Krankenhäuser in Pfaffenhofen und Mainburg hoffen auf zügige Entscheidung der Politik

Von Patrick Ermert · 28. Mai 2024 um 19:00

Im Ringen um die Zukunft der Ilmtalklinik hat sich kürzlich die Führungsriege der Krankenhäuser in Pfaffenhofen und Mainburg im Namen der Belegschaft selbst zu Wort gemeldet – und einen klaren Hilferuf an die handelnden Politiker gesandt.

Diese sollten „eine zeitnahe Entscheidung“ fällen, heißt es in dem ausführlichen Schreiben, das an sämtliche Aufsichtsräte und Kreisräte aus den Landkreisen Pfaffenhofen und Kelheim adressiert ist. Nur damit könne „eine weitere Fluktuation von wichtigem Personal“ verhindert werden oder „für ein langfristiges Konzept wieder zu gewinnen sein“, heißt es darin.

Hintergrund der Vorgänge sind die seit Jahresbeginn laufenden Verhandlungen rund um die Ergebnisse des Regionalgutachtens für die Kliniklandschaft in der Region 10. Während im Landkreis Pfaffenhofen weitgehende Einigkeit darüber herrscht, eine Fusion oder zumindest sehr enge Zusammenarbeit mit den übrigen Kliniken in Ingolstadt, Eichstätt und Neuburg-Schrobenhausen einzugehen, hat sich rund um Mainburg erheblicher Widerstand gegen diese Pläne formiert. Die Initiative „Rettet das Krankenhaus Mainburg“ hat rund 45.000 Unterschriften gesammelt und setzt sich dafür ein, den Klinikstandort und die Ausgestaltung des Krankenhauses im Kreis Kelheim in der gegenwärtigen Form zu bewahren – und zwar so lange wie möglich und koste es, was es wolle.

„Fingerzeig nach Kelheim“

Den „Hilferuf“ der Verantwortlichen an der Ilmtalklinik will Geschäftsführer Christian Degen – er ist neben Verwaltungsleiterin Janine Kau, Pflegedirektorin Karin Nadler und den drei Chefärzten Michael Burzin, Thomas Pausch und Andrea Riemenschneider-Müller einer der sechs Unterzeichner des Schreibens – explizit als „Fingerzeig nach Kelheim“ verstanden wissen. Pfaffenhofens Kreisräte seien lediglich der Vollständigkeit halber „und um sie zu informieren“ ebenfalls adressiert worden.

Quintessenz des Schreibens ist die deutliche Feststellung, dass Mainburgs gesundheitliche Versorgungssicherheit nur im engen Verbund mit Pfaffenhofen aufrecht zu erhalten sei. „Ein Aufbrechen der Strukturen würde den mittelfristigen Weiterbetrieb des Mainburger Hauses extrem gefährden“, heißt es. Beim Regionalgutachten handle es sich nur um einen Vorschlag, der noch ausgearbeitet werden müsse. Und im Übergangszeitraum bis zum Jahr 2030 könne „noch sehr viel passieren“. Eine Entscheidung über die Teilnahme am Abstimmungsprozess zu verzögern, bedeute aber auch, „die Mitarbeiter am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen“, steht im Schreiben.

Fachleute zeigen denkbare Szenarien auf

Weiter wird klar aufgezeigt, dass ein „weiter so“ nicht mehr möglich sei. So zeigen die Fachleute denkbare Szenarien auf. Zum einen das Beibehalten der gegebenen Strukturen, was massive Investitionen erfordere. Alternativ die Reduzierung des Leistungsspektrums samt Konzentration auf das Wesentliche (Notfallversorgung, Orthopädie, Geriatrie). Oder als „worst case“ die komplette Schließung des Mainburger Krankenhauses. Viele Wünsche, die im Umfeld des Krankenhauses derzeit geäußert werden, erscheinen den Unterzeichnern als „theoretisch“. Dafür sei entweder das nötige Personal nicht rekrutierbar oder das Gesamtpaket schlichtweg nicht bezahlbar, schreiben sie weiter.

Degen selbst erklärt auf Nachfrage unserer Zeitung, wo er die Zukunft des Mainburger Hauses sieht: „nämlich als Level-1-Krankenhaus“, wie er sagt. Eine Notaufnahme wie in Pfaffenhofen sei in Mainburg nicht zu erhalten, wird er deutlich, „aber als wichtige Anlaufstelle für die Notfallversorgung ist Mainburg unerlässlich“. Zusätzlich seien dort teilstationäre Leistungen denkbar. „Was genau, wird sich weisen“, fügt er an. Der momentane Schwebezustand sei jedenfalls „das Schlimmste, was dem Haus passieren kann“, ergänzt der Geschäftsführer. Kein Mitarbeiter wisse noch, wie es weitergehe. „Und wem die Unsicherheit zu groß wird, der verlässt uns eben.“ Daher sei der Ilmtalklinik kein anderer Weg geblieben, als diesen Hilferuf zu senden.

Bürgerinitiative sieht Trennung als unausweichlich an

Die Initiatoren von „Rettet das Krankenhaus Mainburg“ haben als Endstand ihrer Petition 45223 Unterschriften gemeldet – „alles Menschen, die den Erhalt der akutstationären Versorgung in Mainburg fordern“, teilen sie mit. Die Resonanz sei überwältigend, sogar aus dem Kreis Pfaffenhofen hätten 4775 Unterstützer unterzeichnet. Die Initiative wertet dies als „klaren Auftrag an die Verantwortlichen in der Politik“ – und weist damit auf die Sondersitzung des Kelheimer Kreistags am 12. Juni hin.

Annette Setzensack spricht von „unfassbaren 4626 Kommentaren, die Betroffenheit dokumentieren und begründen, warum das Krankenhaus in Mainburg bleiben muss“.

Zusammenarbeit mit Pfaffenhofen sei essenziell

Den „Hilferuf“ bezeichnen die BI-Initiatoren als „Stellungnahme der Führungskräfte“ – und sie fühlen sich durch das Schreiben in ihren eigenen Forderungen rundum bestätigt. „Der Erhalt der Chirurgie, der Inneren Abteilung und die Aufrechterhaltung der Notfallversorgung im bisherigen Umfang ist unsere zentrale Forderung und eine Voraussetzung, dass das Krankenhaus bestehen kann“, teilen sie mit. Sie sprechen sich für eine entsprechende personelle Ausstattung und die nötigen Investitionen aus. Die Zusammenarbeit mit Pfaffenhofen sei zwar essenziell, räumt die BI ein. Aufgrund der Pfaffenhofener Mehrheit im Aufsichtsrat, der Mainburgs Interessen zu wenig im Blick habe, scheine die Trennung dennoch unausweichlich.

„Wir beenden diesen Kampf nicht“, ergänzt Setzensack. Den „vorauseilenden Gehorsam“ von Landrat Albert Gürtner (FW) und Klinikchef Christian Degen könne sie nicht nachvollziehen. Alles Geld, das ins Mainburger Krankenhaus fließe, sei gut angelegt. „Wir setzen uns ein, bis es keinen Ausweg mehr gibt“, versichert Setzensack. Denn in zehn Jahren könne es freilich sein, dass es in der Region kein Krankenhaus mehr gebe – keines mehr in Mainburg, allerdings auch keines mehr in Pfaffenhofen. „Und dann wollen wir sagen können, dass wir alles versucht haben.“