Trotz neuer Markierung in Regensburger Andreasstraße: Scharfes Eck in Stadtamhof bleibt

Von Rainer Wendl · 12. Juni 2024 um 10:00

Anwohner der Andreasstraße wünschen sich seit Langem eine Verkehrsberuhigung. Jetzt hat sich etwas getan – aber nichts, was sie zufriedenstellt.

Fast genau ein Jahr ist es her, dass die Verkehrssituation in der Andreasstraße ein größeres Thema bei der Bürgerversammlung in Stadtamhof war. Die Anwohner äußerten sich besorgt über die gestiegene Geschwindigkeit, mit der sowohl Autofahrer als auch Radler die schmale Straße passieren. Vor allem die nicht einsehbare 90-Grad-Kurve in Richtung Grieser Steg identifizierten sie als Gefahrenstelle.

Als hier vor zwei Wochen eine neue Fahrbahnmarkierung angebracht wurde, deuteten das manche als Maßnahme zur Entschärfung des Ecks – ein Trugschluss, wie sich schnell herausstellte.

Unbefriedigende Situation

„Bei der Bürgerversammlung in Stadtamhof hat die Stadt eine Entschärfung der Kurve beim Andreasstadel noch abgelehnt, aber jetzt passiert doch was!“, frohlockte ein namentlich nicht genannt werden wollender Anwohner und schickte der MZ Bilder von den Markierungsarbeiten.

Tatsächlich ließ sich zunächst vermuten, dass es sich um die Vorbereitung eines Zebrastreifens handelte. Das wäre weitaus mehr gewesen, als sich die Anlieger im Juni 2023 gewünscht hatten. Damals hatten sie einen Verkehrsspiegel als sinnvolles Instrument vorgeschlagen, um für eine bessere Übersicht im Kurvenbereich zu sorgen.

Die Stadt lehnte ab, mit folgendem Argument: „Ein Verkehrsspiegel gibt den Verkehrsbeteiligten meist nur ein vermeintliches Sicherheitsgefühl.“ Ohne Spiegel hingegen seien alle aufmerksamer und bewegten sich mit geringerer Geschwindigkeit.

Ein Zebrastreifen wurde die neue Markierung allerdings auch nicht. „Die Einrichtung eines Fußgängerüberweges ist hier gemäß Straßenverkehrsordnung nicht möglich“, lässt die städtische Pressestelle wissen und klärt auf, was es mit der vor zwei Wochen angebrachten Neuerung wirklich auf sich hat: „Es ist ein Schülerlotsenübergang, kein Fußgängerüberweg. Die Gerhardinger Grundschule hat einen Lotsendienst eingerichtet, deshalb wurde dieser markiert.“

Das wiederum entspricht der Information, die bereits bei der Bürgerversammlung gegeben worden war. Damals hatte die Stadt angekündigt, den Einsatz von Schulweg-Helfern zur Verbesserung der Situation zu prüfen.

So bleibt die Situation für die Anwohner unbefriedigend. Die Ursache dafür liegt ausgerechnet in der im Jahr 2022 vollzogenen Umwidmung der Andreasstraße zur Fahrradstraße. Weil damit die Abschaffung der Parkplätze einherging, wurde die zuvor recht enge Fahrbahn breiter. Dies verleitet Autofahrer und Radler zu höherem Tempo und mindert mitunter das Sicherheitsgefühl von Fußgängern.

„Wenn wir früher aus der Haustür getreten sind, standen neben dem schmalen Bürgersteig die Autos und bildeten eine gewisse Barriere. Jetzt kommt quasi direkt die Fahrbahn, das ist viel gefährlicher. Wir hatten Nachbarn mit kleinen Kindern, die deshalb sogar weggezogen sind“, erzählt eine Anwohnerin.

Kein Unfallschwerpunkt

Dem Ansinnen, die Andreasstraße zur verkehrsberuhigten Spielstraße zu machen, hat die Stadt jedoch eine Abfuhr erteilt. Als Bestandteil des Hauptradroutennetzes soll hier ein zügiges Vorankommen gewährleistet sein, eine verkehrsberuhigte Zone würde dem widersprechen.

Eine Gefahrenstelle sieht die Stadt überdies nicht. „Unfälle sind uns derzeit nicht bekannt. Nach Rücksprache mit der Polizei gab es 2021 einen Unfall ohne Fremdbeteiligung, in 2023 und 2024 sind keine Unfälle polizeilich bekannt“, informiert die Pressestelle.