Musik, die unter die Haut geht: Trompeter aus Berching hat sich Instrument tätowieren lassen

Für manche ist Musik ein Hobby, für Egid Retzer ist es Liebe. Der Trompeter gehört seit 25 Jahren so fest zum Symphonischen Blasorchester Berching wie das Tattoo zu seiner rechten Wade. Zum Vereinsjubiläum spricht das einzig verbliebene Gründungsmitglied über seine große Liebe.
Auf seiner Haut hat sich Retzer unter mehreren Musiknoten und zwei Trompeten auch den Spruch „Musik war meine erste Liebe“ tätowieren lassen. Was für andere verrückt klingt, ist für den Rappersdorfer ein Zeichen der Verbundenheit zur Musik.
Die Liebe zur Trompete hat Retzer schon als Kind entdeckt. Als Elfjähriger war er Teil der Gruppe, die das Symphonische Blasorchester Berching (SBO) 1999 gegründet hat. Heute, 25 Jahre später, ist er im Jubiläumsjahr des Vereins noch immer dabei – als einzig verbliebener Aktiver von damals.
„Leider bin ich der einzige“, sagt Retzer, der heute zweiter Vorsitzender des SBO ist. Er habe im Kopf, dass 1999 um die neun aktive Musiker Teil des neu gegründeten Orchesters waren. Mehrere Erwachsene waren damals zudem im Hintergrund tätig – so auch Egid Retzers Vater.
Der Papa war es auch, der den damals elfjährigen Egid an die Trompete und an das SBO herangeführt hat. „Mein Vater hat damals schon in der Stadtkapelle gespielt“, erzählt Egid Retzer. Einige Musikanten der Stadtkapelle seien auch bei der Gründung des SBO involviert gewesen.
Symphonisches Blasorchester Berching: Rund 100 Musiker
Wie Egid Retzer selbst hat auch das Blasorchester klein angefangen. Aus den damals neun Musikern sind mittlerweile knapp 100 Aktive geworden. Denn unter dem Dach des SBO spielt nicht nur das Hauptorchester (50 Musiker). Auch das Nachwuchsorchester (25 bis 30 Kinder) und das Comeback-Orchester gehören dazu.
Zum Jubiläum haben sich die Musiker des Symphonischen Blasorchesters für ihre beiden Konzerte an diesem Wochenende etwas Besonderes einfallen lassen. „Im zweiten Teil der Auftritte unterstützt uns die Stadtkapelle“, sagt Vorsitzende Carolin Luber.
Sowohl zur Serenade am Samstag (20 Uhr) als auch zur Matinée am Sonntag (10 Uhr) ist der Eintritt in den Hans-Kuffer-Park frei. Spenden sind nach Angaben des SBO zu den identischen Auftritten erbeten.
Die Zuhörer erwarte eine Zeitreise der vergangenen 25 Jahre. „Wir spielen altbekannte Lieder, aber auch Hits, die neu in unserem Repertoire sind“, sagt Luber, die feststellt, dass sich das SBO im Laufe der Jahre verjüngt habe. Auch im Vorstand.
Einer, der für die junge Garde im Hauptorchester des Symphonischen Blasorchesters steht, ist Gabriel Haselbauer. Der 15-Jährige ist seit etwa eineinhalb Jahren Teil des großen Orchesters, sagt er. Angefangen habe er im Nachwuchsorchester. Und nachdem der junge Trompeter sein Abzeichen gemeistert hatte, wechselte er vom Nachwuchs- ins Hauptorchester.
Was begeistert einen 15-Jährigen, in einem Orchester zu spielen? „Ich finde es faszinierend, wie so eine Vielzahl an Musikern so toll zusammen spielt“, sagt Gabriel Haselbauer. „Wenn eine Person ein Musikstück spielt, klingt das nicht annähernd so imposant wie wenn 40, 50 Personen spielen“, sagt Haselbauer, der darüber hinaus am SBO auch schätzt, dass er dort mit Freunden zusammenkommt – jeden Freitag zur Probe und bei den Auftritten.
Bei Egid Retzer: Der Nachwuchs übt schon
Gegenüber dem 15-jährigen Gabriel Haselbauer ist Egid Retzer mit seinen 36 Jahren (davon 25 beim SBO) quasi schon ein alter Hase im Blasorchester. Für potenziellen SBO-Nachwuchs haben er und seine Frau Marina bereits gesorgt. Während Töchterchen Elena mit ihren gut drei Monaten noch deutlich zu jung für ein Instrument ist, übt Sohn Benjamin bereits an der Trompete, wie Papa Egid Retzer sagt.
„Manchmal schaut er mit der Mama auch fünf oder zehn Minuten bei der Orchesterprobe vorbei“, sagt Retzer, der aber keines seiner Kinder dazu dränge, Teil des Orchesters zu werden. „Hauptsache, sie finden ein Hobby, das ihnen gefällt.“ Denn dass es seinen Kindern und seiner Frau gut geht, ist dem Trompeter bei aller Liebe zur Musik am wichtigsten. „Meine Frau und meine Kinder werden immer die erste Geige in meinem Leben spielen.“

