Die Waldmünchnerin Julia Ackermann lebt seit einem Jahr in Japan

Von Martin Hladik · 5. Juni 2024 um 11:30

Julia Ackermann hat die Reiselust im Blut. Nachdem die Waldmünchnerin vor zwei Jahren ein langes Praktikum in der Bretange als Konditorin mit wenig Französischkenntnissen erfolgreich gewagt hat, ist sie vor knapp einem Jahr zu einem noch größeren Abenteuer aufgebrochen. Mit Work-und Travel-Visum machte sie sich nach Japan auf. Ohne besondere Vorkenntnisse der Sprache oder der Kultur.

„Frankreich hat mir schon echt gut gefallen“, gesteht Julia. Nach einigen technischen Schwierigkeiten können wir uns endlich per Zoom unterhalten. Sie erzählt, dass sie nach Frankreich von den Work-und-Travel-Visas für Menschen unter 30 erfahren habe. Dabei habe sie „die größtmögliche Herausforderung“ gewählt, und das war Japan.

Nach fast einem Jahr, ihr Japan-Aufenthalt endet im Juni, resümiert sie. „Ich bin stolz auf mich“. Stolz darauf, es ohne besondere Vorkenntnisse geschafft zu haben. Ihre Sorgen, die sie vorher hatte, seien unbegründet gewesen. In Japan sei nichts kompliziert gewesen. Selbst ohne dass man sich auf Englisch verständigen konnte, sei man mit den Menschen in Kontakt gekommen. Nur die naive Idee, sich nach einem Einführungssprachkurs grundlegend verständlich machen zu können, musste sich die Waldmünchnerin abschminken. Zum „Ramen bestellen“ – die Lieblingssuppe von Julia – und für etwas Smalltalk würden die Japanisch-Kenntnisse genügen, aber „die Grammatik ist zu rätselhaft“, sagt Julia.

Gerne länger in Japan

Dennoch ist ihre Motivation, noch mehr Japanisch zu lernen, hoch, denn sie hat einen Japaner kennen- und offensichtlich lieben gelernt, wie ihr WhatsApp-Profilbild andeutet. Deswegen ist sie gar nicht glücklich, dass ihre Japanzeit schon bald endet. Nach Japan will sie auf jeden Fall noch weitere Male kommen.

Gearbeitet hat Julia drei Monate lang auf der nördlichen Hauptinsel Hokkaido, die so heißt wie der bei uns bekannte Kürbis. Allerdings sei sie dem Kürbis bei ihrer Arbeit nicht begegnet. Sie habe hinter einer Erntemaschine Brokkoli mit einer Handsense geerntet. In Hokkaido habe sie viele ältere Menschen kennengelernt, berichtet Julia. Dabei auch eine „süße Großmutter“, bei der sie drei Wochen wohnen durfte. Von ihr habe sie viel über die japanische Küche gelernt. Die Verständigung habe meist über Google geklappt, weil die Frau kein Englisch gesprochen habe. Die japanische Küche in Hokkaido sei „sehr gesund“. Es gebe viel Gemüse, Reis und Fisch.

Japaner lieben deutschen Baumkuchen

Auch was ihre eigene Profession, die Konditorei oder die Patisserie, betreffe, sei Japan überraschend. In den großen Städten gebe es viele Patisserien. Und sie stellten eine Spitzenqualität her. Besser seien die Leckereien auch in Frankreich nicht. Aus Deutschland hätten die Japaner den Baumkuchen übernommen. In Deutschland sei er das Handwerkssymbol aller Konditoren. Während in Japan der deutsche Baumkuchen sehr beliebt sei, verschwinde seine aufwendige Produktion in Deutschland immer mehr, bedauert Julia. Als eigene Süßigkeit gebe es in Japan Mochi. Das sind kleine Reiskuchen. Eine klassische Süßigkeit sei auch die Rote Bohnenpaste.

Essen ganz allgemein sei in Japan „sehr erschwinglich“. Das könne aber auch daran liegen, dass der Yen gegenüber dem Euro abgewertet worden sei. Neben Ramen, das ihr absolutes Lieblingsgericht sei, „ist Sushi unglaublich gut“. Der frische Fisch sei nicht mit dem zu vergleichen, den es in Europa gebe.

Eltern waren zu Besuch

In der vergangenen Woche hatte Julia Besuch von ihren Eltern, Petra und Markus Ackermann. Mit ihrer Tochter wollten sie unter anderem den Hafen in Yokohama besuchen. In Tokio wurden schon die Hauptattraktionen wie der Tokiotower besucht.

Beeindruckt hat Julia in den Städten nicht nur die Größenordnung, sondern die schiere Zahl an Menschen. Trotz der Massen sei alles „geordnet und geregelt“. Ein Beispiel seien Busse und Züge: „Die kommen punktgenau!“ Eine Verspätung von zwei Minuten sei da schon etwas Außergewöhnliches.

Als Deutsche habe sie feststellen können, dass sie in Japan einen gewissen Bonus habe. Es gebe eine Grundsympathie für die Deutschen.

Beeindruckend: Aussicht vom Skytree auf das nächtliche Tokio
Julia mit ihren Eltern Petra und Markus Ackermann
Das Sinnbild Japans: der Vulkan Fuji
Ein Blick auf den Hafen Yokohama