TV Burglengenfeld: Zukunftsprojekt für Verein und Schule nimmt die nächste Hürde

Einmal mehr ging es jüngst im Bauausschuss des Stadtrats um die Zukunft des TV-Geländes an der Regensburger Straße. Weil die frühzeitige Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der Bürger keine Einwände brachte, die ein unlösbares Problem darstellen würden, fiel der Billigungsbeschluss für den Bebauungsplan „Sondergebiet (SO) Sportanlagen beim Parkhaus“ am Mittwoch vergangener Woche fast einstimmig.
Wie berichtet, wurde Anfang Dezember 2023 beschlossen, für die Pläne des Turnvereins ein Bauleitverfahren zu starten. Der Geltungsbereich des Sondergebiets hat eine Größe von rund 13700 Quadratmetern. Darauf sollen neben einer Einfachturnhalle und einem Allwetterplatz auch sechs Tennisplätze entstehen. Der sogenannte Dirtpark (Geländestrecke für Biker) soll bleiben, wo er ist, zumindest vorerst. Außerdem sind rund 30 Parkplätze vorgesehen.
Letzteres wollte Hans-Edmund Glatzl (Bürgerforum, BFB) nicht so recht einleuchten. Denn direkt neben dem TV-Areal befindet sich bekanntlich das Parkhaus der Stadtwerke. Und das sei mitnichten ausgelastet. Der geschäftsleitende Beamte Gerhard Schneeberger erklärte, der TV habe als Bauherr eine Pflicht, in gewissem Umfang selbst Stellplätze nachzuweisen. Die Alternative wäre eine Ablöse. Doch die sei teuer, und der Verein könne dazu auch nicht gezwungen werden.
BFB-Sprecher kritisiert Schaffung weiterer Parkplätze
Thomas Hofmann, stellvertretender Sprecher der CSU-Fraktion, konnte Glatzls Einwand nicht nachvollziehen. Nutzer der Anlagen oder Eltern, die ihren Nachwuchs zum Training bringen, sollten nicht ins gebührenpflichtige Parkhaus gedrängt werden, meinte er. Die am TV-Gelände vorgesehenen Stellplätze seien sehr sinnvoll. Schließlich wolle man ja, dass das Sportangebot möglichst viele Leute anziehe.
Das Vorhaben des TV Burglengenfeld ist groß, das eines Projektentwicklers aus Leimen ist noch größer: Seine Pläne für ein Batteriespeicherwerk sorgten in derselben Sitzung für Aufsehen. Mehr dazu lesen Sie hier.
Letztlich gab es eine breite Mehrheit für das vom Architekturbüro Seidl erstellte Konzept. Einzig Glatzl verweigerte sein Ja zum Billigungsbeschluss für das Sondergebiet. Zuvor war Schneeberger auch auf das Ergebnis der frühzeitigen Beteiligung eingegangen. Von direkten Nachbarn sei überhaupt keine Stellungnahmen abgegeben worden. Seitens der Träger öffentlicher Belange habe es allerdings einige Hinweise von Relevanz gegeben. Auf Anraten der Immissionsschutzbehörde sei, so berichtete Schneeberger weiter, ein erneutes Schallschutzgutachten erstellt worden, das nun in die Planungen mit einfließe.
Wegen Lärm: Anpassung der Nutzung
Speziell für zwei Adressen an der Regensburger Straße und Am Klingentor brachte die Expertise zu bestimmten Zeiten eine theoretische Überschreitung der Grenzwerte. Gelöst wurde das Problem nach Informationen der MZ durch eine „Anpassung der Nutzung“. Nachteile für den Sportbetrieb seien damit jedoch nicht verbunden, versicherte der TV-Vorsitzende Bernd Mühldorf auf Anfrage.
Spannend könnte es allerdings werden, wenn die ersten Baggerarbeiten durchgeführt werden. Angrenzend an den Geltungsbereich des Sondergebiets ist nämlich ein Bodendenkmal registriert. Es ist also nicht völlig auszuschließen, dass bei Erdbewegungen weitere Relikte der Vergangenheit zutage treten.
Ein spektakulärer Fund wie eine Römertherme wäre laut Mühldorf „suboptimal“. Weil man bei Probebohrungen aber relativ schnell auf eine stabile Gesteinsschicht gestoßen ist, sorgt er sich diesbezüglich nicht zu sehr.
Um das Vorhaben Turnhallenbau am traditionellen Standort in der Regensburger Straße realisieren zu können, ist der Turnverein im vergangenen Jahr eine Liaison mit dem Landkreis Schwandorf eingegangen. Dieser will einen Teil des TV-Areals erwerben, um darauf einen Allwetterplatz für die Realschule anzulegen. Zudem beteiligt er sich mit 50Prozent an den Kosten für den Bau einer Einfachhalle. Vormittags soll auch diese schulischen Zwecken dienen. Für beide Seiten ergibt sich also eine Win-win-Situation.
Eine Million Euro sind selbst zu tragen
Was die Gesamtkosten betrifft, so liegt noch keine detaillierte Berechnung vor. Nach einer ersten Schätzung belaufen sich die Ausgaben auf rund vier Millionen Euro. Davon soll der Landkreis 1,5Millionen Euro übernehmen. Ferner erwartet der Verein neben einem Zuschuss vom bayerischen Landessportverband (BLSV) auch ein günstiges BLSV-Darlehen.
Der beschlossene Verkauf der altehrwürdigen Turnhalle an der Regensburger Straße spielt bei der Kalkulation ebenfalls eine wesentliche Rolle. Aktuell gibt es wieder einen ernst zu nehmenden Interessenten, berichtete Mühldorf. Man befinde sich in Gesprächen.
Unterm Strich beläuft sich die Last, die der TV selbst zu tragen hat, seinen Angaben zu Folge auf rund eine Million Euro. Etwa die Hälfte davon müsste nach derzeitigem Stand durch einen Bankkredit abgedeckt werden, was dem Vorsitzenden nicht leicht fällt. Sein ursprünglicher Ansatz war es gewesen, jede größere Verschuldung zu vermeiden.
Europaweite Architektensuche
Für die Umsetzung seiner Pläne musste der Turnverein europaweit auf Architektensuche gehen. So sieht es das EU-Recht vor. Nach einer Vorsortierung wurden laut Mühldorf rund zehn potenziell geeignete Planer präsentiert. Fünf kamen in die engere Wahl und sollen nun ein Angebot abliefern. Die Bewertung erfolge durch den Architekten, der das Vergabeverfahren steuere, und eine Jury, der auch ein Vertreter des Vereins angehören werde. Nach einem vorgegebenen Fragebogen sollen die Preisrichter Punkte vergeben, so dass größtmögliche Objektivität gewährleistet sei.
Unterm Strich kommt der Vorsitzende des über 1000 Mitglieder zählenden Vereins zu dem Fazit, dass auf der langen Strecke zur Neuausrichtung mehrere Hürden genommen sind. Zwar wäre ein schnelleres Vorankommen wünschenswert gewesen, „aber die Richtung stimmt“.


