Europawahl im Landkreis Cham: CSU siegt klar, aber AfD-Ergebnis schockiert

Die CSU hat mit 45,2 Prozent zwar den klaren Sieg bei der Europawahl eingefahren, musste aber um acht Prozent Federn lassen. Profitiert haben vor allem die Freien Wähler und die AfD, deren Ergebnis mit 18,6 Prozent die Etablierten in Stockstarre versetzt. Auffällig: Das Bündnis Sahra Wagenknecht kommt im Landkreis aus dem Stand auf 4,2 Prozent.
Die CSU hat knapp acht Prozent verloren, dennoch gibt es in der Kreiszentrale das ein oder andere Bierchen. Mit den 45 Prozent habe man aber deutlich besser als bei den Landtags- und Bundestagswahlen abgeschnitten, resümiert der Chamer Kandidat Jonas Strasser. Im Landkreis liege die CSU zudem über dem Landesdurchschnitt. Das starke Ergebnis bei der Europawahl 2019 war seiner Meinung nach auf den Manfred-Weber-Effekt zurückzuführen gewesen. Dieser sollte damals Kommissionspräsident werden und habe zusätzlich mobilisiert. „Die CSU ist immer noch ein Bollwerk. Das AfD-Ergebnis ist trotzdem schlimm“, sagt er. Das Abschneiden habe ihn schockiert, zumal die Partei ebenso wie das Bündnis Sara Wagenknecht keine Präsenz vor Ort zeigte. Dass auch die Freien Wähler hinzugewonnen haben, führt er darauf zurück, dass mit Jürgen Rappert einer von vier bayerischen Kandidaten in Cham lebe.
Freudenschrei bei Rappert
Das Abschneiden der Freien Wähler im Landkreis mit 14,3 Prozent hat bei Rappert einen Freudenschrei ausgelöst. 5,2 Prozent hat seine Partei im Vergleich zur vergangenen Europawahl dazugewonnen. Rappert feierte den Erfolg mit den Freien Wählern auf der Wahlparty im NH-Collection Hotel in Berlin. „Super. Ich bin überwältigt. Da zeigt sich, dass der Einsatz Früchte getragen hat. Erfreut zeigte er sich auch von der gestiegenen Wahlbeteiligung. Aus seiner Sicht habe es sich bezahlt gemacht, dass er im Landkreis bei vielen Veranstaltungen war, sich die Sorgen der Bürger angehört hat. Wie Marianne Schieder von der SPD und Stefan Zeller von den Grünen zeigte sich Rappert allerdings erschüttert von den Ergebnissen der AfD, hinter der CSU zweitstärkste Kraft. „Ich halte das Ergebnis im Landkreis für einen Protest der Wähler.“ Es sei schade, dass die demokratische Mitte nicht besser überzeugen konnte. AfD-Wähler sollten darüber nachdenken, was ihre Wahl für Folgen für Europa haben kann. Es sei ein Bumerang, der nach Deutschland zurückkomme.
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Kreisvorsitzender Josef Fries bezeichnet das FDP-Ergebnis auf Landkreisebene als „prinzipiell schön“. Im Vergleich zu 2019 konnten die Liberalen 0,2 Prozent zulegen. Das sei zwar nicht viel, aber man sei zufrieden. Es sei vorhersehbar gewesen, dass die „Parteien links und rechts der Normalität“ dazugewinnen werden. Das AfD-Ergebnis findet Fries schlimm, fast 20 Prozent in der Region, vor allem im östlichen Landkreis, machten bei dieser Partei ihr Kreuz. Auch die hohen Werte für BSW stimmen ihn nachdenklich. „Viele Menschen folgen wohl den einfachen Lösungsversuchen dieser beiden Parteien, die aber nicht eingehalten werden können“, so Fries. Die gestiegene Wahlbeteiligung sei ein gutes Zeichen.
Keine Jubelstimmung, aber eine „kleine Freude“, herrscht beim AfD-Kreisverband, wie Reinhard Mixl berichtet. In Cham hat die AfD 6,5 Prozent Stimmen mehr als 2019 geholt. „Es könnte immer mehr sein“, sagt Mixl in einer ersten Reaktion. Vor allem die Themen Migration, Inflation, Energie- und Wirtschaftskrise würden die Menschen bewegen. Man könnte die Probleme nicht mehr übersehen, auch wenn man die Augen zumache, so Mixl. Die Bürger wollen Veränderungen. Mit knapp 20 Prozent sei die AfD übrigens keine Protest-Partei mehr. Ein bisschen gefeiert wird auf jeden Fall, doch Mixl gibt sich pragmatisch: „Ich muss schon die nächsten Wahlen organisieren.“
Schieder ist sprachlos
Nahezu sprachlos war MdB Marianne Schieder, was das Ergebnis ihrer Partei deutschlandweit betrifft. „Ich bin wirklich erschüttert“, sagte sie, „ich hätte schon gedacht, dass wir besser abschneiden.“ Es werde viel zu diskutieren geben. Im Landkreis Cham hat die SPD bei 4,9 Prozent lediglich 0,3 Prozent verloren. Blieb also auf niedrigem Niveau relativ stabil. Ebenso konsterniert ist Schieder über das Abschneiden der AfD. „Die machen keinen Strich, können sich die größten Sauereien leisten. Das scheint nichts auszumachen“, sagt sie.
Nicht gerade erfreut ist Kreisvorsitzender Stefan Zeller vom Ergebnis seiner Grünen im Landkreis (4,5 Prozent). Im Vergleich zu 2019 sind das 3,8 Prozent weniger Wählerstimmen. Er ist der Meinung, dass die Grünen vor fünf Jahren von der Umweltbewegung profitiert haben. Seither haben große Krisen die Menschen erschüttert. Die ureigensten grünen Themen, wie der Klimaschutz, scheinen die Bürger zu überfordern. Erfreut ist Zeller über die hohe Wahlbeteiligung. Für ihn sei sie Ausdruck, dass den Chamern bewusst ist, dass kaum ein Landkreis so sehr von der EU profitiere.

