Regensburger Restaurant war nur drei Tage offen – dann kam das Hochwasser

Nicht nur Anwohner sind von der Evakuierung der Regensburger Werftstraße betroffen. Auch ein erst am Wochenende eröffnetes Restaurant musste zwangsweise schließen.
„Sechs Meter zwei noch, es wird weniger“, sagt Pardeep Kanyan am Donnerstag um kurz nach 11 Uhr, als er an seinem Handy den aktuellen Pegelstand an der Eisernen Brücke checkt. Der Inder lebt seit 2012 in Regensburg und hat durchaus Expertise in Sachen Hochwasser. „2013 war’s schlimmer, aber da habe ich im Gravenreuther gearbeitet.“ Diese Traditionsgaststätte befindet sich bekanntlich Hinter der Grieb, einer Gasse, wo der Wasserstand keine Rolle spielt.
Jetzt ist die Situation für ihn völlig anders. Erst am Samstag hat er zusammen mit Harjit Singh das indische Restaurant Chaska eröffnet. Es war vorerst ein kurzes Vergnügen, denn seit Montag Abend ist zwangsweise geschlossen. Das Chaska liegt nämlich im Hochwasser-Hotspot Werftstraße.
Neues Restaurant in Regensburg: Euphoriebremse am Montag gegen 22 Uhr
„Wir haben am Samstag um 11 Uhr aufgemacht, es ist auf Anhieb sehr gut gelaufen. Auch der Sonntag und sogar der Montag waren super“, erzählt Singh. Am Montag gegen 22 Uhr kam jedoch die Euphoriebremse, die bis jetzt nachwirkt: Polizei und Feuerwehr informierten darüber, dass die Straße sofort evakuiert wird. Die halbe Stunde zwischen Ankündigung und Umsetzung der Maßnahme reichte für das Restaurant-Team gerade einmal dazu, die letzten Gäste heimzuschicken.
Seither haben die Gastronomen dasselbe Problem wie alle Anwohner: Sie dürfen nicht mehr rein, nicht einmal für ein paar Minuten. „Ich habe mehrmals bei der Feuerwehr gefragt, ob ich kurz ins Lokal kann. Ich hätte mich auch von Einsatzkräften begleiten lassen und ihnen nachher den Schlüssel gegeben“, sagt Kanyan. Doch die Ausnahme im Katastrophenfall wurde nicht gewährt.
„Das blieb alles zurück und ist jetzt wohl verdorben“
Die überstürzte Räumung des Lokals am Montagabend hatte zur Folge, dass das Team keine Lebensmittel mitnehmen konnte. „Wir haben nichts geschafft, das blieb alles zurück und ist jetzt wohl verdorben“, seufzt Kanyan. So hatte beispielsweise der Koch bereits für den nächsten Tag 50 Liter an Soßen vorbereitet. „Die waren aber noch heiß. Wenn wir die so ins Kühlhaus gestellt hätten, wäre das Kühlhaus kaputt gegangen.“ Fisch und Fleisch sind zwar gekühlt, doch eine tagelange Aufbewahrung dort war nicht vorgesehen. Auf etwa 1000 Euro schätzen Singh und Kanyan den durch verdorbene Ware entstandenen Schaden.
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Weitaus schlimmer wäre jedoch, wenn Einrichtung oder Technik durch das Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen würden. Diesbezüglich können die Inder derzeit nur hoffen. Am Donnerstagmittag auf der Eisernen Brücke schauen sie auf ihr nur einen Steinwurf entferntes Lokal mit dem historischen Namen Silberne Gans und geben sich optimistisch: „Am Wochenende, spätestens am Montag wollen wir wieder aufsperren.“ Der Pegel-Check am Handy macht Mut: Um 12 Uhr steht das Wasser noch bei glatt sechs Metern.