Viel mehr als Singen und Tanzen: Früherziehung der Musikschule Schwandorf setzt im Kindergarten an

Musikalische Früherziehung steht jeden Donnerstagvormittag im BRK-Kindergarten Lindenblüten auf dem Programm. Polina Danilova und Bettina Grünemeyer von der Musikschule Schwandorf gestalten in Kleingruppen jeweils 45 Minuten für die Vorschulkinder und die ein Jahr jüngeren Kinder (Mittelkinder).
Wer glaubt, dass es dabei nur um ein bisschen Singen und Tanzen geht, der liegt völlig falsch. Soziale Kompetenzen, Sprache, Fein- und Grobmotorik, Körperbewusstsein, Gruppendynamik und nicht zuletzt Integration – all das fördert die musikalische Früherziehung.
Noah ist der Wind. Dafür hat er zwei gelbe Tücher in den Händen. Schwenkt er beide kräftig auf und ab, dann bläst der Wind stark. Und die anderen Kinder aus der Gruppe spielen ihre Instrumente laut: Klanghölzer, Triangel, Mini-Becken oder Kastagnetten. Bewegt Noah nur ein Tuch ganz vorsichtig, dann bläst der Wind schwach. Und die Instrumente erklingen nur ganz leise und vorsichtig.
Noah ist in dieser Runde der Dirigent. Dann greift Musikpädagogin Polina Danilova wieder zur Trommel, alle Kinder legen ihre Instrumente bzw. Tücher ab und laufen durcheinander. Verstummt die Trommel, sucht sich jedes Kinder wieder ein Instrument, eines wird der Wind – und eine neue Runde beginnt.
Inklusion und Integration fällt in der musikalischen Früherziehung ganz leicht
Peter Neff, der Leiter der Musikschule Schwandorf, ist überzeugt: „Was die Kinder aus diesen zwei Jahren mitnehmen, das behalten sie für ihr ganzes Leben.“ Der Kindergarten Lindenblüten hat sogar sein Konzept darauf ausgelegt: „Musik, Bewegung, Tanzen, so fördern wir die Kinder im Ganzen. “
„Es ist eine tolle Geschichte, dass wir die Musik bei uns im Haus haben“, freut sich Leiterin Jasmin Hartinger. Auch sie betont die ganzheitliche Förderung – gerade für die Inklusionskinder. Für die Kinder mit Migrationshintergrund sei die musikalische Früherziehung „das Beste, was ihnen passieren kann zur Sprachförderung.“
Sie achte immer darauf, dass die Kinder die Sätze, die gesungen werden, auch wirklich verstehen und korrekt aussprechen, erzählt Polina Danilova. Sie hat einen Bachelor-Abschluss in elementarer Musikpädagogik sowie einen Master in Klavierpädagogik. Sie betreut in diesem Jahr die Mittelkinder, ihre Kollegin Bettina Grünemeyer, die eine Ausbildung im Bereich Rhythmik- und Flötenpädagogik absolviert hat, die Vorschulkinder. Sie arbeiten beide nach dem Konzept „Musik und Tanz für Kinder“, die zwei Jahre bauen aufeinander auf. Der Kindergarten bekommt Material an die Hand, damit die Inhalte der Früherziehung in den Gruppen noch vertieft werden können.
Erst wird getanzt, dann kommen Instrumente wie Xylophon und Glockenspiel zum Einsatz
Bettina Grünemeyer hat wieder die Tripp-Trapp-Maus dabei, für das Begrüßungslied bekommt jedes der Vorschulkinder ein kleines Mäuschen, das es sich auf die Fingerkuppe stecken kann. Dann darf jedes Kind entscheiden, ob es das Lied alleine vorsingen will oder lieber mit allen zusammen. Groß ist die Freude, als es ans Tanzen geht. Alle machen begeistert mit, auch der einzige Junge in der Runde.
Dann kommen die Instrumente zum Einsatz. Bass-Xylophon, Xylopohon, Metallophon und Glockenspiel. Das Kinderhaus Lindenblüten verfügt über einen „guten Schatz“ an Instrumenten, der aber laut Jasmin Hartinger noch erweitert werden soll. „Wir freuen uns da über jede Spende“, so die Leiterin.
Bettina Grünemeyer gibt Zubehör an die Kinder aus. „So sieht ein Schlegel aus, Nummer zwei kommt auch heraus“, sprechen die Kinder nach. „Schlegelköpfe küssen sacht, nochmal vier, dann sind es acht.“ Sachte führen die Kinder die Filz- oder Holzkugeln aneinander – und zählen dabei leise mit. Schließlich geht es natürlich noch an die Instrumente. Manche Kinder tun sich leicht, eine kleine Tonfolge in der korrekten Reihenfolge und im richtigen Rhythmus nachzuspielen. Andere tun sich noch deutlich schwerer.
„Das Schöne ist, wenn wir Woche für Woche kommen und die Entwicklung sehen“, berichtet Bettina Grünemeyer. Ganz selten nur gebe es Kinder, die gar nicht mitmachen wollen. Musik sei eine internationale Sprache – sonst bestehende Sprachbarrieren fielen weg. „Die Kinder mit Migrationshintergrund sind bei der musikalischen Früherziehung nicht benachteiligt, sondern oftmals sogar im Vorteil“, weiß Peter Neff.
Ihr Ziel sei es, „dass die Kinder tolle Erfahrungen mit Musik sammeln“, sagen Polina Danilova und Bettina Grünemeyer übereinstimmend. Gerade durch die Musik kommen die Kleinen aus sich heraus, trauen sich etwas zu, ergänzt Jasmin Hartinger. Für ihre Stellvertreterin Sofie Kaiser ist die musikalische Früherziehung – gerade in der heutigen Zeit – ein Kontrapunkt zum häufigen Medienkonsum. Die Kinder werden selbst aktiv, haben Bewegung, kommen aber auch zur Ruhe, eine Abwechslung zwischen Aktion und Konzentration ist immer gegeben.
Das Angebot komme auch bei den Eltern sehr gut an, es werde laut Hartinger bei der Anmeldung oft als Grund für die Entscheidung für das BRK-Kinderhaus in der Industriestraße angegeben. Mit drei Einrichtungen – Lindenblüten, Storchenwiese in Fronberg und dem städtischen Kindergarten Kreuzberg – hat die Musikschule Schwandorf aktuell Kooperationen für musikalische Früherziehung.
Stadt Schwandorf investiert in die Kinder und finanziert die musikalische Früherziehung im Kindergarten
„Wir wollen das noch ausbauen“, richtet sich Peter Neff an eventuell interessierte Kindergärten. Die ausgebildeten Kräfte der Musikschule könnten sich dabei auf die jeweilige Konzeption der Einrichtungen einstellen. Der Leiter der Musikschule weiß, dass in jedem Kindergarten gesungen und getanzt werde. Aber musikalische Früherziehung gehe weit darüber hinaus, „da steckt noch viel mehr dahinter.“
Die Früherziehung findet während der Kernzeiten am Vormittag statt und ist kostenlos. Die Finanzierung erfolgt über den Freistaat Bayern und vor allem die Stadt Schwandorf. „Dieses wunderbare Angebot ist nur möglich dank der großzügigen finanziellen Unterstützung und der Einsicht des Schwandorfer Stadtrats. Das ist großartig“, betont Neff. Er ist überzeugt, dass die vielfältige Förderung durch die musikalische Früherziehung diese Investition der Stadt auch rechtfertige.
Dass zuhause mit Kinder regelmäßig gesungen und musiziert wird, ist laut Neff eine Seltenheit geworden. In der Früherziehung sollen die Kleinen Musik und Klangwelten entdecken und die Begeisterung mit nach Hause nehmen. Damit diese nicht abreißt, gibt es weiterführende Angebote in der Musikschule, aber auch Kooperationen mit Grundschulen, etwa bei Sing- oder Flötenklassen. Diesen Bereich will die Musikschule Schwandorf ebenfalls noch ausbauen. Im Hinblick auf die Ganztagsschule gebe es laut Neff hier künftig auch eine größere Nachfrage.
Nachfragen gibt es laut Sofie Kaiser regelmäßig donnerstags von den Kindern: „Heute ist wieder Musik, oder?“ Polina Danilova hat am Ende der 45-minütigen Einheit alle Kinder noch einmal in einem Kreis zusammengeholt. Alle sitzen auf dem Boden. Der Musikkater schaut zum Abschluss vorbei und verabschiedet sich von jedem Kind. Tim ist traurig, weil der Kater jetzt schon gehen muss. Eigentlich ein gutes Zeichen. Und er kommt ja wieder. Nächsten Donnerstag.


