Einen Monat nach Einführung in Cham: Bezahlkarte hat noch ihre Tücken

Monatelang und hitzig wurde Anfang des Jahres über die Bezahlkarte diskutiert, die Asylbewerbern anstelle von Bargeld erhalten sollten. Jetzt wurde sie fast schon heimlich, still und leise eingeführt – auch im Landkreis Cham. Die ersten Erfahrungen konnte man am zuständigen Landratsamt auch bereits sammeln.
Denn die ersten Karten wurden bereits Mitte Mai an die Berechtigten ausgegeben. Etwa 800 Karten verteilten die Mitarbeiter des Landratsamtes in Asylunterkünften und vor Ort – Cham ist damit mit 37 weiteren Landkreisen und freien Städten in Bayern bei den ersten Kommunen, die die Bezahlkarte nach der Testphase regulär einführen. Seit 1. Juni können die Asylbewerber nun mit der Karte einkaufen – und aus Sicht der Behörden läuft das neue System gut an. „Die Einführung der Bezahlkarte im Landkreis Cham verlief ohne Probleme. Bisher haben wir keine negativen Rückmeldungen von den Asylbewerbern erhalten, dass die Bezahlung in manchen Geschäften nicht möglich gewesen wäre“, so ein Landratsamtssprecher auf Nachfrage unseres Medienhauses.
Karte funktionierte an der Kasse nicht
In der Praxis läuft es aber in den Geschäften noch nicht immer rund. „Vor mir an der Kasse stand ein Mann, der wollte mit der Bezahlkarte seinen Einkauf bezahlen, aber die Karte funktionierte nicht“, berichtet ein Bad Kötztinger. Und auch eine Chamerin erzählt davon, wie eine Mutter vor ihr an der Kasse ihren Einkauf nicht bezahlen konnte, offenbar weil der Restbetrag auf der Bezahlkarte dafür nicht mehr ausreichte. Nicht immer haben die Berechtigten die Möglichkeit schnell noch das Guthaben auf der Karte zu checken.
Und auch nicht überall kann die Karte verwendet werden. „Mit der Bezahlkarte kann in allen Geschäften, die Mastercard akzeptieren, eingekauft werden“, erläutert Michael Gruber, Pressesprecher am Chamer Landratsamt. Zu dem Vorfall an der Kasse meint er: „Die Inhaber der Bezahlkarte können über eine App des Kartenanbieters Paycenter jederzeit den aktuellen Kontostand und die Umsatzübersichten, ähnlich wie beim Onlinebanking, abrufen. Der Asylbewerber kann sich also vor seinem Einkauf informieren, welches Guthaben auf der Karte vorhanden ist und dementsprechend seine Einkäufe anpassen. “
Monatlich werden die Karten aufgeladen
Die Karten würden jeweils zum Ende des Monats aufgeladen. „Somit steht, wie auch in der Vergangenheit, das Guthaben für den Folgemonat, rechtzeitig zur Verfügung.“
Auch Zahlungsverpflichtungen der Asylbewerber wie Ratenzahlungen oder Ticketkäufe könnten über die Bezahlkarte abgewickelt werden, soweit die Zahlungsempfänger durch das Bayerische Staatsministerium des Innern auf der „Whitelist“ freigegeben sind.
Weitere Erfahrungen habe der Landkreis bis dato noch nicht gesammelt.
Im Landkreis Straubing-Bogen dagegen kann Pressesprecher Tobias Welck bereits einige Erkenntnisse aus den ersten Wochen nach Einführung der Bezahlkarte zusammenfassen. Dort wurden 200 Karten ausgegeben.
Bezahlkarten werden oft verloren
So gebe es dort durchaus Punkte, die noch nicht so gut klappten: Die Bezahlkarten würden häufig verloren und müssten gesperrt und neu ausgestellt werden. Auch gebe es immer wieder Probleme mit der PIN, wenn diese falsch eingegeben und die Karte dadurch gesperrt werde. Eben die Probleme, die auch bei üblichen Giro-Karten auftreten können. Und: „Es wird oft versucht, mit den Karten online einzukaufen, wobei dann auch die Karte gesperrt wird.“ Doch auch positive Folgen kann Welck bereits bilanzieren: So gebe es keine Vorsprache mehr bei der Kasse zur Geldauszahlung. Und: „Wenn Personen untertauchen, können Karten gesperrt und das Geld zurückgeholt werden.“
Von den Kartenberechtigten höre man immer wieder, dass sie lieber weiterhin Bargeld bekommen würden – die Bargeldauszahlung ist allerdings in der bayerischen Bezahlkartenversion auf 50 Euro beschränkt. Und viele würden gerne überall online kaufen können, gerade bei Billiganbietern im Netz wie Temu oder Ebay. Insgesamt habe das Landratamt weniger Aufwand bei den Monatszahlungen.
System nachjustiert
Auch in der kreisfreien Stadt Straubing, die eine von vier bayerischen Modellkommunen war, in denen die Bezahlkarte Ende März 2024 als Pilotprojekt gestartet ist, verweist man auf ein vorläufiges positives Resümee. „Dank der konstruktiven Kooperation zwischen dem Innenministerium und den zuständigen Stellen vor Ort ist die Einführung der Bezahlkarte in den ersten Wochen gut angelaufen“, heißt es auf Nachfrage.
Bisher wurden in der Stadt Straubing etwa 200 Bezahlkarten ausgegeben.
Geldtransfers werden eingeschränkt
Gerade in der Anfangsphase des Modellprojekts seien noch Kleinigkeiten in der Anwendung der Software zu justieren gewesen. Darüber hinaus sah die Bezahlkarte grundsätzlich keine Funktion für Überweisungen vor. So sollen unter anderem Geldtransfers in die Heimat des Leistungsberechtigten eingeschränkt werden. Die Erfahrungen der ersten Wochen hätten aber gezeigt, „dass Überweisungen an inländische Empfänger zum Teil unumgänglich“ seien: „Es handelt sich dabei zum Beispiel um Rechtsanwälte, Mobilfunkanbieter oder Schulen. Es gibt nun die Möglichkeit, diese freischalten zu lassen“, erläutert Pressesprecher Johannes Burgmayer.
Chams Landrat Franz Löffler begrüßt die Einführung der Bezahlkarte für Asylbewerber: „Wirksame Lösungen zur Begrenzung der illegalen Migration sind dringend erforderlich. Die bayerische Bezahlkarte löse sicher nicht alle Probleme, kann aber ein wichtiger Bestandteil einer Lösung werden. Mit diesem System können wir unsere humanitäre Verpflichtung erfüllen. Zeitgleich stellen wir aber sicher, dass staatliche Leistungen von den Empfängern nicht zweckentfremdet werden können, mithin Steuergeld ins Ausland oder an Schleuser und Schlepper transferiert wird.“
