Kommunisten sorgen für Aufregung an Regensburger Schule – und kommen am Dienstag wieder

Von Philip Hell · 17. Juni 2024 um 16:39

Wirbel vor der ersten Stunde: Am Montagmorgen tauchten politische Extremisten vor einer Regensburger Schule auf. Daraufhin rückte die Polizei an.

Markus Reitmeier, Sprecher der Polizeiinspektion Regensburg Süd, bestätigte den Einsatz auf MZ-Anfrage. Demnach verteilten die Aktivisten Flyer vor dem Schulzentrum in der Alfons-Auer-Straße – woraufhin die Schulleitung die Beamten rief. Auf den Flyern, so Reitmeier, sei für eine Aktion in der Pause geworben worden.

Die MZ kennt den Wortlaut der Flyer. Überschrieben ist er mit „Aufruf zur Musterung“. Termin sei am gestrigen Montag um 9.30 Uhr in der Aula der Städtischen Berufsschule II. Auf dem Briefkopf prangt das Logo der Bundeswehr. Links daneben wird auf eine „Zentrale Erfassungsstelle für die Wiedereinführung der Wehrpflicht“ verwiesen, die in der Staufenbergstraße 18 in Berlin angesiedelt ist – dort befindet sich das Verteidigungsministerium.

Im Schreiben selbst ist von Musterungen die Rede, die an allen Berufsschulen stattfänden. Diese dienten einer ersten Überprüfung der Kriegstüchtigkeit.

Kommunisten vor Regensburger Schule: Pause verschoben

Ein Schüler des Schulzentrums, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, erzählte der MZ von den Geschehnissen am Vormittag. Demnach habe er von den Flyern erst über eine Durchsage mitbekommen. Die Pausen seien verschoben worden, zudem wurde die Schule abgesperrt.

Die Stadt, unter deren Verwaltung das Schulzentrum steht, bestätigt den Vorfall auf Anfrage ebenfalls. Die Schulleitung habe aufgrund der Flyer-Aktion „entsprechende Vorkehrungen“ getroffen, teilt Stadt-Sprecherin Katrin Butz mit, dazu habe auch der Anruf bei der Polizei gezählt. Diese sei rund eine halbe Stunde vor dem geplanten Beginn der Veranstaltung vor Ort gewesen. „Aufgrund ihrer Anwesenheit wurden die Veranstaltungspläne offenbar fallengelassen.“

Steckt die FDJ hinter der Aktion?

Die Aktion geht aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Konto der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Plakate des kommunistischen Verbands tauchten am Montag auch rings um das Schulzentrum auf. Dabei bewibt die FDJ auch eine Kundgebung, die am Dienstagmorgen stattfinden soll. Zudem, so steht es auf dem Plakat, will die FDJ heute Abend auf dem Ernst-Reuter-Platz demonstrieren. Der Verband sorgte in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder für Aufmerksamkeit in der Stadt − auch vor dem Schulzentrum in der Alfons-Auer-Straße. So ritten Aktivisten dort beispielsweise auf einer Rakete. Die FDJ – und insbesondere der Regensburger Ortsverband – werden im bayerischen Verfassungsschutzbericht erwähnt.

Laut Polizei-Sprecher Reitmeier betraten die Kommunisten die Schule nicht, auch eine Aktion in der Pause blieb aus. Die Beamten stellten lediglich einen Verstoß nach dem Pressegesetz fest − die Aktivisten hatten vergessen, auf ihren Flyern den Urheber abzudrucken.