Großprojekt der Brauerei Kuchlbauer: Für den Umzug gab es einen Masterplan

„Aufwendigstes Projekt“ der Brauerei und verkehrstechnisch eine Verbesserung: Das Logistikzentrum der Brauerei Kuchlbauer in Abensberg (Landkreis Kelheim) ist nun im Steinweg nahe der B16. Der Umzug von der Römerstraße fand am Wochenende statt und verlangte eine ausgeklügelte Planung im Vorfeld.
Es ist Freitagmorgen: Bräu Jakob Horsch pendelt in diesen Tagen ständig zwischen der Römerstraße und dem Steinweg hin und her, ist aktuell „Mädchen für alles“, springt auch schon mal auf die Scheuersaugmaschine, wenn es die Situation erfordert – etwa, um den Boden zu reinigen, weil ein Kasten von einer Palette gerutscht ist.
Der Umzug des Logistikzentrums sei „das aufwendigste Projekt, das wir jemals hatten“, sagt Geschäftsführer Horsch. Ein großer Schritt für die Brauerei, aber von Hektik ist hier, im neuen Logistikzentrum Freitagfrüh um halb neun Uhr nichts zu sehen.
Der Umzug ist durchgetaktet. Seit sechs Uhr pendeln die Lkw zwischen den beiden Standorten hin und her, bis abends um 19 Uhr. Nichts ist dem Zufall überlassen: „Wir planen den Umzug seit einem Jahr“, sagt Horsch. Bis zu 20 Personen sind pro Schicht damit beschäftigt, übers Wochenende Kiste für Kiste von A nach B zu schaffen und alles an seinen Platz zu räumen. Ab Montag wird hier gearbeitet.
Zurück zum Freitag: Leise schnurren die Gabelstapler durch die 5000 Quadratmeter große Halle. Noch ist viel Platz. Insgesamt 6000 Hektoliter Füllgut wird hier „einziehen“.
Platz hat hier auch Vieles weitere, was bisher in der Römerstraße und in drei angemieteten Hallen untergebracht war, wie etwa Kartonagen. „Die lagern dann in den Verschieberegalen“, sagt Horsch. Die lassen sich, ähnlich wie in einem Archiv, per Knopfdruck bewegen.
Helle Arbeitsplätze
Während sich die vielen Kästen für den Umzug normgerecht auf Paletten stapeln lassen, ist es mit Biergarnituren, Schirmen, Kühlschränken oder der Ausrüstung für Feste schon schwieriger. „Das verrutscht leicht auf der Palette. Deshalb muss man da beim Verladen besonders aufpassen“, so Horsch.
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Auch die Verpackungsmaschinen, Rollbänder und vieles mehr, was zum Verpacken nötig ist, zieht um, muss ab- und wieder aufgebaut werden. Schlosser Rainer Kopp baut gerade das Rollenband für die Exportverpackung zusammen. Hier werden die Angestellten, unter anderem eine Handvoll Inklusionsmitarbeiter, künftig helle Arbeitsplätze vorfinden. Daneben stehen Hochregale, „dafür war in der Römerstraße kein Platz“. Freitagfrüh sind sie noch leer, ebenso wie der in der Halle integrierte Balkon. In den kommenden Stunden wird sich der mit Saisonware, beispielsweise mit der Außenbestuhlung der Gastronomen, die mit der Brauerei einen Vertrag haben, füllen.
Helle und moderne Arbeitsplätze
Auch im Bürogebäude nebenan nimmt alles Gestalt an. Noch ist das Sofa in Folie verpackt. Die Büromöbel werden an ihren Platz gestellt und gereinigt. Das 240 Quadratmeter große Gebäude bietet nicht nur helle und moderne Arbeitsplätze, sondern auch eine Umkleide, einen Aufenthaltsraum, eine Küche und eine schöne Terrasse. Künftig werden hier vier Disponenten arbeiten und auch für LKW-Fahrer sowie Lageristen gibt es Schreibtische, an denen sie ihre Ladung zusammenstellen können. Die Exportbearbeitung wird ebenfalls ausgelagert. Thomas Leitenberger, Disponent, lädt gerade Kartons aus dem Lieferwagen, Büroausstattung für das Logistikbüro. Auch er wird hier künftig arbeiten. Für Horsch ist die Investition nicht zuletzt auch eine Investition in Arbeitskräfte: „Wir wollten schöne adäquate Arbeitsplätze schaffen“, sagt Horsch. Denn schließlich werde der Arbeitsmarkt nicht einfacher.
Vom Bürogebäude aus geht der Blick ins Freigelände. Die hohen Holzstangen sind noch unbegrünt, hier soll später Hopfen wachsen. Begrünt ist aber schon die Fassade der Halle, hier gedeihen heimische Pflanzen in der Vertikalen, der Frauenmantel sprießt, ja, sogar Walderdbeeren.
Entlastung im Zentrum
Und auch in Richtung Kreisel wird es grün werden. Hier soll ein Mitarbeitergarten entstehen, Obstbäume werden angepflanzt, ein Bienenstock aufgestellt und ein Teich angelegt werden. Projekte, die die Mitarbeiter, vor allem die Azubis künftig betreuen dürfen.
Jetzt aber muss erst einmal der Umzug über die Bühne gehen. „Der Montag, der wird spannend“, sagt Horsch im Vorfeld. Dann werde man sehen, ob alles so klappt, wie man es sich vorgestellt hatte.
Merken werden den Umzug aber auch die Kindergarten- und Schulkinder sowie deren Eltern, die sich täglich in der Römerstraße tummeln. Denn dort werden künftig 50 LKW-Bewegungen weniger pro Tag sein, sagt Horsch.
Klimapositives Logistikzentrum mit modernen Arbeitsplätzen: Das ist „Kuchlbauers Weissbier-Quartier“:
Enormer Zuwachs: In der Römerstraße sind es insgesamt 5.500 Quadratmeter, im Steinweg 22.000 Quadratmeter Fläche. „Das war eine Meisterleistung der Logistik, unter diesen Bedingungen in der Römerstraße zu arbeiten“, sagt Geschäftsführer Jacob Horsch. Die Brauerei Kuchlbauer produziere jährlich 130.000 Hektoliter. Der Standort in der Römerstraße sei größentechnisch nur für die Hälfte dieser Menge geeignet.
Überfälliger Schritt: Historisch gesehen sei der Schritt, das Logistikzentrum auszulagern, richtig. Auch andere Brauereien hätten Logistik, teilweise auch Produktion, längst ausgelagert.
Energetisch autark: Das Logistikzentrum genügt auch höchsten energetischen Ansprüchen: „Wir sind energieautark und beziehen unseren Strom von der Photovoltaikanlage.“ Die speist die Wärmepumpe. Auch die gewellte Fassade dämmt. „Sandwichpaneele wären sicherlich günstiger gewesen“, sagt Horsch, aber die gewellten Holzelemente sind nicht nur hübsch anzusehen, sie dämmen auch und sparen so zusätzlich Kosten und vor allem Energie ein.



