Chams Baustelle Frühlingstraße: Durchfahrt für 50 Euro – zahlbar bei der Polizei

Erst als der Arm des Baggers in die Straße schwenkt, verlässt die Autofahrerin der Mut. Drei Sperrschilder musste sie passieren, um in die Frühlingstraße zu kommen. Jetzt wendet sie doch. „Das haben wir immer wieder, aber seit der Vollsperrung seltener“, sagt der Baggerfahrer. Und die Polizei rechnet vor, was die Abkürzung kostet: 50 Euro.
Die einen fahren aus der Stadtmitte einfach durch und hoffen auf „Anlieger frei“. Doch das gilt nur für die drei Wohnhäuser und die Mitarbeiter der Firmen Gebhardt und Böhmerwald-Bettfedern. Die anderen kommen von der Westtangente und wollen es einfach nicht glauben, bis bei der Handwerkskammer Ende Gelände ist. Dann nehmen viele den geschotterten Auwiesenweg Richtung Katzbach. Der ist auch verboten und kostet auch 50 Euro.
Polizei: Regelmäßig vor Ort
„Wir sind da regelmäßig mit den Streifen unterwegs“, versichert der stellvertretende Inspektionsleiter Marco Müller. Nachdem man bemerkt habe, dass die Durchfahrten und Abkürzungen nach der Vollsperrung zunehmen, werde man diese Strecken noch mehr ins Visier nehmen.
Für Tiefbau-Ingenieur Josef Ried im Rathaus der Stadt Cham war es ein Akt der Notwehr, nun eine Vollsperrung zu verhängen. „Wir haben das von Anfang an gewusst, dass wir bei der Baustelle so nicht weiterkommen. Da läuft viel zu viel Verkehr durch“, sagt Ried.
„So kann man nicht arbeiten!“
Die Frühlingstraße ist eine der meistbefahrenen Stecken in Cham. „Letzte Woche ist es dann wirklich eskaliert. So kann man nicht arbeiten“, sagt Ried. Jetzt ist zu. Nur die Anlieger dürften noch durch. Die Situation hat sich nach Auskunft der Arbeiter vor Ort seitdem wesentlich entspannt. „Einige fahren immer noch durch, aber jetzt ist das halt verboten und kostet“, sagt ein Baggerfahrer.
Ein kombinierter Geh- und Radweg soll neben der verbreiterten Straßentrasse führen. Etwa in der Mitte muss der Geh- und Radweg queren, weil der Platz vor dem Eingang eines Anliegerhauses sonst zu wenig geworden wäre.
„Irgendeinen Tod musste ich sterben!“
„Ich sag in einem solchen Fall immer: Irgendeinen Tod musste ich sterben. Also haben wir den Geh- und Radweg die Straße queren lassen, um die Engstelle zu vermeiden“, beschreibt Ried. Denn auf diese Weise musste die Stadt Grund von der Bahn kaufen, deren Gleise auf der anderen Straßenseite führen mit dem Bahnhof in Sichtweite.
Meter für Meter arbeiten sich die Bagger voran. Die Baustelle ist schwierig: Im Untergrund ist jede Menge Beton mit Baustahlmatten verbunden. „Die haben für ein Jahrhundert gebaut“, sagt der Baggerfahrer, während sein Kollege in der 28 Grad Gluthitze das Metall wegflext.
Zwei Bombentrichter
Immer am Grubenrand: der Feuerwerker der Kelheimer Munitionsbergungsfirma Semmler. Rund um den Bahnhof hat man bei fast allen größeren Baumaßnahmen die Überreste von Bomben der Alliierten aus dem 2. Weltkrieg gefunden. Zwei Trichter haben die Bagger schon freigelegt. „Das merkt man, weil der Untergrund sich ändert und zugefüllt worden ist. Auch mit Müll und Bauschutt“, sagt der Feuerwerker. Auch Kriegsrelikte wie ein alter Karabiner und eine zerschossene Türe lagen im Untergrund.
Der Feuerwerker geht die Trasse vor dem Bagger mit einer Sonde ab. Metallgegenstände werden freigelegt, identifiziert und geborgen – falls es keine Bombe ist. Dann muss der Sprengmeister ran, schon deswegen, weil hier schon einige der tückischen Säurebomben gefunden worden sind, deren Explosionsfähigkeit und Detonatonszeitpunkt von außen nicht zu klären ist. „Deswegen wird hier weitgehend erschütterungsfrei gearbeitet“, sagt der Feuerwerker.
