Josef Kozic aus Furth im Wald wagt mit 82 Jahren noch mal einen beruflichen Neustart

Es war eine der traurigen Meldungen des letzten Jahres. Das Hotel zur Post am Stadtplatz in Furth im Wald im Landkreis Cham musste schließen. Wirt und Koch Josef Kozic stand auf der Straße. Jetzt wagt er einen Neuanfang. Im Juli eröffnet er im stolzen Alter von 82 Jahren in der Bahnhofstraße einen Imbiss.
Der wohl älteste Jungunternehmer des Landkreises Cham ist Vollblutgastronom. Geboren und aufgewachsen im damaligen Jugoslawien, verschlug es ihn 1965 zunächst nach Memmingen. Der Gefallen, einen Freund in den Bayerischen Wald zu fahren, brachte ihn schließlich nach Niederbayern.
Herz an Bayerwald verloren
„Der Anblick der Berge hat mir sofort gefallen, es sieht aus, wie in meiner Heimat.“ Über zwei Stationen in Regen und Lam kam er schließlich in die Drachenstichstadt. Dort hat er vor 20 Jahren das Hotel zur Post übernommen. Ein Haus mit langer Tradition. Im Buch: „Geschichte der alten Further Bürgerhäuser“ schreibt Autor Werner Perlinger, dass der Grabitzer Landwirt Pongratz Paulus im Jahr 1647 der erste Besitzer war. Werner Perlinger schreibt weiter: „Bei der Post reicht das Gasthausgewerbe bis in das 18. Jahrhundert zurück.
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Damals galt der Name ‘zur blauen Traube‘. Mit der Errichtung der Poststation im Jahr 1846 durch Franz Xaver Kellner kam der heutige Name auf.“ Beim großen Stadtbrand im Jahr 1863 kam das Haus relativ glimpflich davon. Schäden gab es nur im Dachbereich. Eine weitere Besonderheit ist im Gastraum eine Darstellung des Drachenstichs des Künstlers Georg Achtelstetter, der 1973 in seiner Wahlheimat Cham gestorben ist.
Schon nach der Schließung des Hotelgasthofes im vergangenen Jahr, war für ihn klar, dass es weitergehen wird: „Ich brauche etwas zu tun, eine Aufgabe, daheim auf dem Sofa sitzen kann ich nicht“, sagt Kozic mit einem einnehmenden Lächeln. Außerdem hat er nur eine kleine Rente. Menschen, die ihm empfehlen, sich in seinem Alter an das Landratsamt zu wenden, entgegnet er: „Ich möchte dem Staat nicht auf der Tasche liegen.“ Das Alter ist für ihn ohnehin irrelevant. Verständlich für einen der die 100 anpeilt.
So hat er sich auf die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten gemacht. Gefunden hat er sie in der Bahnhofstraße. Ein halbes Jahr renoviert und werkelt er jetzt meist in Eigenregie in dem rosafarbenen Haus. Stolz zeigt er die Küche, die auch für ein Restaurant gut ausgestattet wäre. Es ist noch einiges zu erledigen, ehe es am 2. Juli offiziell losgehen kann. Im Moment testet er ein wenig aus, was seine Gäste nachfragen. Es wird Klassiker wie Leberkäse- und Würstelsemmel, Schnitzel und Currywurst geben. „Ich möchte aber auch kroatische Spezialitäten anbieten und grillen.“ Alle Speisen können mit nach Hause genommen werden. In diesem Zusammenhang zeigt sich der Gastronom umweltbewusst, holt eine Papiertragetasche hervor: „Natürlich sind die aus Plastik billiger aber jeder muss seinen Teil dazu beitragen, damit die Natur wieder so wird, wie sie einmal war.“ Im Moment ist Kozic auf der Suche nach Mitarbeiterinnen in Teilzeit. Wenn die Mannschaft steht, soll es auch täglich wechselndes Mittagessen geben. „Eigentlich habe ich an alles gedacht, auch an Eis.“
Leben und leben lassen
Die Kugel soll einen Euro kosten. Mehr möchte er von Kindern nicht verlangen. Nur einen Lieferdienst oder gar Catering bietet er nicht an: „Ich will nicht größer sein, als meine Theke groß ist.“ Reich werden möchte er ohnehin nicht mehr.
Seine Motivation ist vielmehr Leute um sich haben und abends daran denken können, was am nächsten Tag zu erledigen ist. Eine Konkurrenz sieht der lebensbejahende Gastronom in dem benachbarten Imbiss übrigens nicht. „Warum denn auch, das sind die Ersten, die mir helfen, wenn ich etwas brauche und umgekehrt.“ Leben und leben lassen, positiv in die Zukunft schauen, das ist seine Devise. „Ich glaube an Gott, er glaubt an mich. Zusammenschaffen wir das“, sagt Josef Kozic im Brustton der Überzeugung.
