Aschenputtel in Abensberg: Traditionelles Märchen neu interpretiert

Die Gruppe Sweety’s Rabbits aus Abensberg zeigt Aschenputtel von Heleen Verburg und ist zugleich gelebte Integration.
Aschenputtel kennt jedes Kind. Das Märchen um das Halbwaisenkind, das unter seiner bösen Stiefmutter und den Stiefschwestern leidet und zum Schluss den Prinzen bekommt, gibt es in zahlreichen Adaptionen. Nun kommt es auch in Abensberg auf die Bühne bei den Sweety’s Rabbits in Kooperation mit der VHS, allerdings in einer modernen Fassung.
„Es ist der Klassiker, neu interpretiert“, sagt Regisseurin Angelika Süß, „es ist in unsere Zeit versetzt und etwas verrückt gemacht“. Süß hat wieder ein Werk ausgewählt, das auch ihre jungen Schauspieler überzeugt: „Der Stoff muss den Kindern gefallen, ich richte mich da schon nach der Gruppe. Ich kann kein Stück auswählen, das den Kindern nicht passt“, sagt die erfahrene Theaterregisseurin.
Menschlicher Ansatz
Der Stoff stammt von der niederländischen Autorin Heleen Verburg. Ihr ist es gelungen, die Grimm‘sche Handlung von Aschenputtel, ihren beiden missgünstigen Stiefschwestern und der gemeinen Stiefmutter in die Gegenwart zu verlegen, ohne den märchenhaften Charakter der Handlung zu zerstören. Sie erzählt das Märchen aus der Sicht des kleinen Mädchens neu und rückt zwischenmenschliche und psychologische Aspekte in den Vordergrund. Auch bei Verburg bekommt Aschenputtel den Prinzen, aber im Gegensatz zum alten Märchen erscheint die Geschichte von der bösen Stiefmutter und den beiden Stiefschwestern komischer und süßlicher, aber auch wilder, roher und damit menschlicher.
In dem Stück ist der Vater seit drei Jahren Witwer und vergisst, dass die Tochter auch noch Ansprüche ans Leben hat. Eine exzentrische Patentante bringt dem Vater eine neue Frau. Dazu gesellen sich zwei irre Stieftöchter, die Aschenputtel das Leben zur Hölle machen. Nach der Hochzeit will die Stiefmutter unbedingt ins Schloss einziehen. Aschenputtel will das nicht, bietet der Stiefmutter stattdessen Geld an. „Es ist ein sehr emanzipiertes, humorvolles Aschenputtel“, sagt Süß. Und der Prinz, der hat in dieser Version nicht viel zu sagen.
Holländische Autoren mag Süß sehr gerne, weil die Nachbarn das Jugendtheater schon immer mit mehr Pep gestalten, „nicht so sittsam, teilweise zwar auch traditionell, aber doch sehr modern“.
Süß will jedes Jahr ein neues Stück auf die Bühne bringen. Nicht neu sind hingegen die Schauspieler: Zumindest einige bleiben gleich. Andere wiederum stehen heuer zum ersten Mal auf der Bühne.
Bis der Text sitzt und die Premiere gelingen kann, ist im Vorfeld natürlich Einiges an Arbeit, sind viele Proben nötig. Weil unter den jungen Spielern auch viele Kinder mit ausländischen Wurzeln sind, setzt Süß, neben den normalen, auch auf Einzelproben zur Sprachförderung, So wird das Theaterspiel ganz nebenbei noch zur gelebten Integration. „Dafür ist die Mitwirkung der Eltern natürlich auch entscheidend, aber die unterstützen uns schon sehr, die wollen, dass ihre Kinder etwas machen“, sagt Süß.
Aber nicht nur die Mitarbeit der Kinder oder der Eltern ist entscheidend. Bis ein Stück auf die Bühne kommt, sind viele Hände und Köpfe gefordert. Theaterspielen sei Teamarbeit, sagt Süß. Das Bühnenbild, die Kostüme und vieles mehr, all das sei nur in einem guten Team zu schultern. Beim Bühnenaufbau ist dann noch einmal Muskelkraft gefragt und vor allem Zeit: „Wer kann zum Beispiel am Montag früh, werktags die Bühne aufbauen?“, stellt Süß die rhetorische Frage. Eher ginge es meist nicht, weil man sich ja beispielsweise nicht mit dem Musiksonntag, der ebenfalls im Kreuzgang stattfindet, in die Quere kommen mag. Weil im Team auch viele Ältere seien, sei der Bühnenauf- und Abbau manches Mal schon auch eine Herausforderung, jüngere Helfer wären freilich prima „aber wir kriegen das noch hin“.
Schule für‘s Leben
Süß sieht das Theaterspiel im Übrigen auch ein bisschen als Gegenpart zur Reizüberflutung durch Handy und Co. und obendrein als Schule für‘s Leben: „Ich denke, dass man damit auch Grundlagen für später legt.“ Und wie eine Gruppe funktioniert, welche Regeln es für ein gelingendes Miteinander gibt, auch das lernen die Kinder beim Theaterspielen, ist Süß überzeugt.
Mitspieler sind ab September gesucht – Schnuppern ist möglich:
Aufführungen: Die Aufführungen sind am Freitag, 5. Juli um 20 Uhr, dann am 6. sowie am 7. Juli, jeweils um 16 Uhr, am 12. Juli um 20 Uhr sowie am 13. und am 14. Juli noch einmal um 16 Uhr im Kreuzgang. Der Eintritt beträgt für Kinder neun Euro und für Erwachsene 14 Euro.
Vorverkauf: Karten gibt es in der Touristinformation im Herzogkasten oder an der Abendkasse.
Mitmachen: Angelika Süß sucht für die neuen Proben ab September wieder junge Schauspieler. Auch das vierwöchige Schnuppern ist möglich, um herauszufinden, ob das Spiel auch etwas für einen ist.