Kommunisten reiten vor Regensburger Schule auf einer Nazi-Rakete

Zehn Kommunisten begaben sich am Mittwoch auf eine Kundgebungstour durch Regensburg. Sie demonstrierten gegen Waffenlieferungen und für den Frieden.
Der Jugendliche nähert sich stilgerecht in Jogginghose und mit E-Zigarette der Kerschensteiner-Berufsschule und muss erst einmal lachen. Auf der Straße vor dem Gebäude parkt nämlich ein alter Mercedes-Laster, dessen Ladefläche eine Raketen-Attrappe ziert.
Auf dieser wiederum sitzt ein Duo mit Gesichtsmasken von Bundeskanzler Olaf Scholz und Verteidigungsminister Boris Pistorius. Als dem amüsierten jungen Mann nach Überqueren der Straße ein Infoblatt angeboten wird, lehnt er dankend ab.
Hintergrund dieses Schauspiels: Der Arbeiterbund zum Wiederaufbau der KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) tourte am Mittwoch durch Regensburg, um für Frieden und gegen Waffenlieferungen zu demonstrieren.
Erste Station war ab 7.30 Uhr die Kerschensteiner Berufsschule, wo die Kommunisten auch früher schon Halt gemacht hatten. „Vor fünf Jahren waren Abschiebungen aus Berufsschulen das Thema. Da haben sie Eure Kollegen direkt aus dem Klassenzimmer geholt und zum Flughafen gebracht“, behauptete Arbeiterbund-Mitglied Jan Haas in seiner kurzen Rede.
„Das ist Quatsch, das wüssten wir ja wohl. Bei uns hier ist das jedenfalls nicht passiert“, sagten Lehrkräfte dazu auf MZ-Nachfrage. Gleichwohl hielten sie es für sinnvoll, mit zwei Klassen die Demo anzuschauen. „Das ist Teil der politischen Bildung. Wir werden auch anschließend im Unterricht noch kurz drüber diskutieren.“ Ein Sportlehrer merkte scherzhaft an: „Das ist therapeutisches Wandern, unsere Halle ist ja gesperrt.“
Derweil prangerte Haas die aus seiner Sicht kriegstreiberische Politik der Bundesregierung an. Die durch die Arbeiterschaft erwirtschafteten Milliarden würden in Panzer gesteckt, anstatt Schulen besser auszustatten und das Land für die Industrie 4.0 fit zu machen.
Bei den gut 50 zuhörenden Schülern machte er damit allerdings wenig Eindruck. „Juckt keinen, braucht keiner“, rief einer dazwischen, während hinter ihm der Fankurven-Klassiker „Ihr könnt nach Hause gehn“ angestimmt wurde.
Die zehn Kommunisten ließen sich davon aber nicht aus dem Konzept bringen und diskutierten mit den Schülern weiter. Durchaus mit Erfolg, wie Arbeiterbund-Mitglied Patrick Kundmüller anschließend befand: „Es ist immer gut, miteinander ins Gespräch zu kommen und zum Nachdenken anzuregen.“ Letzteres soll auch die Raketen-Attrappe, die bewusst der Nazi-„Wunderwaffe“ V2 nachempfunden ist. Dies solle verdeutlichen, was deutsche Waffen schon in der Vergangenheit angerichtet hätten, so Kundmüller.
Der Arbeiterbund zum Wiederaufbau der KPD wird vom bayerische Verfassungsschutz als „linksextremistische Kaderorganisation“ eingeordnet, weshalb die Mini-Kundgebung auch von etwa so vielen Polizisten wie Demonstranten beobachtet wurde.