Im Hotel zur Post in Bad Kötzting werden Abgeordnete nicht mehr bedient

Von Stefan Weber · 10. Juni 2024 um 19:00

Dem Landtagsabgeordneten Julian Preidl wird im Brauer-Gasthof das Essen verweigert – Wirt Florian Huber will damit gegen politische Entscheidungen der vergangenen Jahre Kante zeigen.

Es ist Sonntag, 19.30 Uhr. Die abgegebenen Stimmen bei der Europawahl sind ausgezählt und Wahlvorsitzender Franz Gregori, dritter Bürgermeister der Stadt, hat seine Helfer in das gegenüberliegende Hotel zur Post zum Essen eingeladen. Essen wollte hier nur einer: Julian Preidl. Der ist Stadtrat, Kreisrat und Landtagsabgeordneter – und letzteres Amt hat an diesem Abend dafür gesorgt, dass er nichts bekam.

Das könnte Sie interessieren: Grafiken: In welchen Gemeinden die Ampelparteien am schwächsten waren

Die Getränke seien noch aufgenommen worden, doch als Preidl als einziger der sechs Wahlhelfer auch noch etwas zu Essen bestellen wollten, bekam er aus dem Service die Auskunft, dass er nicht bedient werde. „Das wollte ich dann aber schon noch vom Chef selbst hören“, sagt Preidl am Montag im Gespräch mit unserem Medienhaus – und erhielt von Wirt Florian Huber dieselbe Aussage: Alle Landtags- und auch Bundestags-Abgeordneten würden im Hotel zur Post nicht mehr bedient. Nach zehnminütiger Diskussion habe er die Gaststätte schließlich verlassen, sagt Preidl.

„Ich bin da überhaupt nicht auf Krawall aus“, sagt er. Stellt aber auch die Frage: „Wo kommen wir da denn hin?“ Dass demokratisch gewählte Volksvertreter in diesen Tagen oftmals mit Anfeindungen zu rechnen hätten, das sei für ihn schon schlimm genug. „Aber alles müssen wir uns auch nicht gefallen lassen“, sagt er.

Post-Wirt Florian Huber kann am Tag danach die Aufregung nicht ganz nachvollziehen. „Es geht mir überhaupt nicht um Julian Preidl privat, überhaupt nicht“, sagt er. Doch gebe es seit längerer Zeit mehr als eine Entscheidung auf Bundes- und Landesebene, mit der er nicht einverstanden ist, und darum habe er sich schon vor Monaten zu diesem Schritt entschieden, und zwar nach reiflicher Überlegung.

„Schockiert“ und beschämt

Bei der Stadt, die als Besitzer des Gebäudes Vermieter an die Gastwirtsfamilie Huber ist, war dieser Umstand auch schon seit Längerem bekannt. Auch wenn es nur ein DIN-A4 großer Zettel im Gastraum ist, der auch gar nicht plakativ aufgehängt worden ist, wusste Bürgermeister Markus Hofmann schon seit Wochen von diesem Verbot. „Das ist nicht schön, wenn man so miteinander umgeht“, lautet die für die Verhältnisse des Bürgermeister doch sehr zurückhaltende Aussage auf unsere Anfrage.

Ein Problem habe es gegeben, als die Stadt die Ehrengäste beim Pfingstritt zum Essen natürlich in das Hotel zur Post eingeladen hatte – selten dürfte die Dichte an Bundes- und Landtags-Abgeordneten größer sein in der Stadt als an diesem Tag. Weil es aber eine Veranstaltung der Stadt gewesen sei, habe er auf das Verbot verzichtet, sagen sowohl der Bürgermeister als auch Post-Wirt Huber. Das habe wohl auch für die Pfingsthochzeit gegolten, bei der auch Julian Preidl noch bedient worden ist.

Von „schockiert“ bis „fremdschämen“ reichen die Reaktionen derjenigen, die an diesem Abend mit zum Wahlhelfer-Team gehört hatten. In diesem Zustand hätten alle sechs Wahlhelfer sogar vergessen, das Argument anzuführen, dass Julian Preidl nicht allein Landtagsabgeordneter, sondern immer noch auch Stadtrat sei und in dieser Funktion natürlich auch über Investitionen in das Gebäude oder die Vermietung mit entscheide. Da könne sich auch ein Wirt „einmal gut überlegen, ob er das so weiterbetreiben will“, sagt Hofmann.

Es ist nichts Persönliches

Florian Huber nennt die Situation, in der das Gespräch mit dem Landtagsabgeordneten zustande gekommen sei, „unglücklich“. Er werde auch das Angebot Preidls annehmen und ihm in einem Vier-Augen-Gespräch seine Entscheidung erläutern. Öffentlich zu seinen Gründen äußern will sich Florian Huber aber nicht. „Dann steht etwas geschrieben, und auch wenn das ganz korrekt wiedergegeben worden ist, interpretiert jeder für sich wieder etwas ganz anderes rein“, sagt er, und das wolle er nicht. Wer meine Gründe wissen will, der darf mich gerne ansprechen, dann werde ich sie erklären“, sagt er. Als Gastronom habe er nicht viele Möglichkeiten, um Protest zu äußern. Durch sein Hausrecht stehe es ihm aber frei, zu entscheiden, wer bedient werde und wer nicht. Es gehe ihm dabei nicht um die Personen an sich, er habe nichts gegen Julian Preidl persönlich, sondern gegen das Amt, das er ausübt. Da sei es auch nicht wichtig, dass der MdL nach knapp einem Jahr im Amt an den meisten Entscheidungen, gegen die sich Hubers Protest richtet, gar nicht mitgewirkt habe, oder ob sich der Abgeordnete aktuell aktiv für die Gastronomie einsetze.

Die Entscheidung, Mandatsträger aus Bund und Land nicht mehr zu bedienen, habe er nach langer Überlegung selbst und nur für sich alleine getroffen, sagt Huber. „Das ist die einzige Form des Protests, die ich machen kann“, sagt er. Eine Form, die „nicht repräsentativ für ganz Bayern ist, wo es eine offene und freie Wirtshauskultur gibt“, sagt einer, den das Verbot auch betrifft, nämlich MdL Gerhard Hopp (CSU).

Den Zettel mit dem Verbot hatte Florian Huber am Montag abgenommen, damit er nicht fotografiert werden kann. In den kommenden Tagen soll er wieder aufgehängt und sein Inhalt weiter umgesetzt werden.