Nur mit Anwalt zur Stadtverwaltung: Regensburger Bar-Betreiber wirft entnervt hin

Von Christian Eckl · 18. Juni 2024 um 19:00

Der Betreiber des Rotkäppchens in der Fröhlichen-Türken-Straße in Regensburg bietet seine Bar im Netz an. Im Gespräch schildert er, wie sich das Nachtleben verändert hat in der Domstadt und wieso er nur noch mit Rechtsanwalt mit der Stadtverwaltung kommunizierte. Derweil steht ein anderes Gastro-Objekt sogar zum Verkauf: Für 800.000 Euro.

Eine Bar in Regensburg für einen Euro? Wer’s nicht glaubt: Auf einer bekannten Online-Anzeigenplattform findet man derzeit eine Regensburger Bar, die viele kennen und schätzen: Das Rotkäppchen in der Fröhlichen-Türken-Straße an der Ecke zum Peterstor. Zwar wird die Bar für einen Euro Verhandlungsbasis inseriert, aber Betreiber Daniel Heß macht klar, dass es ihm erst einmal darum geht, einen guten Nachfolger zu finden. „Wir werden einen Preis vereinbaren, der für beide Seiten passt“, sagt Heß im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern. Darüber hinaus aber ist seine Entscheidung, der Gastro-Szene an der Regensburger Partymeile den Rücken zu kehren, von vielen Enttäuschungen der vergangenen Jahre geprägt.

Das Rotkäppchen hat 200 Quadratmeter, 80 Quadratmeter könnte man theoretisch abteilen. So steht es in dem Inserat. Die Monatsmiete beträgt demnach 3550 Euro, Nebenkosten inklusive. „Die ist kein Notverkauf“, schreibt Heß. Er hat Zeit, muss nicht sofort raus. „Für mich ist aber wichtig, dass ich einen Nachfolger finde, mit dem auch die Brauerei Bischofshof gut leben kann“, sagt Heß. Es muss also jemand sein, der eine Bar in der Größe und an dem neuralgischen Punkt in der Altstadt auch stemmen kann. Denn die Rahmenbedingungen werden nicht einfacher, sagt auch der Gastronom.

„Brauchen jetzt Türsteher“

Seit zehn Jahren betreibt Heß das Rotkäppchen. „Die ersten drei Jahre haben wir keinen Türsteher gebraucht“, sagt der Gastronom. Das habe sich aber zwischenzeitlich geändert, denn das Regensburger Nachtleben sei „auf jeden Fall wilder geworden“. Heß sagt, dass die Flüchtlingswelle und die Corona-Pandemie die Situation verändert hätten. „Seither kann man ohne Türsteher eigentlich nicht mehr arbeiten.“ Doch vor allem der Umgang der Behörden mit den Gastronomen sei es, die ihn dazu gebracht hat, die Gastronomie aufzugeben. „Es hat ein paar Sachen gegeben, die fand ich nicht gut, wie sie gelaufen sind“, sagt er über das Ordnungsamt. Er nennt ein Beispiel: „Unsere Musikanlage ist verplombt. Man kann sie nicht lauter drehen, als ein Lärmgutachten vorgegeben hat.“ Dennoch habe es regelmäßig Besuch von den städtischen Ordnungshütern gegeben. „Ich habe den Eindruck, dass das Ordnungsamt sich nicht mit dem für den Lärmschutz zuständigen Umweltamt abspricht.“ Für ihn habe das dazu geführt, dass er eigentlich nur noch über den Anwalt mit den Behörden der Stadt kommunizieren wollte.

Gleichzeitig, das sagt Heß auch, sei das Zusammenspiel zwischen den Regensburger Gastronomen große Klasse. Und das wünsche er sich auch von seinem Nachfolger, dass sich dieser integriert in die Wirte-Szene. Er selbst möchte sich künftig auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Das heißt Lautlicht.

Heß betont, dass die Aufgabe der Gastro in der Fröhlichen-Türken-Straße nichts mit Lautlicht zu tun hat. Aber auch hier hat es kräftig geknirscht mit der Stadt. Kürzlich wurde bekannt, dass sowohl das Weinfest als auch das Craft-Beer-Festival nicht wie in den Vorjahren am Regensburger Neupfarrplatz stattfinden wird. Die Lautlicht GmbH, die beide Festivals organisiert hat, hat ihr Kerngeschäft eigentlich in der bundesweiten Vermarktung der Universitäten und Hochschulen. „Ich will mich auch wieder auf dieses Kerngeschäft konzentrieren“, sagt Heß.

Das Weinfest und das Craft-Beer-Festival finden nun nicht mehr in Regensburg statt. Vergangenes Wochenende wurde das Weinfest in Neutraubling gefeiert, zuvor das Craft-Beer-Festival. Im Vorfeld gab es ein Tauziehen mit den Regensburger Behörden über die Genehmigung. Die Lautlicht-Macher warfen entnervt hin.

Genervt von Behörden

Heß betont, dass er das Rotkäppchen alleine betreibt und der Umzug der Festivals in den Landkreis nichts mit der Aufgabe der Bar zu tun habe. Doch die Ursache für beide Entscheidungen sind die selben.

Verkauf: Während das Rotkäppchen einen neuen Pächter sucht, steht derzeit auch eine Gastronomie zum Verkauf. Am Fischmarkt kann man eine Gewerbeimmobilie erwerben, in der im Moment eine Shisha-Bar untergebracht ist. Für 1150 Quadratmeter verlangen die Besitzer 800.000 Euro.

Pachten: Nicht nur Käufer von Immobilien mit Gastro-Betrieb werden gesucht. Auch Pächter sind offenbar begehrt in Regensburg. So bietet die Diözese Regensburg derzeit in einem Objekt in der Bischof-Wittmann-Straße eine Fläche von 115 Quadratmeter für ein Tagescafé oder eine Bäckerei an. Auch im Stadtwesten wird auf einer Fläche von 330 Quadratmetern ein Gastronomie-Pächter gesucht – Preis auf Anfrage.