Stimmbildungskurs mit Romy Börner war nicht nur für Sänger ein Gewinn

Von Ralf Gohlke · 27. September 2023 um 15:00

Wer an die Musikschule denkt, dem kommen vordergründig die Ausbildung an Tasten-, Saiten-, oder Blasinstrumente in den Sinn. Das jeder Mensch mit seinem Stimmapparat selbst über ein Instrument verfügt, wird als selbstverständlich erachtet. Dabei lohnt es sich nicht nur für Sänger, sich näher damit zu beschäftigen. Eine solche Gelegenheit bot Romy Börner jetzt mit einem Stimmbildungskurs an der städtischen Musikschule an.

Sie unterrichtet dort seit vielen Jahren schon sowohl Stimmbildung und Gesang als auch Klavier. Daneben macht sie selbst als gefeierte Sängerin, sowohl als Solistin wie auch in verschiedenen Ensembles, immer wieder von sich reden. „Die Weibsbilder“, das Trio Lavendel oder das Romy Börner Quartett sind weithin bekannt. Der Kurs war mit 15 Teilnehmern sehr gut besucht. Sie kamen nicht nur aus Neunburg sondern aus dem gesamten Landkreis Schwandorf und Nachbarlandkreisen bis nach Amberg und Regensburg.

Der Auflockerung und dem gegenseitigen Kennenlernen diente zunächst eine kleine Vorstellungsrunde. Dabei wurden die unterschiedlichen Motive für die Teilnahme deutlich.

Den Schwerpunkt bildeten jene, die ihre gesanglichen Qualitäten, etwa als Mitglieder von Bands oder Chören einordnen und verbessern wollten. Einige legten eher Wert auf das Sprechen, weil sie damit beruflich oder nebenamtlich, bei Veranstaltungen oder Vorträgen gefordert sind.

Für die erfahrene Musikpädagogin bedeutete das kein Problem, die unterschiedlichen Interessen in Einklang zu bringen. Dazu räumte sie gleich mit einem weitläufigen Vorurteil auf, das jemand „nicht singen“ könne. Dies sei jedem, der über einen gesunden Sprechapparat verfüge, grundsätzlich gegeben.

Sie verglich Stimmbildung, Sprecherziehung und Gesangsunterricht mit dem Instrumentenbau. Jeder Mensch trage dieses Instrument ständig bei sich. Einziger Unterschied zu einem mechanischen Instrument sei die uns eigene Psyche, die sowohl beim Sprechen als auch beim Gesang eine westliche Rolle spiele.

Parallelen zu Sportarten

Im Vorgriff auf eine genauere Vorstellung der Funktionsweise des Stimmapparats stellte sie einen Vergleich zum Sport an. Dessen Muskulatur müsse genauso trainiert werden wie die der Gliedmaßen. Ähnlich wie der Abruf einer Höchstleistung im Sport ohne Aufwärmen zu Schäden führen könne, warnte sie auch vor Kaltstarts vor einem Vortrag oder Gesangsauftritt.

Die von ihr im Anschluss dazu angebotenen Übungen bildeten eine passende Auflockerung. Ganz wichtig war ihr darauf hinzuweisen, dass jede Stimme, ähnlich wie ein Fingerabdruck, individuell und unverwechselbar sei. Mit einer weiteren Übung konnte jeder seine Wohlfühlstimme erfahren.

Für jeden fühlbar vermittelte sie im Weiteren die Komponenten, welche die Stimme ausmachten, die Atmung, die Körperhaltung, das Ohr, die Musikalität und und die bereits erwähnt Psyche. Vertieft wurde besonders die Atmung, mit Schwerpunkt auf die sogenannte Zwerchfellatmung in Verbindung mit der Flankenatmung.

„Was hallt am Waldbach da? Jagdklang schallt nah: Trara!“, lautete einer der Sätze, die von den Teilnehmern als Sprechübung mit einem Korken zwischen den Lippen wiedergegeben werden durften, was natürlich für Heiterkeit sorgte. Im Zusammenhang mit einigen Einsingübungen kam sogar ein durchaus angenehmer Chorgesang zustande.

Tipps zur Stimmhygiene

Den Abschluss bildeten eine Reihe von Tipps zur Stimmhygiene, um Schäden vorzubeugen. Dazu gehörte der Rat, der Stimme Zeit zur Erholung zu können ebenso wie das Vermeiden von Räuspern und Flüstern, Nervosität und Stress zu reduzieren, für ausreichende Flüssigkeit zu sorgen oder die Stimme den Raumverhältnissen anzupassen.

In kleinen Gruppen konnten die Sänger unter den Teilnehmern schließlich noch ihren Stimmumfang in Oktaven ermitteln lassen.

Mit ihrer offenen Art versteht es Romy Börner, selbst trockene Materie anschaulich zu vermitteln. Foto: Ralf Gohlke