Hotel zur Post in Bad Kötzting macht Rückzieher – Abgeordnete werden wieder bedient

Von Stefan Weber · 11. Juni 2024 um 15:20

Florian Huber, Wirt der Brauerei-Gaststätte zur Post in Bad Kötzting (Landkreis Cham) hatte in seiner Gaststube festgelegt, dass Abgeordnete nicht mehr bedient werden. Nun macht er einen Rückzieher. Seine Meinung über Politiker bleibt aber bestehen.

Am Montag hatte sich Julian Preidl, Abgeordneter für die Freien Wähler im Bayerischen Landtag, an unsere Mediengruppe mit der Geschichte gewandt, die umgehende auf bundesweites Interesse gestoßen ist: „Aufgrund der derzeitigen Situation werden Mitglieder des Landtages und Mitglieder des Bundestages bei uns im Wirtshaus nicht bedient“, hatte Florian Huber, Wirt der Brauerei-Gaststätte zur Post in Bad Kötzting in seiner Gaststube ausgehängt und mit Verweis darauf am Sonntag Preidl die bestellte Mahlzeit am Abend verweigert.

Weil er mit vielen Punkten an politischen Entscheidungen in Berlin und München in den vergangenen Jahren und auch aktuell nicht einverstanden sei, habe er sich dazu entschieden, erklärte Huber am Montag im Gespräch mit unserer Mediengruppe. Die Gründe im Detail wollte er nicht darlegen, bot aber jedem, der sie wissen wollte das persönliche Gespräch an und blieb dabei, dass er seine Form des Protests aufrechterhalten werde. Lediglich über die Pfingstfeierlichkeiten, wenn die Stadt als Veranstalter viele Ehrengäste, darunter natürlich auch Abgeordnete eingeladen hatte, war die Aktion ausgesetzt worden.

Stadt konnte Wirt nicht an Aktion hindern

Wie Bürgermeister Markus Hofmann am Montag erklärt hatte, habe die Stadt – obwohl sie Vermieter des Gebäudes an Florian Huber ist – keine Möglichkeit, den Wirt daran zu hindern. Huber habe das Hausrecht, der Inhalt des Zettels sei längere Zeit im Rathaus bekannt gewesen. Am Dienstag suchte der Bürgermeister dann doch das Gespräch mit Florian Huber. „Bei mir stehen die Telefone nicht still“, sagt Hofmann. „Da stehen wir als Stadt im Fokus in einer Art, die nicht gut ist“, sagt er zur Begründung. In einem klärenden und guten Gespräch seien er und Florian Huber übereingekommen, dass die Aktion beendet werde. Das Verhältnis zwischen Stadt und Wirt sei bislang immer sehr gut gewesen und solle es auch bleiben, so Hofmann.

„Das war generell überfällig“, sagt Julian Preidl zum Ende der Aktion. Ob sich Huber bei ihm entschuldigen wolle, das müsse der selbst entscheiden. Preidl sieht in der Aktion „eine Diskriminierung eines Berufsstandes“, aufgrund derer man sich nicht wundern brauchen, wenn es keine Listenkandidaten mehr für Wahlen gebe. „Man kann ja eine andere Meinung haben, aber wir dürfen uns nicht gegenseitig diskriminieren“, sagt er. Ein Leben lang wolle er sich nicht festlegen, aber momentan werde er als Gast in dem Wirtshaus, das direkt gegenüber vom Rathaus liegt, wohl nicht mehr anzutreffen sein. „Dafür sehe ich in nächster Zeit keinen Grund“, sagt er. Das Angebot eines professionellen Gespräches mit Florian Huber darüber, was ihn an der aktuellen Politik zu der Aktion bewegt habe, bleibe von seiner Seite aber bestehen. „Aber das war nicht gut, und er hätte das nie anfangen sollen“, sagt er.

Huber „wollte ein Zeichen setzen“

Florian Huber sagt, dass „jede Demo auch einmal ein Ende haben muss – ich wollte ein Zeichen setzen, und das ist passiert“. An seiner grundsätzlichen Überzeugung ändere auch das Ende der Aktion nichts. Auch wenn es ungünstig gewesen sei, dass Julian Preidl nun der direkt Betroffene der Aktion gewesen sei, so fordert er doch alle Beteiligten dazu auf, sich Gedanken darüber zu machen, wie es überhaupt so weit hatte kommen können. Das sei ihm am Ende wichtig, dass auch die Politik ihre Schlüsse daraus ziehe und sein Protest längerfristig dann einen positiven Erfolg haben könnte.