Sie ist für Berching wie eine „Mutter Teresa“: Gerlinde Delacroix feiert ihren 70. Geburtstag

Von Bernhard Neumayer · 18. Juni 2024 um 05:00

Würden Sie ins Auto steigen, an einem Tag 1600 Kilometer hin und her fahren, um zwei fremde Personen abzuholen? Gerlinde Delacroix und ihr Mann Alexander haben das gemacht. An ihrem Geburtstag lassen Weggefährten die Berchingerin, die nicht nur Kranken, Senioren und Flüchtlingen hilft, hochleben.

Unter anderem für diesen Einsatz und für noch viel mehr Engagement in unzähligen Vereinen und Gruppen in Berching sagen Weggefährten von Gerlinde Delacroix an diesem Tag „Danke“. Denn Delacroix wird am 18. Juni 70 Jahre alt. Anlässlich ihres runden Geburtstages hat unsere Zeitung vorab mit ihrem Mann und Bekannten gesprochen.

„Es ist irre, was Gerlinde macht“, sagt Gerhard Binder, Leiter des Berchinger Seniorenheims. Unter anderem Musik in der Stadt, Nachbarschaftshilfe, Krankenpflegeverein, Frauenunion, Gluck-Freundeskreis, Gästeführerin und Organisatorin zahlreicher kultureller Veranstaltungen: Die ehemalige Zweite Bürgermeisterin (2008 bis 2020) der Stadt und frühere Kulturreferentin (2002 bis 2020) hilft überall, wo sie helfen kann.

Die zweifache Mutter kümmert sich auch um Flüchtlinge. Einmal ist sie mit ihrem Mann nach Berlin gefahren, um in der syrischen Botschaft einen Pass für einen Geflüchteten zu beantragen. Warum? Weil sie eine soziale Ader hat, sagt ihr Mann. Weil sie die Nöte der Zeit erkennt – im Ganzen und bei Einzelschicksalen, sagt Binder.

Gerlinde Delacroix: Sozial und unermüdlich

„Dass sie unermüdlich ist, macht sie so einzigartig“, sagen Regina Burger von der Frauenunion und Hans-Joachim Schneider von der Nachbarschaftshilfe über Gerlinde Delacroix. Ihre Einfühlsamkeit suche ihresgleichen, schießt Schneider hinterher. Und sie glaube immer an das Gute im Menschen, sagt Burger.

Wenn es jemand verdient habe, gewürdigt zu werden, dann Delacroix, sagt Schneider. Sie sei die Mutter Teresa der Nachbarschaftshilfe. Dort fährt sie unter anderem Senioren zu Arztterminen oder bringt ihnen „Essen auf Rädern“ nach Hause. „Ich wünsche mir, dass es in Berching mehr Menschen in hohen Positionen gibt, die Gerlindes Arbeit schätzen“, sagt Schneider, der auch ihrem Mann Alexander hervorhebt. „Gerlinde leistet seit vielen Jahren große Beiträge im kulturellen und sozialen Leben der Großgemeinde“, betont Veronica Platzek vom Stadtmarketing, die auch im Namen des Kultur- und Tourismusbüros spricht.

„Gerlinde macht alles, auch die Drecksarbeit“, sagt Regina Burger. Wenn nach Veranstaltungen aufgeräumt werden muss, schwingt sie den Besen. „Und wenn von uns einer mal nicht weiter weiß, dann rufen wir Gerlinde an“, sagt Burger.

Delacroix ist quasi im Dauereinsatz für Berching, dabei stammt sie ursprünglich gar nicht aus „Bacham“. Sondern aus dem Nachbarort Beilngries. Dort lernte sie ihren heutigen Mann Alexander Anfang der 1970er-Jahre über Kumpels kennen – und nach einem gemeinsam Türkei-Urlaub mit zwei weiteren Freunden auch lieben. Während Gerlinde am Wochenende in der Gams in Beilngries kellnerte, schenkte ihr Alexander dort aus. „Um so zumindest die Wochenenden gemeinsam zu verbringen“, sagt Alexander Delacroix heute.

1978 hat Gerlinde Delacroix geheiratet

Denn die Lehrerin sei nach der Lehramtsprüfung nach Kempten versetzt worden. Nach der standesamtlichen Hochzeit 1978 und der kirchlichen Trauung 1979 in Berching sei seine Frau aber wieder zurückversetzt worden, schildert Alexander Delacroix. Nach Stationen in Sulzbürg und Mühlhausen unterrichtete Gerlinde Delacroix an der heutigen Grund- und Mittelschule in Berching, bis sie vor gut vier Jahren in Pension gegangen ist.

Aber von Ruhestand kann bei ihr nicht die Rede sein. „Sie kämpft und kämpft und kämpft“, sagt Schneider, der ihr zum Geburtstag vor allem Gesundheit wünscht. „Und dass sie mal für sich lebt und nicht nur für die Nachbarschaftshilfe.“ Auch Burger wünscht ihr neben Glück und Gesundheit, dass sie Zeit für sich selbst finde. „Und dass sie weiterhin so viel Spaß an den Dingen hat, die sie tut.“ Binder wünscht ihr noch viele, viele Jahre Elan, Gesundheit und weiterhin so viel Esprit.

Schneider und Binder hoffen zudem, dass sich mehrere Personen finden, die die Arbeit von Delacroix fortsetzen können, falls sie irgendwann nicht mehr dazu fähig ist. „Wenn Gerlinde es mal nicht mehr macht, dann gibt es keine Kultur mehr in Berching“, sagt Binder.

Aber noch ist die 70-Jährige fit. Und das wird gefeiert. Am Dienstag im kleinen Kreis, am Freitag in der Stampfermühle. Und die ist ja zum Glück in Berching – und nicht 800 Kilometer einfach entfernt. So wie ein Ort in Ostfriesland, von dem die Delacroixs vor ein paar Jahren ein älteres Paar abgeholt und nach Berching chauffiert haben. Die beeinträchtigten Senioren wollten den Rest des Lebens in ihrer Berchinger Heimat verbringen.

Und so setzten sich die Delacroixs früh morgens ins Auto, fuhren nach Ostfriesland, gabelten die Senioren auf und es ging wieder zurück in die Oberpfalz. Alles an einem Tag. 1600 Kilometer. Für ein „Vergelt’s Gott“.

Noch heute organisiert Gerlinde Delacroix (l.) die städtische Veranstaltung „Literaturnacht“ in Berching. Foto: Neumayer
Gerlinde Delacroix (r.) veranstaltet auch das Barockfest in Berching. Foto: Delacroix
Und Gerlinde Delacroix (2.v.r.) repräsentiert noch heute die Stadt Berching. Dieses Foto zeigt sie mit ihrem Mann Alexander (r.) in der Partnerstadt Obernberg. Foto: Bruckbauer