Musik-Verbot ab 20 Uhr beim Regensburger Gassenfest? OB pfeift Ordnungsamt zurück

Von Rainer Wendl · 11. Juni 2024 um 17:00

Dank großer Routine und eines funktionierenden Netzwerks konnte Organisator Reinhard Kellner verhindern, dass das Regensburger Gassenfest (21. bis 23. Juni) zur Farce wird.

Seit 51 Jahren hat Reinhard Kellner Erfahrung bei der Mitorganisation großer Feste. Angefangen vom ersten Bürgerfest 1973 über die seit den späten 90ern etablierten Gassenfeste bis hin zu unzähligen Veranstaltungen mit den Sozialen Initiativen war er immer an vorderster Front dabei und ging daher mit einiger Berechtigung davon aus, schon alles erlebt zu haben. „Aber man lernt nie aus“, weiß er seit diesem Montag, als ein Schreiben des städtischen Ordnungsamts bei ihm einging.

In diesem wurde ihm mitgeteilt, dass auf den Bühnen des Gassenfests am übernächsten Wochenende frühzeitig Ruhe zu herrschen habe. „Eine überschlägige Berechnung der Musikdarbietungen hat ergeben, dass die Lärmimmissionen an den nächstgelegenen Immissionsorten beim Donaumarkt und der Donaulände zu einer Überschreitung des zulässigen Immissionsrichtwertes führen“, lautete die Information. Während die „überschlägige Berechnung“ das Umweltamt vorgenommen hatte, zog das Ordnungsamt die Konsequenz: „Die Musikdarbietungen am Donaumarkt und der Donaulände sind daher nur bis 20 Uhr zulässig.“

Stadtoberhaupt überrascht

Kellner ergriff sogleich Gegenmaßnahmen. „Bei der Eröffnung der Nachhaltigkeitswoche am Montagabend im Degginger haben wir die Oberbürgermeisterin abgefangen. Die war auch ganz überrascht und hat gemeint, dass sie sich das eigentlich nicht vorstellen kann“, erzählt er.

Dieser mündliche Einspruch blieb nicht der einzige Protest. Zusammen mit seinen Mitorganisatoren Sabine Watzlawik und Daniel Frost verfasste Kellner im Nu eine schriftliche Erwiderung und verschickte diese flächendeckend – an die Bürgermeister-Kollegen von Maltz-Schwarzfischer und sämtliche Stadträte sowie ans Ordnungs-, Umwelt- und Kulturamt und an die Kämmerei.

Unmut der Betreiber war greifbar

Der Unmut der Fest-Macher war greif- und nachvollziehbar formuliert. So fragten sie, warum eine solche Entscheidung keine zwei Wochen vor der Veranstaltung mitgeteilt wird, obwohl sämtliche Genehmigungsunterlagen bereits Ende April vorgelegen seien. Zudem ärgerten sie sich darüber, dass die Verwaltung ein Musik-Aus um 20 Uhr verfügt hat, ohne zuvor einen Blick auf die vom letzten Gassenfest vorhandenen Aufzeichnungen der Tontechniker zu werfen. Schließlich wunderten sich Kellner, Watzlawik und Frost noch darüber, dass erst am vergangenen Mittwoch ein Vor-Ort-Termin mit Ämtern und Sicherheitsbehörden stattgefunden hat, bei die neue Auflage mit keinem Wort erwähnt wurde.

Bisher keine Beschwerden

„Es hat in all den Jahren keine Beschwerden von Anwohnern gegeben“, blickt Kellner in die Gassenfest-Historie. Die Möglichkeit eines frühzeitigen Zapfenstreichs auf den Bühnen wertet er als ernsthafte Bedrohung für alle künftigen Großveranstaltungen: „Da braucht man gar kein Fest mehr, wenn man abends um acht die Bürgersteige hochklappt.“

Im Fall des Gassenfests käme noch die soziale Komponente hinzu. Alle Musiker treten hier im Sinne des Benefiz-Gedankens ohne Gage auf. „Wir reden hier von den sechs besten Bands. Die, die am Schluss spielen, sind immer die besten. Die könnten an so einem Juni-Wochenende gut verdienen“, betont Kellner und nennt reguläre Gagen von bis zu 3000 Euro. Ohne musikalische Untermalung am Abend sei das Fest insgesamt weniger attraktiv. Die simple Gleichung der Organisatoren lautet: Eine um 18 Stunden reduzierte Bühnenzeit würde ein Minus bei den Besuchern und geringere Einnahmen für den guten Zweck bedeuten.

Aufregung zum Ausstand

Nicht zuletzt sei ein vorzeitiges Musik-Aus ein Tritt vors Schienbein für die ehrenamtlichen Helfer aus mehr als 50 Vereinen, die das Fest-Wochenende tragen.

All diese Argumente führten binnen eines Tages dazu, dass die Angelegenheit Chef-Sache wurde. Die Oberbürgermeisterin nahm sich den Vorgang vor und entschied, dass wie geplant bis 22 Uhr Musik gespielt werden darf. Kellner erreichte die frohe Kunde am Dienstagmittag, als er passenderweise erneut im Degginger war. „Das wäre wirklich der Ober-Witz gewesen, jetzt bin ich erleichtert“, lautete seine Reaktion.

Das Gassenfest 2024, so kündigte er bereits im Vorfeld an, wird seine letzte Großveranstaltung als verantwortlicher Organisator sein. Die gerade noch abgebogene Aufregung zum Ausstand hat seinen Nachfolgern schon einmal gezeigt, wie man Probleme löst.