Nach Schelte von Leserbriefschreiber: Schwandorfs Festwirt Böckl wehrt sich

Schwandorfs Festwirt Gerhard Böckl (63) holt zum Gegenschlag aus. Nachdem ein Leserbriefschreiber kein gutes Haar an dem Schwarzenfelder Gastronomen ließ, will sich dieser erklären.
Das Volksfest 2024 – laut OB Andreas Feller (CSU) eine Veranstaltung „mit Licht und Schatten“ – ist erst wenige Tage alt. Wer glaubt, nach all der Kritik einem niedergeschlagenen Festwirt gegenüberzusitzen, der irrt jedoch. Gerhard Böckl, seit 1990 Festwirt in Schwandorf und in selber Rolle auch bei der Burglengenfelder Maidult, wirkt im Gespräch mit der MZ aufgeräumt, fast schon ein bisschen angriffslustig. Von Frust ist jedenfalls keine Spur. Hat da wohl jemand Lust, auch nach Vertragsende im Jahr 2025 der Schwandorfer Festwirt zu sein?
Das ist Zukunftsmusik. Und es hängt auch von der Stadt ab, wen sie ab 2026 zum Festwirt macht. Jetzt will der amtierende Chef im Bierzelt erst einmal Vorwürfen entgegentreten und Gerüchte ausräumen. Anlass dazu gibt Böckl der Leserbrief von Gerhard Johann Reisinger aus Schwandorf, der in der MZ-Ausgabe vom 13. Juni erschienen ist. Die Überschrift lautete damals: „Für den Festwirt gibt es ‚nur die Note sechs‘.“
Alles reserviert: Keiner der 2000 Plätze im Festzelt war frei
Reisinger berichtete in dem Brief den MZ-Lesern von seinem Volksfestbesuch mit seiner Frau Gisela am Tag der Behörden und Betriebe. Weil im Zelt alle 2000 Sitzplätze reserviert waren, habe er den Festwirt angesprochen.
Doch anstatt einen Platz für das Ehepaar zu suchen, habe der Festwirt „mit verschmutzter Kleidung“ hinter dem Tresen gestanden und die Kundschaft „angepflaumt“. „Für das Management des Wirts kann man daher nur die Note sechs vergeben“, urteilte Reisinger.
Nach der durchwachsenen Bilanz für das diesjährige Schwandorfer Volksfest sind Ideen gefragt. Die gibt es längst. Stadt und Festleitung müssten nur deren Umsetzung wagen, schreibt MZ-Redaktionsleiter Martin Kellermeier in seinem Kommentar.
Ferner monierte der Schwandorfer, dass die Gockerl „nur zur Hälfte durchgebraten“ gewesen sein sollen. Außerdem habe er gesehen, dass viele Gäste „wütend und aufgebracht“ das Zelt verließen. Ferner warf Reisinger dem Festwirt Mogelei bei den Speisen vor. „Auch beim Käse bekommt man übrigens nicht immer Emmentaler, wie eigentlich angeschrieben“, schrieb der Festgast in seinem Leserbrief. Für ihn stand fest: „Das Schwandorfer Volksfest braucht einen neuen Festwirt, der den Namen Wirt auch verdient“.
Böckl war nur an einem Tag am Schwandorfer Volksfest
Gerhard Böckl will das alles nicht auf sich sitzen lassen. Er beteuert, dass er mit dem Leserbriefschreiber nie gesprochen habe. Das sei am Tag der Betriebe auch gar nicht möglich gewesen. Böckl sagt, dass er nur am Eröffnungsfreitag im Bierzelt anwesend war. „Während der ganzen anderen Zeit war ich auf der Kirchweih in Neustadt an der Aisch.“ Auch dort war er Festwirt. Böckl ist es daher ein Rätsel, mit wem Gerhard Reisinger gesprochen hat.
Böckl sieht den Verlauf des Tages der Betriebe und Behörden ganz anders. Seine Mitarbeiter hätten bei dem großen Ansturm eine hervorragende Leistung erbracht. „Sie verdienen höchsten Respekt“, sagt er.
Man habe innerhalb von etwa zwei Stunden 1000 halbe Gockerl verkauft, 1000 Brezen im Zelt frisch gebacken und 900Portionen Emmentaler serviert. Es sei schön, dass der Betriebsabend derart angenommen wurde.
Auch den Vorwurf, dass er und seine Mitarbeiter dreckige Kleidung tragen würden, will sich Böckl nicht gefallen lassen. Allen Mitarbeitern würde täglich frische Dienstkleidung zur Verfügung gestellt werden. „Wenn etwas verschmutzt ist, können sich die Mitarbeiter immer umziehen“, betont Böckl.
Leicht rosa Knochen bei den Gockerln – Für den Festwirt ein „Qualitätsmerkmal“
Dass die Gockerl nur halb durchgebraten gewesen sein sollen, das sieht der Gastronom auch ganz anders. Man kaufe Frischware aus Niederbayern und keine Tiefkühlware. Ein altes Hähnchen habe einen schwarzen Knochen, der bei einem frisch geschlachteten sei dagegen leicht rosa. „Das ist ein Qualitätsmerkmal“, sagt Böckl. Dieselben Hähnchen würden übrigens auch auf dem Oktoberfest oder dem Gäubodenfest verkauft werden.
Noch schlimmer sei für ihn aber der Vorwurf, dass er beim Käse schummle und nicht immer Emmentaler verkaufe. Wenn er so etwas liest, könne er „maustot“ umfallen. „Ich habe in meinem ganzen Leben noch nichts anderes als Emmentaler verkauft – keinen Tilsiter, keinen Gouda oder sonst was“, bekräftigt der Festwirt. Der Kunde wolle keinen anderen Käse im Festzelt. Daher bestelle und serviere er nur Emmentaler. Das könne er auch belegen.
Böckl legt sogleich eine Rechnung von der Milchunion Frischdienst GmbH vom 31.Mai 2024 auf den Tisch. Darauf ist auch Emmentaler aus dem Hause Goldsteig im 18-Kilo-Block gelistet. Der Festwirt will auch seine diesjährigen Preise verteidigen. Diese würden unter dem Niveau von anderen größeren Festen liegen. Während er das halbe Gockerl mit Semmel für 9,90 Euro verkauft, gehe es bei der Dult in Regensburg für 14,90 Euro über den Tisch. Beim Frühlingsfest in Cham habe es zwölf Euro gekostet.
Abgerundet bedauert Festwirt Böckl, dass der verärgerte Gast nicht das Gespräch mit ihm gesucht habe. Er selbst habe sich nach der Kritik jedenfalls mit seinen Mitarbeitern ausgetauscht. Für ihn gilt die Devise: „Wir wollen keinen unserer Kunden enttäuschen.“