Regensburger Werftstraße: „Das hatten wir so noch nie“

Gegen den evakuierten Uferbereich drückt das Wasser aus dem Fluss und von unten. Circa 200 Anwohner wissen nicht, wann sie in ihre Häuser und Wohnungen zurückkönnen.
Anwohner aus der Werftstraße haben es am Dienstagvormittag einfach mal probiert: „Wir wollten mal fragen, ob man noch mal rein darf. Aber da ist nichts zu machen.“ Die Anwohner mussten nach der Evakuierung hinter dem Flatterband mit der Aufschrift „Polizeiabsperrung“ bleiben. Davor und dahinter tummelten sich Feuerwehrleute, Polizisten, Vertreter des Technischen Hilfswerks, des Tiefbauamts und eines Sicherheitsdiensts.
Alle blickten auf die mit Pumpen und Sandsäcken verstärkten Schutzwände – und auf die Straße. „Da der Untergrund der Werftstraße aufgrund des hohen Grundwasserspiegels immer mehr aufweicht, besteht die unmittelbare Gefahr, dass die Hochwasserschutzelemente keinen Halt mehr haben, schlagartig versagen und die Werftstraße geflutet wird.“ So hatte die Stadt am Montagabend um 19.28 Uhr die Evakuierung begründet. Betroffen waren rund 200 Menschen in 30 Häusern. Um 22.30 Uhr waren alle abgezogen. Drei Anwohner nutzten den Busshuttle, ein Hotel nahm sie auf. Die Notunterkunft in der Kerschensteiner-Berufsschule wurde nicht benötigt.
Notunterkunft war leer
Dabei blieb den Bewohnern der Werftstraße nicht viel Zeit. „Wir haben das gerade gewusst und 20 Minuten später kam die Polizei“, erzählt eine Anwohnerin. Etwas Vorbereitungszeit hatte sie, dank der Whatsapp-Gruppe mit den Nachbarn im Haus. Schon in den vergangenen Tagen hätten sie sich viel ausgetauscht, auch „gemeinsam den Keller ausgepumpt“. Erst seit einem Jahr wohnen die beiden in der Werftstraße. Schon bei der Wohnungsbesichtigung sei ihnen erklärt worden, dass bei Hochwasser die Tiefgarage geflutet werde, um alles zu stabilisieren, dass dann Stahl Fenster und Türen schütze und es diverse Pumpen gebe. Sie fürchteten das Wasser nicht, schließlich wohnen sie im zweiten und dritten Stock. „Dass wir rausmüssen, hätte ich nicht gedacht.“ Ein paar Klamotten, das Handykabel und die Arbeits-Laptops packten sie ein; am Dienstag allerdings hatten sie sich abgemeldet von der Arbeit und organisierten, wo sie unterkommen mit ihren zwei Katzen. Bei den Freunden konnten sie nicht länger bleiben, es ging zu den Eltern. „Ich glaube, die machen vor Donnerstag nicht wieder auf“, lautete die Vermutung zur Werftstraße. Die Behörden wollten wohl auf Nummer sicher gehen, dennoch machten sie sich etwas Sorgen ums Haus: „Wenn wir gehen: Wer kümmert sich darum?“
Astrid Schmidmeier drückte es auf der Eisernen Brücke sogar die Tränen in die Augen. Die 34-Jährige erzählte: „Um halb neun kam die Feuerwehr. Und dann hab’ ich die Sachen gepackt. Weil ich im Erdgeschoss wohn’, ein bisschen mehr.“ Dann sei alles „erstaunlich zügig“ gelaufen. „Das ganze Haus ist in der Wöhrdstraße untergekommen.“ Überhaupt sei der Zusammenhalt groß, „wie im Dorf“. „Das Haus steht seit 1756. Wir hoffen, dass es auch dieses Hochwasser überlebt“, sagte sie. Spundwände sicherten die Türen, die Pumpen schalteten sich bei Bedarf automatisch an. Wasser habe sie am Montag keines in der Wohnung gehabt, im Keller des Nachbarhauses sei „erstaunlich wenig drinnen“ gewesen.
Sorge auch bei Flut-Profis
Obwohl der Donaupegel an der Eisernen Brücke mit 6,16 Metern am Dienstag auf keinem Rekordhoch war, macht dieses Hochwasser sogar Fluterfahrenen Sorgen. Auch Elfriede Fidorra trieb es aus einer Seitenstraße der Wöhrdstraße auf die Brücke. Zwischen den Fernsehteams erkundigte sich die Seniorin bei einem THW-Mann, wie es weitergehe. Noch fünf bis 15 Zentimeter könne das Wasser steigen, hieß es, dann sei der Scheitel erreicht. „Jetzt hoffen wir, dass es zurückgeht“, sagte Fidorra. Seit fast 50 Jahren wohne sie am Fluss, eine Evakuierung der Werfstraße habe sie nie erlebt. „Als ich das gehört habe…“.
Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra bestätigte: „Das hatten wir so noch nie.“ Bei Meldestufe vier seit Sonntag drückten der Fluss und das Grundwasser von oben und unten gegen die Straße, selbst der Scheitel sei „langgezogen“. Deshalb gab es am Dienstag auch keine Entwarnung. „Das bleibt auf hohem Niveau“, sagte von Roenne-Styra. „Wann die Anwohnerinnen und Anwohner der Werftstraße wieder in ihre Wohnungen und Häuser zurückkehren können, kann derzeit nicht abgeschätzt werden.“

