Kreistag Kelheim entscheidet über die Klinik Mainburg – hartes Ringen im Vorfeld

Von Martina Hutzler · 10. Juni 2024 um 15:00

Am Mittwoch (12. Juni) entscheidet sich die Zukunft der Mainburger Ilmtalklinik. Der Kreistag berät erneut, ob das Krankenhaus Teil eines neuen großen Ingolstädter Klinikverbunds wird, ohne eigene stationäre Notaufnahme und Akutversorgung. Die CSU-Landtagsabgeordnete Petra Högl stellt sich mittlerweile eindeutig hinter diese „Weiterentwicklung zu einem Level-1i-Krankenhaus“; Vertreter verschiedener Organisationen im Raum Mainburg warnen eindringlich davor. Die Führungsriege der Ilmtalklinik hat ein weiteres Anliegen.

Eine Art Quadratur des Kreises soll der Kreistag am Mittwoch bewerkstelligen: Es gilt, die Gesundheitsversorgung für über 40.000 Menschen in und um Mainburg sicherzustellen, die ohne das örtliche Krankenhaus weite Wege in andere Kliniken wie Landshut, Pfaffenhofen, Kelheim hätten. Doch dem Weiterbetrieb Mainburgs als Akutklinik stehen hohe Hürden entgegen: zum einen immer strengere Vorgaben zu Ausstattung und medizinischem und pflegerischem Personal, die für ein 90-Betten-Haus schwer erfüllbar sind; zum anderen der Millionenaufwand, den der Landkreis als Mainburger Träger alljährlich stemmen müsste.

Das würde zum einen „die finanziellen Möglichkeiten des Landkreises sehr schnell weit überfordern“ und zum anderen auch aus Personalmangel „das Ende des Krankenhauses einläuten“, zeigt sich nun die CSU-Kreisrätin Petra Högl überzeugt. Daher gebe es aus ihrer Sicht „nur eine richtige Entscheidung: die Weiterentwicklung unseres Krankenhauses zu einem Level-1i-Krankenhaus mit angeschlossenem Versorgungszentrum“. Dort sei „die haus- und fachärztliche Versorgung, die professionelle Krankenpflege, die Kurzzeitpflege, die geriatrische Versorgung und vieles“ gewährleistet.

„Innovatives Element“

Solche „Level-1i“-Häuser beschreibt das Bundesgesundheitsministerium etwas wolkig als „innovatives Element“ und „sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung“, die „stationäre Leistungen der interdisziplinären Grundversorgung wohnortnah mit ambulanten und mit pflegerischen Leistungen“ verbinden. Also das, was der bisherigen Ilmtalklinik Mainburg in der „standortübergreifenden Medizinstrategie“ für die Region Ingolstadt zugedacht wäre; dort heißt es „Erweitertes regionales Gesundheitszentrum“ und sieht keine stationäre Notfallversorgung mehr vor.

Genau das dürfe die Kreispolitik nicht akzeptieren, sondern müsse Mainburg „langfristigen Erhalt und die Aufwertung der leistungsfähigen Akutklinik sicherstellen“, fasst ÖDP-Kreisrätin Annette Setzensack die Forderungen bei einer Pressekonferenz vorigen Donnerstag in Mainburg zusammen, veranstaltet von der Bürgerinitiative (BI) „Rettet das Krankenhaus Mainburg“.

Laut BI-Sprecherin Setzensack warnten unter anderem Vertreter von Feuerwehren und Hausärzten, dass sich ohne die Klinik die Versorgung von Notfallpatienten um mindestens 40 Minuten verzögere: „Mehr Patienten werden sterben“, warnen Hausärzte-Sprecherin Anja Kistler und elf weitere Mainburger Hausärztinnen und -ärzte auch in einem Offenen Protestbrief, der der Redaktion vorliegt. Ohne Notaufnahme, Intensivstation Herzkatheter-Labor könne der Rettungsdienst das Haus nicht mehr anfahren, sondern müsse auf eh schon überlastete umliegende Kliniken ausweichen.

Das nannten beim Pressegespräch auch Vertreter von Wirtschaft und Landwirtschaft „inakzeptabel“, auch im Hinblick auf die vielen Beschäftigten in den Firmen und als Saisonarbeitskräfte auf Höfen. Der Vorsitzende des Mainburger Krankenhausvereins, Alfred Gaffal, prophezeite zudem Politikverdrossenheit, „wenn 45.000 Unterschriften nichts zählten“. Dass Mainburg eine stationäre Notfallversorgung brauche, sei erwiesen. Ähnlich äußern sich im Vorfeld der Kreistagssitzung auch die beiden FDP-Kreisräte und Mediziner Heinz Kroiss und Michael Schöll per Pressemitteilung.

Appell der Führungskräfte

An einer solchen „guten und stabilen Notfallversorgung“ sei man „natürlich interessiert“, betonen die Führungskräfte der Ilmtalklinik; und „selbstverständlich wird zum jetzigen Zeitpunkt eine Intensivmedizin am Standort Mainburg benötigt und insofern weiterbetrieben“, heißt es in einem Offenen Brief, den die Chefärzte von Kardiologie, Gastroenterologie, Unfallchirurgie, die Pflegedirektorin, der Mainburger Betriebsratsvorsitzende, die Verwaltungsleiterin und Geschäftsführer Christian Degen im April an die Landräte und Kreistage Pfaffenhofen und Kelheim richteten.

Doch sie warnen auch, „viele wünschenswerte Versorgungsformen erscheinen uns als ,theoretisch‘, da das notwendige Personal nicht rekrutierbar oder nicht bezahlbar sein wird“.

Für die Mainburger Abteilungen schildern sie ein derzeitiges Arbeitspensum an und über der Belastungsgrenze, dazu Verunsicherung und Abwanderungstendenzen beim Personal angesichts der hohen Belastung und der ungewissen Klinik-Zukunft. Die Verunsicherung werde verstärkt durch die noch unklare Bundes-Krankenhausreform und das Ingolstädter Regionalgutachten.

Nötig sei daher „eine Kompromisslösung (…) und diese möglichst rasch“, fordern die ITK-Verantwortlichen im Offenen Brief. Ob so ein Kompromiss in den Ingolstadt-Verbund mündet, sei allein Entscheidung der Politik, betonen sie. Warnen aber auch: Der ITK-Klinikverbund sei lebensnotwendig sei; ihn aufzulösen, würde den Weiterbetrieb Mainburgs „extrem gefährden“ und Pfaffenhofen „extrem schaden“.

Nach dieser Lesart freilich wäre Mainburgs Beitritt zum Ingolstädter Konzept alternativlos. Denn Pfaffenhofen hat bereits unmissverständlich erklärt, dass es dort mitmacht – mit oder ohne Mainburg.

Petra Högl machte im Austausch mit Innenstaatssekretär Sandro Kirchner die Dringlichkeit des Neubaus der Mainburger Polizeidienststelle deutlich Foto: Stefan Scheuerer