Asmik Grigorian singt bei den Schlossfestspielen in Regensburg

Seit ihrem Erfolg bei den Salzburger Festspielen 2018 kann sich die Sopranistin ihre Rollen aussuchen. „Das größte Geschenk war die Macht der Wahl“, sagt sie im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern.
Vor gut zwei Jahren kam ein herausragender Musikfilm in die Kinos: In „Fuoco Sacro“ porträtierte der Regisseur Jan Schmidt-Garre drei fulminante Sängerinnen. Eine von ihnen war die litauische Sopranistin Asmik Grigorian, die mit Tenor Dmytro Popov und den Hofer Symphonikern unter Modestas Pitrenas bei den Schlossfestspielen in Regensburg auftreten wird.
Es ist vor allem ein Inszenierungs-Kniff des erfahrenen Musikdokumentaristen, der „Fuoco Sacro“ so besonders macht: Er filmte die Sängerinnen dabei, wie sie Mitschnitte ihrer Performances abhören und mit dem kommentieren, was ihnen dabei auf der Bühne durch den Kopf geht. Faszinierend ist dies vor allem bei Asmik Grigorian: ein aus Gefühlen des Rollencharakters und körperlich-stimmlichen Kommandos zusammengesetzter Bewusstseinsstrom. Näher kann man einer singenden Künstlerin filmisch nicht kommen.
Lesen Sie mehr: Harald Schmidt trifft Volker Heißmann: Wilder Ritt im Theater Regensburg
Was die Sopranistin da hörte, war der Mitschnitt ihres sensationellen Auftritts bei den Salzburger Festspielen 2018 in der Produktion von Richard Strauss’ Oper „Salome“. Die eigenwillige Inszenierung von Romeo Castellucci, ein kühl reduziertes, symbolisch verrätseltes Kammerspiel, spitzte sich damals dank Asmik Grigorian in der Titelpartie nach und nach in einer atemberaubenden Finalszene zu: Der Moment, da sie den kopflosen Torso des Jochanaan ansingt, ist bereits in die Rezeptionsgeschichte der Oper eingegangen. Auf die Frage, was sich seit diesem Erfolg für sie geändert hat, der ihre auch zuvor schon internationale Karriere auf ein neues Level hob, antwortet Asmik Grigorian: „Das größte Geschenk, das ich nach dem Erfolg in Salzburg 2018 bekommen habe, war die Macht der Wahl.“ So hat sie sich von da an die Rollen und Häuser aussuchen können und hat unter anderem an der Mailänder Scala, an der Wiener Staatsoper und bei den Bayreuther Festspielen debütiert. An der Bayerischen Staatsoper war sie schon 2013 als Micaëla in Georges Bizets „Carmen“ aufgetreten, in der aktuellen Spielzeit kehrte sie für eine Hauptrolle nach München zurück: In Peter Tschaikowskys „Pique Dame“ war zu erleben, mit welch bedingungsloser Intensität bei gleichzeitiger vokaler Kontrolle und Finesse sie auf der Bühne zu agieren versteht.
Lesen Sie mehr: Euphorie in Regensburg: 2026 Gastgeber der Bayerischen Theatertage
Auch auf Tonträgern ist Asmik Grigorian mittlerweile vertreten: Nach Einspielungen von Liedern Sergej Rachmaninovs und der 14. Symphonie von Dmitri Schostakowitsch erschien kürzlich ihre CD mit Strauss’ „Vier letzten Liedern“ in der Klavier- und in der Orchesterfassung. Nach Regensburg wird sie im Juli jedoch italienisches und tschechisches Opernrepertoire mitbringen.
Dmytro Popov, ihren Tenorpartner in Duetten aus Giacomo Puccinis „Manon Lescaut“, „Madama Butterly“ und aus Antonín Dvořaks „Rusalka“, kennt sie seit etwa 20 Jahren: „Wir arbeiten nicht so oft zusammen, wie ich es gerne hätte, er ist ein wunderbarer Kollege“, schwärmt sie. „Es fällt uns leicht, ein künstlerisches und akustisches Gleichgewicht zu finden.“
Eine Selbsteinschätzung der Sängerin aus „Fuoco Sacro“ blieb besonders im Gedächtnis: Für sie sei weniger das Hineinkommen in einen Rollencharakter das Problem, sondern das Gegenteil. Darauf angesprochen, relativiert sie das heute gegenüber der Mediengruppe Bayern ein wenig: „Dieses Interview ist schon eine Weile her und ich verändere mich jeden Tag. Ich würde jetzt sagen, dass ich kein Problem damit habe, in eine Rolle zu schlüpfen oder aus ihr herauszukommen“, sagt sie und ergänzt ganz bodenständig: „Vor allem wenn ich aus der Rolle trete, habe ich eigentlich keine Wahl, denn wenn ich nach Hause komme, ist es meinen Kindern egal, was ich gemacht habe. Ich wasche mein Geschirr als Tosca oder als Salome oder als Asmik.“
A propos Tosca: Neben weiteren Ausschnitten aus Opern Giacomo Puccinis wird Asmik Grigorian in Regensburg auch das berühmte „Vissi d’arte“ singen. Auf die Frage, ob sie von der Kunst oder für die Kunst lebe, antwortet sie ganz schlicht: „Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass mir diese Möglichkeit gegeben ist, die nicht viele Künstler haben: Ich lebe vom Singen und für das Singen.“
Asmik Grigorian gastiert mit Dmytro Popov und den Hofer Symphonikern am 14. Juli bei den Schlossfestspielen in Regensburg, www.schlossfestspiele-regensburg.de.