Ein Regensburger Gassenfest im Zeichen des Friedens – diesmal ohne Ostengasse

Die Ostengasse ist in diesem Juni beim Regensburger Gassenfest nicht mehr dabei, aber 50 Initiativen, 500 Künstler, ein Kuchen mit Geschichte und eine Polit-Debatte.
Dieser Kuchen ist aus Friedenszeiten, das schmeckt man. Allein drei Tafeln Schokolade sind in der cremigen Kreation nach einem Rezept aus den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, die am Freitag bei der Vorstellung des Programms des Gassenfests an der Donau vom 21. bis 23. Juni auf dem Tisch stand. Friedenskuchen heißt sie, und Friedens-Traum ist das Motto des Fests der Sozialen Initiativen, das bisher Ostengassenfest hieß.
Das Gassenfest ist ausgewandert, „weil wir festgestellt haben, dass die Ostengasse zu teuer ist“, so Reinhard Kellner, Vorsitzender der Sozialen Initiativen. Kosten in Höhe von circa 4000 Euro habe sie verursacht. 90 Straßenschilder mussten aufgestellt werden, um sie freizubekommen von Autos, ein Sicherheitsdienst war nötig. „Wir versuchen mal, den Aufwand etwas niedriger zu halten“, erklärte Kellner. „Und zweitens ist natürlich der Biomarkt ganz entscheidend.“
Gassenfest versus EM
Der Bio-Donaumarkt findet immer freitags statt und ist diesmal Teil des Gassenfests, unter anderem mit viel Bio-Kulinarik. Daniel Frost, der Initiator des Donau-Biomarkts, kündigte für den ersten Tag des Gassenfests, den Freitag, ein sehr punkiges Programm an. Am Samstag gehe es weiter mit Crossover, Alternative und Pop-Rock, bevor am Sonntag bis 22 Uhr „Gassen-Rhymes“ mit Hip-Hop-DJs das Programm abrunden. Dieser Abend sei auch „ein bisschen gedacht als Gassenfest versus Deutschland“, erklärte Frost, denn da steht das Spiel Deutschland gegen die Schweiz auf dem EM-Programm. Am Biomarkt diskutieren auch Politiker über die Europawahlen, die Stadtbahn, Sozial- und Armutspolitik sowie das Klima und Wolfgang Wörner präsentiert seine kinetische Kunst aus Edelstahl und Bewegung. Die weiteren Bühnen stehen an der Donaulände, am Sportplatz des Albrecht-Altdorfer-Gymnasiums und im Innenhof des Mehrgenerationenhauses.
Auf dem Sportplatz können die Besucherkinder unter anderem eine „Säule für den Frieden“ gestalten, wie Sabine Watzlawik, die die gemeinnützige GmbH Aktion Kultur sozial leitet, erklärte. Vorbild ist die Marc-Aurel-Säule in Rom. „Die Besucher sollen mit Modelliermasse Friedenssymbole gestalten.“ Die Friedenssäule soll im Anschluss im Foyer des Historischen Museums ausgestellt werden und im kommenden Jahr für ein guten Zweck versteigert werden.
Seifenblasen und Vorträge
Auf dem Sportplatz, der für das Kinderprogramm bekannt ist, werde diesmal am Samstag und Sonntag ein programmatischer „Rundumschlag“ für Kinder und Erwachsene geboten, kündigte Watzlawik an: von Bastelaktionen, Riesen-Seifenblasen und Kasperltheater bis hin zum Workshop Anthropologie und Führungen und Vorträgen zu historischen Themen. Dazu kommen „ganz, ganz viele Tanzgruppen und auch ein paar Musikbands“. Ein „sehr abwechslungsreiches Programm“ kündigte Michael Jungbauer vom Mehrgenerationenhaus an, mit Austro-Pop und Indie-Pop, Folk und Jazz.
An der Donaulände bei den Sozialen Initiativen gibt es neben Ständen, Trödel und einer Hüpfburg viel Partymusik. Kellner von den Sozialen Initiativen betonte, dass Stadtpass-Inhaber, also Menschen mit geringem Einkommen, auf dem von 50 Initiativen und 500 Künstlern gestalteten Fest an allen Ständen Gutscheine einlösen können. „Das haben wir noch nie geschafft.“ Zudem wies Kellner auf das interreligiöse Friedensgebet hin. „Ich glaube, dass das diesmal besonders interessant und spannend wird.“ Ob und inwieweit sich auch Gastronomen aus der Ostengasse beteiligen am Gassenfest, bleibe abzuwarten.