Grünen-Aktion in Waldmünchen: Plastikabfall türmt sich zwei Meter hoch

Zwei Meter hoch türmt sich der Plastikabfall in der Glasstele. Kurz vor der Europawahl will Josef Karl von den Grünen in Waldmünchen so auf das Problem Plastikmüll aufmerksam machen. Dazu hat er eine zwei Meter hohe Glasstele gebaut, die er bis obenhin mit Plastikabfällen gefüllt hat. Am Donnerstag hat er die Stele vor dem städtischen Wertstoffhof mit dem Grünen-Kreisvorsitzenden Stefan Zeller, dem Grünen-Mitglied Ottmar Aigner und dem Vorsitzenden der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz, Robert Kurzmann, vorgestellt.
Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von Kunststoffabfällen pro Bundesbürger betrage in etwa 76 Kilo, sagte Karl. Die Säule zeige in etwa ein Zehntel dieses Verbrauches. Dabei beruft sich der Grüne auf Zahlen der parteinahen Heinrich-Böll-Stiftung und des BUND. Das Volumen der Säule betrage rund 0,32 Kubikmeter.
Mittlerweile gebe es im Meer mehr Plastik als Lebewesen, sagte Karl.Über die Nahrungskette komme der Plastikabfall als Mikroplastik irgendwann wieder zurück zu uns, machte Aigner deutlich. Und das Mikroplastik könne die Blut-Hirn-Schranke überwinden, fügte Kurzmann hinzu.
Plastik ist ein Rohstoff
Dabei sei der Plastikabfall kein Müll, sondern ein Rohstoff, erläuterte der Grünen-Kreisvorsitzende. Deswegen stehe man in Waldmünchen auch vor dem Wertstoffhof. Nur sollte Plastik so sortenrein hergestellt werden, dass es auch recyclebar oder sogar wiederverwertbar sei. Derzeit würden laut Umweltbundesamt 99,4 Prozent der Kunststoffabfälle stofflich oder energetisch verwertet, sagte Karl . Zahlen zur Situation im Landkreis hatte der Grüne nicht.
Karl machte deutlich, dass er nichts gegen Plastik generell habe. Die Produkte seien nicht wegzudenken und würden auch in seinem Holzbauunternehmen genutzt. Allerdings machte er deutlich, dass die Vermeidung auch helfen würde. Als Beispiel zitierte er einen Beitrag aus einem Fleischer-Fachblatt, das den Plastik-Verpackungsanteil bei 100 Gramm Parmaschinken verglich. Im Selbstbedienungsregal mache der rund 17 Prozent des Gewichtes aus, an der Bedientheke liege er bei einem Prozent.
Insgesamt sei die Produktion von Plastik massiv angestiegen. Weltweit wurden Anfang der 1950er Jahre 1,5 Millionen Tonnen Kunststoff produziert, mittlerweile liege die Zahl 2022 bei rund 400 Millionen Tonnen.
Diese Kunststoffe recyclebar zu machen, sei nur durch ein Gesetz möglich, das den Herstellern eine Sortenreinheit vorschreibt, die ein späteres Recycling überhaupt möglich mache. Genau diese sei eine Aufgabe der EU, sagte der Sprecher des grünen Ortsverbandes. Ähnlich wie beim Rauchverbot, über das heute keiner mehr spricht, würden sich auch bei den Plastikverpackungen die Wogen der Aufregung schnell glätten, sobald eine gesetzliche Regelung vorliegt , vermutet Karl.
Man sehe bei den derzeitigen Überschwemmungen, dass es billiger sei, rechtzeitig vorzusorgen, als später Schäden zu regulieren. An einer Regelung die den Verpackungsmüll eindämmt, würde früher oder später keine Partei vorbeikommen, ist sich Aigner sicher.
Stele soll an Schulen gehen
Die Stele aus Glas möchte Karl jetzt gerne Schulen zur Verfügung stellen. Seine Idee ist: Schüler könnten doch einmal die Verpackungen ihrer Pausenverpflegung sammeln, um zu sehen, wie schnell hier eine Menge an Verpackungsmüll zusammenkommt. Selbstverständlich würde er die schwere Stele auch den interessierten Schulen anliefern.