19-Jähriger verurteilt: Über drei Jahre Haft für dreisten Autoklau und weitere Diebstähle

Der Traum von der großen Freiheit endete in Handschellen. Ein heute 19-Jähriger muss wegen des Diebstahls von zwei Autos aus einer Werkstätte im Landkreis Kelheim und weiterer Delikte für drei Jahre und vier Monate in Haft.
Der zur Tatzeit erst 17-Jährige fasste mit einem Mitangeklagten den Entschluss, mit einem gestohlenen Auto eine große Reise anzutreten – das Fernziel war Japan, wie er selbst vor dem Amtsgericht Regensburg angab.
Am 27. Januar 2023 gegen 1 Uhr schlug das Duo ein Loch in die Scheibe einer Kfz-Werkstatt, stieg ein und brach eine Fahrzeughalle auf. An einen Audi A4 und einen BMW 116d montierten die beiden jungen Männer Kennzeichen, die sie von anderen Pkw in der Halle geklaut hatten. Ihre Fahrt traten sie mit dem Audi an. Das Zufahrtstor rissen sie mit einem Seil am Auto raus.
Gestohlener Audi streikt – BMW als Ersatz geklaut
Nach einigen Kilometern streikte der Pkw, das Duo stellte ihn auf einem Parkplatz bei Großmuß ab. Der Mitangeklagte (22) ließ sich von einem Lkw-Fahrer zurück in die Nähe des Tatorts bringen. Und entwendete nun den BMW und holte seinen Beifahrer wieder ab.
Das erste Etappenziel sollte Prag sein. Doch schon in der tschechischen Gemeinde Blatna endete der Trip. Der heute 19-Jährige klaute in einem Elektrogeschäft Batterien für den Autoschlüssel im Wert von 2,87 Euro. Beim Verlassen des Parkplatzes stellte sich ein Ladenmitarbeiter in den Weg des Autos, eine Kollegin hatte den Diebstahl mitbekommen. Der 22-jährige Fahrer stoppte aber nicht, sondern stieß den Tschechen (29) um.
Wilde Fahrt mit Mann auf der Motorhaube
Dieser rappelte sich wieder hoch und sprang, weil der Fahrer erneut auf ihn zuhielt, auf die Motorhaube. Im Zickzack-Kurs ging es auf die Straße, der Fahrer wollte den Ladenmitarbeiter abschütteln. Der klammerte sich an die Motorhaube, da er nicht vor ein Auto fallen wollte. Nach 300 Metern ließ er los, weil kein Fahrzeug kam. Das Duo fuhr weiter, wurde aber wenig später von der tschechischen Polizei gestellt.
Den Hergang der Geschehnisse räumten beide Angeklagten weitgehend ein. Der Ladenmitarbeiter sprach als Zeuge von Blutergüssen, Schmerzen, Panikattacken und Schlafstörungen als Folgen der Schlangenlinienfahrt und des Sturzes von der Motorhaube. Angesichts seiner Schilderungen sah der Staatsanwalt statt einer gefährlichen Körperverletzung nunmehr einen versuchten Totschlag vorliegen. Das Verfahren gegen den 22-jährigen Fahrer wurde abgetrennt und wird voraussichtlich vor dem Landgericht weiter geführt.
Einbruch in Ausschankhäuschen eines Biergartens
Zur Fortsetzung des ursprünglichen Prozesses saß nur mehr der jüngere Angeklagte im Saal. Neben seiner Tatbeteiligung gestand er, dass er ein halbes Jahr zuvor ein Ipad (Wert: 379 Euro) aus dem Ausschankhäuschen eines Biergartens in Cham gestohlen hatte. Ihm blieb wenig anderes übrig: Seine DNA und Fingerabdrücke wurden am ausgehebelten Fenster gefunden und führten zu einem Treffer in der Datenbank. Er war schon zuvor mit dem Gesetz in Konflikt geraten.
Auch angesichts einer früheren Verurteilung von Ende 2022 fiel das Strafmaß vor dem Amtsgericht deutlich aus. Der 19-Jährige erhielt nach Angaben von Pressesprecher Thomas Schug eine Jugendstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Er wurde unter Vorsitz von Richterin Tanja Weber des gemeinschaftlichen Diebstahls, der Urkundenfälschung, der Sachbeschädigung und zwei Fällen des Diebstahls schuldig gesprochen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.