106.000 Austritte im Freistaat: Abwärtstrend bei Katholischer Kirche setzt sich fort

Von Christian Eckl · 28. Juni 2024 um 05:00

Vergangenes Jahr haben etwas mehr als 17.000 Getaufte der Katholischen Kirche im Bistum Regensburg den Rücken gekehrt. Damit hat das Bistum allerdings sogar eine positivere Entwicklung bei den Kirchenaustritten genommen als viele andere Bistümer. Denn im vorangegangenen Jahr waren es knapp 24.000 Katholiken, die den Gang zum Einwohnermeldeamt antraten und ihren Austritt erklärten.

Im Jahr 2022 sind damit 6860 Menschen mehr aus der Kirche im Bistum Regensburg ausgetreten als im Vorjahr. Zudem steht das Bistum Regensburg diesmal besser da als andere Bistümer – auch solche, die von vermeintlich reformorientierten Bischöfen geleitet werden.

Gemessen an der Zahl aller im Bistum Regensburg lebender Katholiken war das eine Quote von 2,38 Prozent. Im Jahr 2023 fiel diese auf 1,69 Prozent gemessen an den noch verbliebenen etwa 1,004 Millionen Katholiken im Bistum. Allerdings nähert sich die Zahl der Katholiken damit auch der Eine-Million-Marke und könnte diese schon bald unterschreiten.

Reformkurs nicht belohnt

Beispiel Bistum Limburg, wo mit Georg Bätzing nicht nur der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz sitzt – sondern auch der maßgebliche Kopf des Synodalen Wegs, der Reformbewegung, die derzeit auch zwischen Rom und den meisten deutschen Bischöfen umstritten ist. Dort lag die Austrittsquote im Jahr 2022 ebenso bei etwa 1,8 Prozent – genauso hoch wie im Jahr 2023.

Ebenso niedriger als im Vorjahr waren die Austrittszahlen im Bistum Passau mit einer Quote von 1,35 Prozent. Der dortige Bischof Stefan Oster ist ebenso wie der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer ein Kritiker des vermeintlichen Reformkurses von Bischof Bätzing und den meisten anderen deutschen Bischöfen. Oster äußerte sich gegenüber der Deutschen Presseagentur dann auch erleichtert darüber, dass die Austrittszahlen ganz generell sanken: „Die Austrittszahl des Rekordjahres 2022 geht im vergangenen Jahr deutlich zurück. Das ist die gute Nachricht“, sagte der Passauer Bischof Stefan Oster. Dennoch halte der Trend an: „Wir werden Jahr für Jahr weniger“, so sein Fazit.

In der Tat traten heuer nochmals mehr als 400.000 Menschen aus der Katholischen Kirche aus – im Freistaat waren es 106.000 Austritte. Damit ist von den insgesamt 13 Millionen Bayern nur noch etwa die Hälfte katholisch: 5,67 Millionen Bürger nämlich.

„Zeigen, was Kirche tut“

Der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Joachim Unterländer, hat kein Allheilmittel gegen die nach wie vor hohen Austrittszahlen. „Man muss mit dem Status quo irgendwie leben“, meint der Laienvertreter. „Ich meine aber, das man seine eigenen Stärken im kirchlichen Bereich viel mehr hervorheben muss.“ Unterländer stellt insbesondere auf den caritativen Bereich ab. „Vieles, was da für das Gemeinwesen, aber auch für den Einzelnen mit schweren Schicksalen geleistet wird, ist ganz wichtig für die Gesellschaft – sie würde ohne die Arbeit der Kirche nicht mehr funktionieren“, ist Unterländer sicher.

Zugleich sagt der Laienvertreter aber auch, dass die jahrhundertelange Verknüpfung von Kirche und Kultur, wie sie in den Kirchenbauten und in der Musik bis heute zum Ausdruck kämen, wieder deutlicher in den Vordergrund der Eigendarstellung treten sollte.