Goldsteig-Belegschaft hat sechs Stunden die Produktion stillgelegt und fordert 411 Euro mehr

Von Johannes Schiedermeier · 20. Juni 2024 um 17:07

Sechs Stunden lang sind die Mitarbeiter der Goldsteig-Käsereien am Mittwoch in den Warnstreik gegangen. Sie fordern von ihrem Arbeitgeber eine feste Zulage von 411 Euro im Monat. Goldsteig-Geschäftsführer Andreas Kraus sitzt bei der Tarifkommission mit am Tisch für die Arbeitgeberseite. Er will sich derzeit zum Warnstreik und zum Stand der Dinge nicht äußern.

„Wir warten die neuen Verhandlungen am nächsten Mittwoch ab und werden uns dann der Ausführungen der Arbeitgeber-Kommission anschließen“, ließ Kraus ausrichten. Die Goldsteig-Käsereien sind mit ihrem Streik-Problem nicht alleine. In 20 Molkereien in ganz Bayern wird derzeit für Lohnerhöhungen die Arbeit niedergelegt, begleitet von flächendeckenden Warnstreiks.

Große Streikbereitschaft

Rainer Reißfelder, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nehrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sieht in der gegenwärtigen Entwicklung einen Test der Arbeitgeber. Die wollten wohl sehen, wie hoch die Streikbereitschaft sei. In Cham zum Beispiel sei ein Großteil der Belegschaft dem Aufruf der Gewerkschaft gefolgt. Er sei sehr zufrieden mit der Streikbereitschaft in Cham. „Die Mitarbeiter haben die beiden Mozzarella-Linien vorsichtig und sauber heruntergefahren. Bei einer dritten Produktionslinie lief es etwas weiter. Wir wollten ja nichts kaputtgehen lassen. Das sind Lebensmittel.“ Bei etwa 90 Prozent siedelt Reißfelder die Quote des Produktionsausfalls an.

Ein Großteil der Molkereien schreibt nach Ansicht der Gewerkschafter Rekordumsätze – auch Goldsteig. 411 Euro mehr Lohn, das entspricht laut Reißfelder einem Gehaltsplus von 10,5 Prozent. Das sei ambitioniert, angesichts der geschilderten Entwicklungen aber angemessen.

Gewerkschaftssekretär rät zu verständiger Linie

Der Gewerkschaftssekretär von NGG für die Oberpfalz rät den Arbeitgebern zu einer verständigen Linie bei der zweiten Verhandlungsrunde am Mittwoch: „Wenn man die Beschäftigten an den positiven Entwicklungen beteiligt, dann hat man Ruhe am Hof. Wenn die Leute nicht in den Betrieb reingehen, dann kommt halt auch nichts raus. Das sind halt dann die Konsequenzen.“

Die Goldsteig-Käsereien beschäftigen derzeit 730 Mitarbeiter. Am Mittwoch waren sie gezwungen, von 11 bis 17 Uhr die Produktion herunterzufahren. Erst mit Beginn der Spätschicht konnte nach dem Ende des Warnstreiks die Käse-Produktion wieder anlaufen.

Seit Anfang Juni tagt die Tarifkommission, weil die Fortschreibung des auslaufenden Flächentarifvertrages ansteht. Im Vorfeld hatte die Arbeitnehmerseite mit Verweis auf die sinkende Inflation ein Plus von drei Prozent Gehaltserhöhung im ersten Jahr angeboten und zwei Prozent im zweiten. „Das ist eindeutig zu wenig, schon allein wegen der guten Marktentwicklungen “, sagt Reißfelder.

Die Gewerkschaft kann die Arbeitgeber-Argumentation insgesamt nicht nachvollziehen, sagt Reißfelder. Die Inflation steige ja immer noch, wenn auch langsamer. Nun fordere angesichts der guten Umsatzentwicklungen im unternehmen auch die Belegschaft ihren Anteil. „Wir hatten ja schon zwei Jahre Inflation. Die geringere Steigerung, die wir jetzt sehen, kommt ja noch oben drauf. Man kann doch da nicht einfach von Null anfangen“, sagt der Gewerkschafter. Auch Goldsteig habe 2023/24 Rekorde bei den Umsätzen verzeichnet.

„Man muss ja nur einmal die Steigerungsraten bei den Preisen für Butter, Milch und Käse in den Supermärkten ansehen. Das reicht bis 40 Prozent. Das konnten die Molkereien auf dem Markt durchsetzen. Das ist ihnen ja auch vergönnt, aber dann muss auch der Mitarbeiter seinen Anteil bekommen“, sagt Gewerkschaftssekretär Reißfelder.

Und die Mitarbeiter meinen es angesichts des hohen Streikbereitschaft scheinbar ernst. Sechs Streiks haben die Beschäftigten bei den Tarifverhandlungen der letzten 20 Jahre bereits hinter sich gebracht. Dass die Stimmung angespannt ist, konnte man an kleineren Reibereien sehen. Reißfelder schildert, dass der Prokurist die Streikposten angesprochen habe und es zu einem „kleineren Wortgefecht“ gekommen sei. Dabei sei es eigentlich nur darum gegangen, dass aus Sicherheitsgründen nicht mehr vor dem Labor gestreikt worden sei, sondern vor der hinteren Halle. Dabei seien Streikposten vor die Konzeptionierhalle gestellt worden und die Geschäftsführung habe versucht, diese Posten des Hofes zu verweisen.

Kein Kriegsgrund

Das sei aber noch lange kein Grund, das Tischtuch zu zerreißen, zumal eine solche Maßnahme bei Warnstreiks üblich sei. „Das ist nichts, was man mit einem kleinen Gespräch am Mittwoch nicht vom Tisch bringen könnte“, sagt Reißfelder.