Mit ihm ging die Post ab: Der Magier der Blockflöte verzaubert in Regensburg

Von Gerhard Dietel · 21. Juni 2024 um 16:00

Für Abwechslung ist bei der Museumsserenade am Donnerstag in der Minoritenkirche gesorgt, denn eine ganze Batterie von Instrumenten hat Maurice Steger mitgebracht: Blockflöten in wechselnden Lagen und unterschiedlichen Charakters kommen zum Einsatz.

Mit ihnen verzaubert Steger, der Magier der Blockflöte, das Publikum. Extrem körperbetont ist sein Spiel, als müsse er wie ein Schlangenbeschwörer die Töne aus dem Notenarsenal hervorlocken, und wahrhaft virtuos, was Finger- und Atemtechnik betrifft.

Der Star des Abends ist er eindeutig, auch wenn er nicht allein auf dem Podium steht. Björn Colell (Theorbe und Barocklaute) und Ralf Waldner (Cembalo) sorgen für das harmonische Fundament, auf dem sich Stegers Artistik bewegen kann, und die auch im Laufe des Abends in Solonummern eigenes Profil gewinnen.

Musik aus Italien und Johann Sebastian Bach

„Le Gout italien“ ist das Programm betitelt und richtet demgemäß den Fokus auf Musik italienischer Herkunft. Daneben darf auch Johann Sebastian Bach ein gewichtiges Wort mitsprechen, holte er sich doch manche Anregung von Meistern südlich der Alpen. Ob es aber ein guter Einfall war, das Konzert mit Bachs (eigentlich als Orgelwerk firmierender) Triosonate BWV 527 zu eröffnen? Dass hier eigentlich zwei gleichberechtigte Oberstimmen dialogisieren, ist nicht zu merken, zu sehr dominiert Maurice Steger, während der Cembalopart im Kopfsatz in einem akustischen Ungefähr verschwimmt. Hübsche Idee ist hier freilich, das folgende Adagio nur mit Lautenbegleitung erklingen zu lassen und erst im Finale alle Instrumente zusammenzuführen.

Ausgewogener in der Gewichtsverteilung zwischen Flöten- und Cembalopart gelingt später die g-Moll-Sonate BWV 1020, die nach neuerem Kenntnisstand eher Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel zuzuschreiben ist. Einen Soloauftritt hat Ralf Waldner mit einer Sonate des einst am Hof der Würzburger Fürstbischöfe tätigen Giovanni Benedetto Platti. Charmant und verspielt klingt sie unter Waldners Händen und zeigt sich eher als Suite mit einer von Figurationen überwucherten Sarabande, einem filigranen Menuett und einer munter vorwärts stürmenden Gigue. Mit einem Werk des bei Wilhelmine von Bayreuth als Hoflautenisten angestellten Adam Falckenhagen tritt Björn Colell allein ins Rampenlicht: weiträumig im Klang zwischen kräftig dunklen Fundamenttönen und zarten Akkordbrechungen im Diskant.

Fulminantes Finale: Maurice Steger und Claudia Gerauer

Weitere Programmpunkte: Frühbarockes von Giovanni Battista Fontana, in der Maurice Stegers Flöte die Affektsprache der jungen Oper imitiert, und deftig volkstümliche „Canzoni“ von Andrea Falconiero. Bejubelt werden die drei Musiker am Schluss des offiziellen Programms, nachdem eine Sonate Giuseppe Sammartinis mit einem fulminanten „Allegro assai“ verklungen ist. Aber dann geht die Post erst richtig ab: Maurice Steger holt Blockflöten-Kollegin Claudia Gerauer mit aufs Podium und nun stürzen sich die Vier in witzige bis aberwitzige Variationen über die „Bergamasca“.