Die Nachbarschaftshilfe in Waldmünchen bringt die Menschen näher zusammen

Von Petra Schoplocher · 2. Juni 2024 um 15:00

Sie haben einfach ein Händchen und Gespür dafür, was Menschen gut tut, die Macherinnen der Nachbarschaftshilfe und des Mehrgenerationenhauses (MGH) Waldmünchen. Eindrucksvoll war das am Freitag wieder einmal zu erleben, bei einem fröhlichen Fest − wenngleich das durchaus einen tiefsinnigen Hintergrund hatte.

Der letzte Freitag im Mai ist bundesweiter Tag der Nachbarn, der Nachbarschaft.

Was lag da näher, als diesen als Forum für die Waldmünchner Nachbarschaftshilfe zu nutzen, sie bekannter zu machen, ihr Gesichter zu geben. Das dachte sich jedenfalls deren Koordinatorin Nadine Himmelhuber. Und siehe da: Sie traf ins Schwarze, in mehrfacher Hinsicht.

Allen voran funktionierte der Plan, Menschen in ungezwungener Atmosphäre zusammenzubringen. Die Stimmung war gelöst, die Resonanz überragend. Nicht nur den Initiatorinnen ging beim Blick in die gefüllten Räume das Herz auf. „50 plus, da müssten wir eigentlich eine Pulle aufmachen“, stand Himmelhuber, MGH-Projektleiterin Susanne Nock und dem Helferteam die Freude ins Gesicht geschrieben.

Apropos Team: Ohne das ginge gar nichts, betonen beide unisono. Tischdecken, Dekoration, Kuchen, Kinderprogramm, Popcornmaschine, Bedienung, Abwasch... „Jeder hat sich eingebracht, das ganze Team ist da“, fassen die Frauen dankbar und stolz zusammen.

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Was Susi Nock beim Blick in die Runde neben dem Generationen-gemischten Publikum besonders gut gefällt: „Ich glaube, wir haben es heute geschafft, Menschen hierher zu bringen, die schon lange nicht mehr so intensiv Teil der Gesellschaft waren.“ Das passe bestens zu den Hauptzielen von MGH und Nachbarschaftshilfe: Wege aus der Einsamkeit aufzeigen. „Wenn wir da einen Baustein beigetragen haben, ist das wunderbar.“

Lücken schließen

Die Nachbarschaftshilfe – dank zweier Neuer im Kern nun 20 Personen – möchte so niederschwellig wie möglich sein, in den Worten Nadine Himmelhubers: „Jeder ist willkommen, traut euch!“, ermutigt sie. Helfer – gefragt sind aktuell vor allem jene im haushaltsnahen Bereich. Sprich jemand, der Fenster putzt, den Staubsauger in die Hand nimmt oder im Garten hilft, weil das – ein Beispiel – der Seniorin nach einem Sturz gerade nicht möglich ist.

Genau in dieser Zwischenwelt sieht sie das Hauptaktionsfeld der Nachbarschaftshilfe. (Noch) kein Pflegegrad, aber doch eingeschränkt. Eine Lücke, die sich auftut, ein Problem, an dem langfristig gearbeitet wird, das kurzfristig und unbürokratisch aber gelöst werden muss.

Dieses „Traut euch!“ gilt gleichermaßen in Richtung derer, denen Hilfe gut täte. Die Waldmünchner bittet sie, bei ihnen die Nachbarschaftshilfe ins Spiel zu bringen. Gerne mit dem Hinweis, dass Himmelhuber auf Wunsch auch Hausbesuche macht. Nicht nur, um Organisatorisches zu klären, sondern auch, „um sich zu beschnuppern“.

Tendenz steigend, berichtet die Sozialpädagogin von den Besuchen in der Sprechstunde (dienstags von 9 bis 10 Uhr im MGH, die nächste allerdings erst am 18. Juni). Die ist neben der Telefonnummer (09972) 5979 878 eine der Möglichkeiten, mit ihr in Kontakt zu treten.

Positiv stellt sie zudem die Spendenbereitschaft heraus. „Super“ sind da die 875 Euro, die der Organisation das Benefizkonzert in Geigant in die Kasse gespült hat. Davon wird unter anderem ein Erster-Hilfe-Kurs finanziert und Bürgern unter die Arme gegriffen, die zwar einen Einsatz der Nachbarschaftshilfe benötigen, sich aber die Aufwandsentschädigung dafür nicht leisten können.

Dritter Bürgermeister Wolfgang Kürzinger wollte mit seiner Anwesenheit denjenigen gegenüber Wertschätzung ausdrücken, die sich in den Dienst der Gemeinschaft stellen. „Es ist toll zu sehen, dass bei uns Menschen solidarisch handeln.“ Das Format sei genau das richtige, schließlich gehe es darum, Kontakte zu generieren und zu pflegen.

Große Offenheit

Kürzinger ist begeistert: Kurz zuvor hätten ihm Neubürger von der Offenheit erzählt, mit der ihnen die Waldmünchner begegnen würden. „In dieser Intensität hat mich das überrascht“, gibt zu, gleichwohl betonend, dass MGH und Nachbarschaftshilfe daran großen Anteil haben.

Die Momentaufnahme an diesem Spätnachmittag veranschaulicht das nur zu gut: Vom Knirps, der mit den Augen an der Scheibe der Popcornmaschine klebt über Jugendliche, die Spaß beim Basteln haben bis zu Senioren, die ins Gespräch vertieft die Welt um sie vergessen. Ein schönstes Bild von Nachbarschaft. Die miteinander feiert, füreinander da ist und – sich gegenseitig hilft.

In der „Kinderecke“ durfte gechillt werden. Wie ginge das besser als mit einer Freundin und einer Portion frischem Popcorn?
Die Popcornmaschine machte neugierig – und weckte Gelüste.
Was darf es sein? Wenngleich Nadine Himmelhuber (links) mit Hinblick auf das Team zu betonen versuchte, „nix gemacht“ zu haben, war sie doch stets helfend unterwegs.
Gute Laune: Neben Kinderschminken und Glitzer-Tattoos gab es Bastelangebote.