Hochfest für Taktwechsler: Zwiefachentag lockte Gäste aus ganz Bayern nach Schwandorf

Von Andreas Loscher · 16. Juni 2024 um 19:00

Tanzen, singen, musizieren oder einfach nur zuhören: In Schwandorf kamen am Samstag alle Freunde der traditionellen Musikkultur auf ihre Kosten. Die Kultur- und Heimatpflege des Bezirks Oberpfalz hatte zum sechsten Mal zum Zwiefachentag eingeladen – heuer in die Geburtsstadt von Konrad Max Kunz, der 1848 die ersten gedruckten Zwiefachen veröffentlichte.

Der Tanz mit seinem unregelmäßigen Wechsel zwischen dem Dreivierteltakt des Walzers und dem Zweivierteltakt des Drehers stand den ganzen Tag über im Mittelpunkt. Verschiedene Punkte wie Workshops und Vorträge standen auf dem Programm.

Der Zwiefachentag begann um 11 Uhr mit einer Begrüßung in der Spitalkirche, musikalisch umrahmt von der Musikschule Schwandorf. Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) freute sich, dass die Veranstaltung unter dem Motto „...diese närrischen Dinger“ nun in Schwandorf zu Gast ist. Der Oberbürgermeister berichtete von seinen ersten eigenen Tanzversuchen: „Es ist noch Luft nach oben, aber mein Können wird immer besser und ich bin mit großer Begeisterung dabei.“ Einen großen Anteil daran haben laut Feller auch der Tanzlehrer und Vorsitzende des Vereins Oberpfälzer Volksmusikfreunde, Alfred Merl, und dessen Frau Anita.

Immaterielles Kulturerbe

Der stellvertretende Bezirksheimatpfleger Florian Schwemin ging anschließend in einem halbstündigen Vortrag auf die Geschichte des Zwiefachen ein. Dieser sei zu Recht immaterielles Kulturerbe. „Schon 1848 hat Konrad Max Kunz erkannt, dass dieser Tanz etwas ganz Besonderes ist, das es zu bewahren gilt.“ Kunz habe die bis dahin nur mündlich überlieferte Tradition erstmals schriftlich festgehalten. Das habe zwar das gemeinsame Musizieren und Tanzen nicht ersetzen können, so Schwemin.

Aber Kunz habe damit den ursprünglich bäuerlichen Tanz im 19. Jahrhundert auch für bürgerliche Schichten erfahrbar gemacht und so zu einer stark identitätsstiftenden Wirkung in Bayern beigetragen, so Schwemin beim Vortrag in der Spitalkirche. Nebenan in der Gerhardinger-Grundschule konnte man erleben, was es heißt, Tradition lebendig zu halten: So trafen sich in der Turnhalle zahlreiche Paare zum Tanz. Manche nahmen dafür sogar eine weite Anreise in Kauf. Zum Beispiel Anita Rieder und Ralf Löffler aus Lenggries im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. In Dirndl und Lederhosen tanzten die beiden neben Zwiefachen sogar Driefachen, einen Wechsel zwischen Walzer, Polka und Dreher. „Die weite Anreise haben wir gerne auf uns genommen. Außerdem komme ich ursprünglich aus Schwandorf, da war es schön, gleich wieder die Heimat zu sehen“, so Anita Rieder.

Begeisterte Gäste aus Oberbayern

Ein paar Meter weiter tanzten Barbara und Alfred Meier aus München begeistert und fast ohne Unterbrechung. „Solche Veranstaltungen gibt es bei uns leider nicht mehr. Deshalb kommen wir immer wieder gerne zum Zwiefachentag in die Oberpfalz, um diese schöne Tradition zu erleben“, sagte das Paar. Bevor es am Abend wieder zurück in die Landeshauptstadt ging, wollten sie noch an zahlreichen Tanzworkshops und anderen Angeboten teilnehmen. Und so ganz nebenbei könne man sich auch noch Schwandorf anschauen, freuen sich die beiden Münchner.

Einen musikalischen Streifzug durch vier Jahrhunderte bot um 16 Uhr in der Spitalkirche die Musikschule Schwandorf unter der Leitung von Peter Neff. So stand der „Lustgarten neuer teutscher Gesang“ von Hans Leo Haßler aus dem Jahr 1601 auf dem Programm. Das Bläser- und Vokalensemble der Musikschule unter der Leitung von Marcus Müller präsentierte „America“ von Leonard Bernstein aus dem Jahr 1957. Auch die Kinder der Musikalischen Früherziehung wirkten mit und sangen unter der Leitung von Bettina Grüne-mayer „Auf der grünen Au“.

Theater beim Blasturm

Die Besucher konnten zwischen 30 Programmpunkten an 13 verschiedenen Orten wählen. Beispielsweise spielte die Fronberger Kirwamusik im Biergarten des Stadtparks Bairische, Schottische, Zwiefache, Polka und Walzer auf. Auf der Bühne vor dem Blasturm war das Theaterstück „Kunz und Konsorten” zu sehen. In fünf Szenen wurden verschiedene Stationen aus dem Leben der Familie von Konrad Max Kunz lebendig.

Das Stück basiert auf wahren Begebenheiten, die das Stadtarchiv recherchiert hat. Wer wollte, konnte mit einem Shuttlebus zum Brauereigasthof Fronberg fahren, wo die Blaskapelle Neukirchen getreu ihrem Motto „bayerisch.böhmisch.zünftig“ sowohl urige Stücke als auch Unterhaltungsmusik im Repertoire hatte.

Mit Inbrunst wurde beim Blasturm gespielt und gesungen.
„Kunz und Konsorten” zeigte Stationen aus dem Leben der Familie von Konrad Max Kunz.
Die Musikschule Schwandorf unternahm unter Leitung von Peter Neff (l.) einen Streifzug durch vier Jahrhunderte.
Auch Barbara und Alfred Meier aus München tanzen eifrig.