruktion dem König – oder zumindest dem königlichen Pferd – auf Augenhöhe begegnen. „Die Leute stürmen jetzt schon rauf und machen Selfies“, freut sich Hellwig-Schmid.

Am Beschlächt hat der ungarische Künstler Loránd Bögös seine Fachbau-Mühle aufgestellt. Es ist ein interaktives Werk, das menschliches Eingreifen erfordert. Über eine Kurbel lassen sich die gegenläufigen Propeller in Bewegung setzen und die Dynamik der Mühle verändern.

Wie die drei Installationen genau entstanden sind und welche Ideen dahinter stehen, erklärt Kuratorin Hellwig-Schmid am Freitag um 11 Uhr im Besucherzentrum Welterbe. Kulturreferent Wolfgang Dersch und Stefan Neudert, Leiter des Wasserwirtschaftsamts, wollen aufzeigen, wie die Donau das kulturelle Leben an ihren Ufern gestaltet. Anschließend ist ein Rundgang zu den drei Werken geplant.

Künstler Danilo Milovanovic sitzt „auf“ seiner Bank am Regensburger Schwanenplatz.
Eine Holzmühle am Beschlächt, das Werk von Künstler Loránd Bögös
Dem Pferd in die Augen schauen: Das ist derzeit am Reiterstandbild Ludwigs I. am Regensburger Dom möglich.