Arbeiten im Alter soll einfacher werden: Vereinigung der bayerischen Wirtschaft stößt Mentalitätswandel an

Die Babyboomer-Generation erreicht in den kommenden Jahren das Rentenalter, doch einige wollen weiterhin arbeiten. Daher fordert die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) die Beschäftigung von Menschen im Ruhestand zu vereinfachen sowie das Streichen hemmender Sozialabgaben.
„Der Mangel an Arbeits- und Fachkräften wird sich verschärfen“, sagte vbw-Geschäftsführer Bertram Brossardt gestern bei einem Kongress in München, der von Christian Eckl, Mitglied der Chefredaktion der Mittelbayerischen Zeitung, moderiert wurde. Bis Mitte der 2030er Jahre wird die Zahl der über 67-Jährigen deutlich ansteigen.
Deshalb dürfe das Erreichen der Arbeitsgrenze nicht mehr ausschließlich das Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt bedeuten. „Für uns ist deshalb klar: Auf den demografischen Wandel müssen wir mit einem Mentalitätswandel zur Arbeit im Alter reagieren“, sagte der vbw-Geschäftsführer. Zudem müsse die Beschäftigung Älterer zu beiderseitigem Vorteil vereinfacht werden, so Brossardt.
Jüngere Kollegen profitieren
Dass Deutschland altert, muss nicht schlecht sein. Ältere Arbeitnehmer bringen viele Vorteile mit: Sie sind, stressresistent, reich an Erfahrungen und Experten für Problemlösungen. Davon profitieren jüngere Kollegen und letztendlich die Unternehmen.
Dieser Meinung ist auch Hans Martin Hasselhorn von der bergischen Universität Wuppertal. Er begleitet in seiner Studie seit 2011 Babyboomer in den Ruhestand und erforscht Gründe für Arbeiten im Alter. Laut seiner Studie, spielt dabei das Arbeitsumfeld und selbstbestimmte Arbeitszeiten eine wichtige Rolle. Demzufolge sind knapp 18 Prozent der 65- bis 69-Jährigen in Deutschland erwerbstätig.
Verbesserung der betrieblichen Gesundheitsförderung
Auch Klaus Zehnder ist einer von ihnen – ein Rentner in Unruhestand. Für ihn war lange klar, er möchte nach dem Erreichen des Rentenalters zwei bis drei Tage die Woche arbeiten, erzählt er. Er sehe darin Vorteile für alle Beteiligten.
Die Basis dafür, dass Arbeitskräfte möglichst lange leistungsfähig dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, sieht die Grünen Landtagsabgeordnete Kerstin Celina in der betrieblichen Gesundheitsförderung. In diesem Bereich sowie im Bereich der Kinderbetreuung und der Versorgung von pflegebedürftigen Angehörigen sei der Nachbesserungsbedarf groß, sagte sie.
„Viele über 60-Jährige können nicht arbeiten gehen, weil sie auf die Enkelkinder aufpassen müssen oder Angehörige pflegen“, erklärte Celina. Ähnliches zeigt auch die Studie von Hasselhorn.