Oratorienchor Schwandorf: Gesang, Musik und Tanz sollen für „Gluck’s.momente“ sorgen

„Gluck‘s.momente – Opernspektakel mit Tiefgang“ ist das Projekt des Schwandorfer Oratorienchors überschrieben, das am 22. Juni in der Oberpfalzhalle aufgeführt wird. „Das wird viel mehr als ein Konzert, es wird ein Erlebnis für Augen und Ohren“, schwärmt Regisseur Ian Owen.
Der Vorsitzende der Konrad-Max-Kunz-Fördervereinigung ist Ideengeber und singt selbst im Bass mit. Er habe sich in die Musik des aus der Oberpfalz stammenden Komponisten Christoph Willibald Gluck (1714 – 1787) verliebt, sagt der 72-Jährige. Mit seiner Begeisterung hat er offenbar auch die weiteren rund 60 Mitwirkenden angesteckt.
Der Schwandorfer Oratorienchor und der Chor des Collegium musicum Regensburg sowie das Orchester Camerata Schwandorf wirken unter der Leitung von Wolfgang Kraus für Gluck’s.momente zusammen. Dazu kommen die Sopranistin Manuela Falk aus Regensburg, die Mezzosopranistin A-Reum Lee aus Augsburg, die Sopranistin Sarah Klos sowie die Tänzerin Sarah Helmy aus Wilhelmshaven. Bislang haben alle Mitwirkenden für sich geprobt, erst in den verbleibenden eineinhalb Wochen bis zum 22. Juni werden die einzelnen Puzzlestücke zum großen Ganzen zusammengefügt.
Furie sorgt für Höhepunkt
„Beim Konzert ist das dann der erste komplette Durchlauf“, sagt Ian Owen. In seinem Kopf gibt es dagegen seit fast zwei Jahren Überlegungen und eine Vorstellung, wie das Opernspektakel ablaufen wird. Von Gänsehaut-Momenten berichtet er bei der Probe mit den Solistinnen und seinen Besuchen bei Sarah Helmy in Wilhelmshaven. „Der Tanz der Furie wird ein Höhepunkt“, ist der Regisseur überzeugt. Er ist dankbar, „dass der Chor bisher sehr geduldig war und auch großes Vertrauen in ihn hat.“ Eine gewisse Skepsis habe es anfangs schon gegeben, „denn niemand außer mir konnte sich vorstellen, wie das ablaufen wird“, so Owen.
Gesang, Musik und Tanz kommen also am 22. Juni für die Gluck’s.momente zusammen. Auf dem Programm stehen Stücke aus den berühmtesten Opern von Christoph Willibald Gluck, der in Erasbach bei Berching (Lkr. Neumarkt) geboren wurde und als einer der bedeutendsten Opernkomponisten der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gilt. Ihm sind die wesentlichen Reformideen der Oper zu dieser Zeit zu verdanken. Er wollte weg von sehr auf Virtuosität und Wirkung ausgerichteten Gesängen und die Oper wieder auf ihren dramatischen Ursprung zurückführen.
Ian Owen und Wolfgang Kraus geraten über die Werke Glucks nahezu ins Schwärmen. „Die Musik ist wunderbar. Sie ist sehr plakativ und drückt den Text sehr schön aus“, sagt der Chorleiter. Man könne sich laut Owen sehr gut einhören in Glucks Musik. Sie zeichne sich durch Schlichtheit aus, „geht aber wirklich unter die Haut“. Denn viele verschiedene Stimmungen, auch feine Nuancen, werden musikalisch ausgedrückt. „Die Stimmungen wechseln sehr schnell, das macht das Ganze interessant“, weiß Kraus. Es sei nicht einfach, in wenigen Minuten von melancholisch auf dämonisch zu wechseln, schildert Owen seine Erfahrung.
Schwandorfer Oratorienchor betritt Neuland
Liebe, Wut, Hass, Trauer – all diese Empfindungen zu erfassen und durch den Gesang auszudrücken, ist nur eine der Herausforderungen für die Sänger. Auch in anderen Punkten betritt der Oratorienchor Neuland. Zum einen sind die Sänger auch als Darsteller gefordert, sind Teil der Choreographie, agieren als Beobachter des Geschehens oder als aktive Gegenspieler zu den Heldinnen (Solistinnen). Zum anderen ist der Großteil der Texte in Französisch und Italienisch, während bei Oratorien meist Latein und Deutsch gesungen wurde.
„So etwas haben wir noch nie gemacht“, berichtet Ian Owen. Für ihn sei es als Künstler ganz spannend, so etwas auf die Beine zu stellen. Er stammt aus North Wales und kommt eigentlich vom Tanz. Von 1964 bis 1971 studierte er an der Royal Ballet School in London und wurde anschließend in die Royal Ballet Company aufgenommen. 1978 siedelte er nach Deutschland über, arbeitete als Tänzer, Ballettlehrer und Choreograph, war von 1998 bis 2017 Künstlerischer Leiter einer Tanzakademie in Wilhelmshaven.
Mit 65 Jahren hängte er die Tanzschuhe an den Nagel. „Ich hatte mir geschworen, ich will dann mit dem Singen anfangen“, erzählt Owen, dessen Eltern und Großvater auch Sänger waren. Nach seinem Umzug nach Burglengenfeld fand er beim Schwandorfer Oratorienchor eine musikalische Heimat als Bass und übernahm später auch den Vorsitz der Konrad-Max-Kunz-Fördervereinigung, unter deren Dach der Chor läuft. Das Opernspektakel in der Oberpfalzhalle sei „das teuerste Projekt, das wir je gemacht haben“, sagt Owen. Dank der Unterstützung von Sponsoren sei man finanziell abgesichert. Das Programm von Gluck’s.momente beginnt mit „De Profundis“, dem letzten sakralen Werk Glucks, das erst bei dessen Begräbnis am 17.November 1787 uraufgeführt wurde. Die Aufnahme des Stücks war laut Owen auch ein Wunsch von Dirigent Wolfgang Kraus, der sein zehnjähriges Jubiläum mit dem Schwandorfer Oratorienchor feiere. Weiter sind Stücke aus den berühmtesten Opern Glucks zu hören: Iphigenie auf Tauris, Armide, Alceste und Orpheus und Eurydike – allesamt Figuren aus der Antike.
Das Opernspektakel ist eine szenische Zusammenfassung aus diesen Werken, es zeigt, trotz der Kurzfassung der verschiedenen Handlungen, den chronologischen Ablauf des Geschehens, erklärt der Regisseur. Gluck’s.momente sei sozusagen eine „Oper aus Opern“, eine Hommage an Gluck. Der Komponist habe in seinen Opern Text in Musik übersetzt. Ob Furien oder gute Geister, der Zuhörer merke laut Wolfgang Kraus, worum es geht. Dafür müsse man den Text nicht so gut kennen.
Liebe statt Mord
Dramatisch wird es auf jeden Fall am 22. Juni, wenn man einen kurzen Blick auf die Handlungen der Opern wirft. Armide etwa ist eine Prinzessin und Zauberin in Damaskus zu Zeiten der Kreuzritter, die sich an einem siegreichen Ritter rächen will, sich aber in ihn verliebt, statt ihn zu töten. Der Hass soll sie mit seiner Dämonenschar von der Liebe befreien. Bekannt ist die Liebesgeschichte zwischen dem Sänger Orpheus und seiner geliebten Eurydike, die an einem Schlangenbiss stirbt. Durch seinen Gesang und weil die Götter von seinem Schicksal so berührt sind, rettet Orpheus das Leben von Eurydike und führt sie aus der Unterwelt hinaus.
Für die Mitwirkenden beginnt jetzt der Endspurt bis zur Aufführung. Der Oratorienchor feilt mit Wolfgang Kraus noch an so manch kniffliger Stelle, mit Ian Owen an den darstellenden Elementen. Der Regisseur wünscht sich natürlich ein volles Haus am 22. Juni: „Ich hoffe, dass möglichst viele Leute, die sich für Musik, Kunst und Klassik interessieren, uns besuchen. Es ist wichtig, dass viele Leute das mitkriegen. Denn Gluck’s.momente wird wirklich einmalig sein.“
Karten für das Konzert sichern
Termin: Gluck’s.momente – Opernspektakel mit Tiefgang wird am Samstag, 22.Juni, um 19 Uhr (Einlass 18 Uhr) in der Oberpfalzhalle Schwandorf aufgeführt.
Tickets: Karten zum Preis von 18 Euro gibt es im Vorverkauf bei Haushaltswaren Schreiner in der Friedrich-Ebert-Straße 3 in Schwandorf oder an der Abendkasse ab 18 Uhr.


