Alex und Rolf Schüler aus Furth im Wald sind Müllentsorger für spezielle Fälle

Von Alexander Frimberger · 24. Juni 2024 um 11:00

Mit ihrer Erlebniswelt Flederwisch zaubern Alex und Rolf Schüler aus Furth im Wald (Landkreis Cham) ihren Gästen ein Lächeln ins Gesicht. Die beiden Unternehmer kennen aber auch die Schattenseiten menschlicher Schicksale. Mit ihrem Containerdienst räumen sie Häuser und Wohnungen, haben schon manch böse Überraschung erlebt.

Lange bevor die Idee der fantastischen Flederwisch-Welten überhaupt gedacht war, hat sich die Familie Schüler schon mit Transporten beschäftigt. Genauer gesagt waren es seine Großeltern, die die Lkw ins Rollen brachten.

Familie stammt ursprünglich aus der Ukraine

„Meine Familie stammt ursprünglich aus der Ukraine, genauer gesagt aus Mariupol“, erzählt Rolf Schüler. In dem dortigen Stahlwerk, das seit dem Überfall Russlands auf die Stadt häufig Thema in den Weltnachrichten ist, hat Oma Schüler als Küchenchefin gearbeitet.

„Mein Großvater hat zu dieser Zeit schon eine Öl- und Senfmühle gegründet und erste Lastwagen gehabt.“ Von den Nationalsozialisten gezwungen, Waren zu transportieren, ist die Familie schließlich mit zehn Lkw geflohen. Schülers Vater stand während der Flucht häufig oben auf einem Laster und hat nach Bombern Ausschau gehalten.

Wohnung im ehemaligen Hotel Hohenbogen bezogen

Wenn es soweit war, konnten die Lkw in den Straßengräben in Sicherheit gebracht werden. „Die Flieger sind bei den Bombardierungen nämlich immer schnurgerade über die Straßen geflogen.“ Mit drei Fahrzeugen sind die Schülers schließlich in Furth im Wald angekommen, haben eine Wohnung im ehemaligen Hotel Hohenbogen bezogen. „Das war der Anfang der Spedition.“

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Später, als die beiden Brüder nach abgeschlossenen Berufsausbildungen ins Geschäft eingestiegen sind, musste eine zündende Idee her, wie es in Zukunft weitergehen soll. „Wir haben in den 1990er Jahren das erste Containerfahrzeug gekauft, eigentlich um auf Baustellen flexibler sein zu können“, erinnert sich Rolf Schüler. Der Startschuss für das, was die beiden heute noch tun, war dann die Anfrage, ob man ein Haus räumen könnte. Darauf folgte der erste Sonderauftrag. In einem Mietshaus ist in einer Wohnung ein Mann verstorben, der da schon länger gelegen hatte. Der Sonderauftrag der Polizei lautete damals, das Hab und Gut auf einen Container zu verladen und ohne Unterbrechung nach Schwandorf zu bringen. „Über die genaueren Hintergründe wurden wir damals nicht informiert.“

Leichnam im Haus gefunden

Wenn Rolf Schüler einen besonders krassen Fall schildern soll, dann fällt ihm einer ein, der noch nicht lange zurück- liegt. In einem Haus wurde ein Leichnam gefunden. „Der Notarzt weigerte sich, das Haus zu betreten, so musste die Feuerwehr den Toten mit ihrer Ausrüstung herausholen.“

Schließlich rückte der Containertrupp an. „Wir haben in der Garage einen Hygieneraum eingerichtet.“ Dort wurden nicht nur Hände, sondern auch Ausrüstung, wie Gummistiefel desinfiziert. Gesichert mit Masken und Anzügen sind die Arbeiter in das Erdgeschoss vorgedrungen. Weiter ging es zunächst einmal nicht, weil auch das Treppenhaus völlig zugemüllt war.

Müll, Essensreste, Möbel, Kleidung

„Wir haben immer wieder Teile geräumt und desinfiziert. Es war meinen Leuten nicht zuzumuten, länger als vier bis fünf Stunden am Tag dort zu arbeiten. Ganz ehrlich, mir war noch nie im Leben so häufig schlecht.“ Müll, Essensreste, Möbel, Kleidung, alles, was man sich nur vorstellen kann, der Trupp hat es entsorgt. In einem Raum war sogar eingeschweißtes Fleisch übereinandergetürmt. In den oberen Stockwerken wurden die Fensterstöcke entfernt, damit alles einfach rausgeschoben werden konnte und in die unten stehenden Container fiel. „Wir wollten, dass unsere Mannschaft so wenig wie möglich anfassen muss.“ Rund fünf Wochen hat die Aktion gedauert, sage und schreibe 48 Tonnen Müll wurden entsorgt.

Zwei Phänomene hat Rolf Schüler in all den Jahren beobachtet: Zum einen stehen in Messi-Wohnungen immer wieder auch nagelneue, noch verpackte Geräte wie Fernseher oder Elektroöfen, zum anderen findet man in den Küchen häufig Pfannen, in denen noch verdorbenes Fleisch liegt.

Diskretion hat bei diesem Geschäft natürlich oberste Priorität: „Alle Auftraggeber bleiben anonym, und wir lassen natürlich auch niemanden, der nach verwertbaren Sachen suchen möchte, ins Haus oder an die Container“, so Schüler. Der Kunde habe das Recht, dass niemand in seinen Privatsachen herumkramt. „Das tun wir selbstverständlich auch nicht.“ Mit diesen Aktionen sind meistens traurige Schicksale verbunden. „Viele Nachkommen sind mit der Situation völlig überfordert und schon froh, wenn sie von uns beraten werden.“ Schließlich gilt es auch, Giftstoffe und Altlasten regelgerecht zu entsorgen.

Problemfälle sind reizvoll

Inzwischen fühlen sich Alex und Rolf Schüler als Touristiker wohler, stecken ihre Hauptanstrengungen ins Flederwisch. „Wir nehmen nicht mehr jeden Auftrag an. Aber wenn der Auftrag eine gewisse Problematik hat, an der andere scheitern, dann interessiert es mich doch.“ Welcher Anreiz muss das sein? „Zum Beispiel ein zu enger Hausgang.“

Dann überlegt Rolf Schüler, ob man vielleicht einen Aufzug ins obere Stockwerk bauen oder den Müll mittels einer Rutsche in den Container befördern kann. Da ist er wieder der Tüftler, der zusammen mit seinem Bruder die Menschen, die in die Erlebniswelt Flederwisch kommen, mit seinen ausgefallenen Ideen begeistert.

Rolf Schüler fühlt sich heute als Touristiker wohl. Spezielle Aufträge reizen ihn aber immer noch. Foto: Frimberger